Wildbienen-Fortpflanzung: Nisthilfen?
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Bevor der bei den Neststrukturen angesprochene künstliche Ersatz für natürliche Neststrukturen auf den Folgeseiten im einzelnen vorgestellt wird, soll der Nutzen für die Wildbienen diskutiert werden: Läßt sich das Wildbienen-Sterben – also der Rückgang lokaler Populationen und das Aussterben von immer mehr Arten – wirklich durch die Nisthilfen ("Bienenhotels") verhindern, die seit Jahrzehnten gebastelt und in Gärten und auf Balkons aufgehängt werden und mittlerweile auch in Gartencentern und Supermärkten angeboten werden? Einige Aspekte begründen Zweifel am Sinn von Nisthilfen, die typischerweise aus Totholz und Stengeln gefertigt wurden:

Grundsätzlich sind Bienen und andere Insekten (und auch andere Tiergruppen) offenbar nicht auf menschengemachte Nisthilfen angewiesen. Dennoch gibt es gute Gründe für ihren Einsatz:

Mögliche Besiedler von Nisthilfen:

Das an Nisthilfen zu erwartende Artenspektrum kann einerseits regional unterschiedlich sein und andererseits nur mit hohem Zeitaufwand, guter Artenkenntnis und auch der Hilfe von Kollegen ermitteln werden. Einen Glücksfall stellen deshalb die Untersuchungen von Volker Fockenberg an einem Nistziegel dar, den er seit vielen Jahren selbst Nistziegel produziert und den der Autor dieser Website für die aktuell beste käufliche Nisthilfe hält. Die Arten sind nachfolgend nach ihrem jahreszeitlichen Auftreten geordnet; das F in den Klammern verweist auf den Forscher und Hersteller der Nistziegel ('Fockenberg'), das K auf Mitteilungen und Fotos seiner Kunden. Einige Bienenarten sind in der Vorwarnliste der Roten Liste aufgeführt, Osmia leaiana gar in Kategorie 3:

Nistziegel
Nach Überzeugung des Autors die zur Zeit beste käufliche Nisthilfe für die meisten Totholz-Nister: der Nistziegel Nistziegel von Fockenberg (aufgrund großer Nachfrage leider nicht ganzjährig erhältlich)
    Bienen
  1. Osmia cornuta – "Gehörnte Mauerbiene" (F)
  2. Osmia bicornis – "Rostrote Mauerbiene" (F)
  3. Osmia caerulescens – "Stahlblaue Mauerbiene" (F)
  4. Chelostoma florisomne – "Hahnenfuß-Scherenbiene" (F)
  5. Chelostoma rapunculi – "(Große) Glockenblumen-Scherenbiene" (F)
  6. Osmia brevicornis – "Schöterich-Mauerbiene" (K)
  7. Hylaeus communis – "Gewöhnliche Maskenbiene" (F)
  8. Osmia campanularum – "Kleine Glockenblumen-Scherenbiene" (K)
  9. Osmia adunca – "Natternkopf-Mauerbiene" (K)
  10. Osmia leaiana – "Distel-Mauerbiene" (F)
  11. Megachile centuncularis – "Rosen-Blattschneiderbiene" (K)
  12. Megachile versicolor – "Verschiedenfarbige Blattschneiderbiene" (K)
  13. Heriades tuncorum – "Gewöhnliche Löcherbiene" (F)
  14. Megachile rotundata – "Luzerne-Blattschneiderbiene" (F)
  15. Colletes daviesanus – "Buckel-Seidenbiene" (F)
  16. Einsiedlerwespen
  17. Ancistrocerus gazella – Lehmwespe (F)
  18. Anicstrocerus nigricornis – Lehmwespe (K)
  19. Euodynerus quadrifasciatus – Lehmwespe (K)
  20. Symmorphus bifasciatus – Lehmwespe (F)
  21. Symmorphus gracilis – Lehmwespe (K)
  22. Passaloecus corniger – Blattlaus-Grabwespe (K)
  23. Passaloecus eremita – Blattlaus-Grabwespe (F)
  24. Passaloecus gracilis – Blattlaus-Grabwespe (K)
  25. Pemphredon lethifer – Grabwespe (K)
  26. Trypoxylon spec. – Spinnen-Grabwespe (F)
  27. Auplopus carbonarius – "Tönnchenwegwespe" (F)
  28. Kuckucke/Parasiten
  29. Stelis breviuscula – "Gewöhnliche Düsterbiene" (F)
  30. Chrysis ignita – "Feuer-Goldwespe" (F)
  31. Trichrysis cyanea – "Blaue Goldwespe" (F)
  32. Sapyga clavicornis – "Scherenbienen-Keulenwespe" (F)
  33. Sapygina decemguttata – "Löcherbienen-Keulenwespe" (F)
  34. Gasteruption assectator – Gichtwespe (F)
  35. Gasteruption jaculator – Gichtwespe (F)
  36. Monodontomerus obsoletus – Erzwespe (F)
  37. Ephialtes manifestator – Schlupfwespe (F)
  38. Stenarella domator – Schlupfwespe (F)

Diese Artenliste läßt sich durch geduldige Beobachtungen sicherlich noch erweitern, weitere Funde sind insbesondere unter den Grabwespen und Kuckucken zu erwarten: Die aufgeführten Insekten bestätigen eindrucksvoll den Nutzen einer guten Nisthilfe als Ersatz für viele verlorengegangenen Totholzstrukturen. Das Gros natürlicher Neststrukturen allerdings läßt sich durch solche Nisthilfen nicht ersetzen, diese sind folglich zu ergänzen vor allem durch vegetationsarme Niststellen (waagerechte Flächen, Hänge und Steilwände) für Bodennister sowie heimische Blütenpflanzen vor allem für Pollenspezialisten. Außerhalb des eigenen Gartens ist der Schutz der Wildbienen-Niststätten eher noch wichtiger: Etliche gefährdete Rote-Liste-Bienenarten sind nur noch in wenigen seltenen Habitattypen (u. a. Naturschutzgebieten) zu finden. Retten ließen sich unsere Wildbienen also nur, wenn die Nisthilfen im eigenen Garten nur der gute Anfang sind ...

Mögliche Typen von Nisthilfen:

Neue vertikale Boden-Nistplätze Neue vertikale Boden-Nistplätze Lehmwände Lehmwände für Pelzbienen & Co.
Markhaltige & hohle Stengel Nisthilfen mit markhaltigen & hohlen Stengeln
Lochziegel Lochziegel für Stengel und direkte Besiedlung
Nisthölzer Totholz sowie Nisthölzer & Demo-Nisthilfen
Kombi-Nisthilfen Kombinierte Nisthilfen unter einem Dach
Solitärbienenstände Solitärbienenstände bzw. Schauwände
Wildbienen-Lehrpfade Wildbienen-Lehrpfade & öffentliche Parks

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