Fleckenbienen · Thyreus
Artenportrait:  Thyreus orbatus

Thyreus orbatus, W
Thyreus orbatus  parasitiert Anthophora quadrimaculata · Leverkusen-Neulandpark, 2.8.2011

Die Gattung Thyreus Panzer 1806 (früher: Crocisa) ist von Nordafrika und Süd- und Mitteleuropa über Asien bis zu Australien und den Solomon-Inseln verbreitet. In Deutschland sind nur zwei Arten bekannt (T. histrionicus & T. orbatus), in Österreich allerdings vier und in der Schweiz gar fünf.
    Fleckenbienen ähneln Trauerbienen (Melecta), sind mit diesen eng verwandt und werden deshalb von einigen Zoologen sogar als Melecta-Unterordnung gesehen. Im Unterschied zu Trauerbienen ist das Scutellum (das "Schildchen" bzw. zweite und kleinere Rückenschild auf dem Thorax) der Fleckenbienen ganz flach, ragt weit nach hinten über und ist mittig tief ausgeschnitten und dort auffällig weiß behaart, wie das nebenstehende Foto deutlich zeigt. Untereinander sind Thyreus-Arten im Feld schlecht zu unterscheiden, am ehesten noch durch ihre unterschiedlichen Körperlängen von 7–15 mm. Die Körperfarbe ist stets ein tiefes Schwarz, zu dem die weißen Haarflecken auf Kopf, Thorax, Abdomen und Beinen einen scharfen und auffälligen Kontrast bilden.

Alle Fleckenbienen sind Kuckucksbienen, die ausschließlich Pelzbienen (Anthophora) parasitieren, in Deutschland vor allem Anthophora quadrimaculata. Deren Kuckuck, Thyreus orbatus, ist folglich am ehesten an Lehmwänden und Mauern zu finden, zumal eine Blütenspezialisierung nicht vorliegt. Die Eiablage in Anthophora-Nestern entspricht der von Melecta, Untersuchungen an einer Art lassen vermuten, daß die Larven keinen Kokon spinnen.

Thyreus ist eine Hochsommer-Gattung, die von Juni/Juli bis August in einer Generation fliegt. Selbst die häufigere der beiden "deutschen" Arten, T. orbatus, ist sehr selten. Erhalten lassen sich Fleckenbienen nur durch Schutzmaßnahmen für ihre Wirte, die Pelzbienen – in Deutschland also Anthophora quadrifasciata und Anthophora quadrimaculata.

Übrigens: Freunde der Antike wissen, daß Thyreus in der griechischen Mythologie eines der sieben Kinder von Althaia und Oineus war. Dieser war der König von Pleuron und Kalydon in Ätolien, wo er den Weinbau begründet haben soll. Als er vergaß, der Artemis zu opfern, schickte diese einen gewaltigen Eber, der das Land verwüstete, woraufhin die sogenannte kalydonische Jagd veranstaltet wurde.

NomadaWirte
Thyreus hirtusAnthophora ?
Thyreus histrionicusAnthophora quadrifasciata
Thyreus orbatusAnthophora quadrimaculata, A. plagiata, evtl. auch: A. borealis
Thyreus ramosusAnthophora albigena, eventuell weitere Pelzbienen
Thyreus truncatusAnthophora ?

Thyreus Panzer 1806 nach Schwarz, Gusenleitner, Westrich & Dathe (1996): "Katalog der Bienen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz (Hymenoptera, Apidae)" sowie Westrich & Dathe (1997): "Die Bienenarten Deutschlands (Hymenoptera, Apidae). Ein aktuelles Verzeichnis mit kritischen Anmerkungen."
T. affinis (Morawitz 1874)
T. hirtus (de Beaumont 1940)
T. histrionicus (Illiger 1806)
T. orbatus (Lepeletier 1841)
T. ramosus (Lepeletier 1841)T. truncatus (Pérez 1883)
*Synonyma: nach Müller et al. (1997), Westrich (1990) sowie Westrich & Dathe (1997 & 1998):
  • Thyreus major Morawitz 1875 → Thyreus histrionicus (Illiger 1806)
  • Thyreus scutellaris auct. nec (Fabricius 1781) 1875 → Thyreus orbatus Lepeletier 1841

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      Portrait: T. orbatus nächste Gattung