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Wildbienen: Hummeln?
- „Heute hat sich, wie ich glaube, eine Hummel zu uns verflogen. Sie war total schwarz und ca. 4 cm lang, s. Foto. Kann mir jemand sagen, ob und was für eine Art Hummel das war?“
- „Ich sah heute ein Insekt auf die Blüte einer Zaunwicke fliegen und dann Nektar saugen. Zuerst dachte ich beim Fliegen, es sei ein großer Käfer. Es hatte die Größe einer Hornisse. Aber der Körper war blauschwarz und unbehaart. Das Hinterteil lief nicht spitz aus wie bei Bienen oder Wespen, sondern schloß breit und gerade ab. An den Hinterbeinen hatte es Blütenpollen. Die Flügel waren auch blauschwarz aber transparent. Kann mir jemand sagen, was das für ein Insekt ist?“
- „Ich hatte heute den abgebildeten Besucher im Garten und wüßte gerne, wie der Gast heißt. Er war 3–4 cm groß. Ich habe den Tip erhalten, es sei eine Holzbiene, habe aber gelesen, daß deren Hinterleib durchweg bei allen Arten kahl und blankpoliert ist. Meine Biene war behaart.“
- „Im Dach meines Hauses, genauer zwischen den Dachpfannen, befindet ein Hummelnest. Da ich nicht weiß, wie ich darauf reagieren soll, wäre es sehr schön, wenn Sie mir ein paar Tips geben könnten. Speziell interessiert mich die Frage, ob durch die neuen Untermieter Schaden entstehen kann.“
- „Seit letzter Woche habe ich in meinem Bad Besuch einer Hummel. Sie kommt durchs gekippte Fenster und hat sich den kegelförmigen Griff am Zugseil meines alten defekten Heizstrahlers als Nestplatz ausgesucht. [...] Was genau ist das für eine Hummel? Nach etwas Recherche auf Eurer Seite schwanke ich zwischen alpinus, pomorum und wurflenii.“
- „Ich habe eine Hummel auf meinem Balkon entdeckt und würde gerne wissen, um welche Art es sich handelt. Ich bin der Meinung, es handelt sich um eine Alpenhummel, anhand Ihrer Website gibt es diese Hummelart bei uns in NRW jedoch nicht. Deswegen würde ich mich freuen, von Ihnen zu lesen.“
Bei Anfragen zu "schwarzen Hummeln" handelt es sich fast immer um die "Blaue" bzw. "Große Holzbiene", Xylocopa violacea. Sie ist allenfalls mit der noch selteneren Mörtelbiene Megachile parietina und der schwarzen Variante der Pelzbiene Anthophora plumipes zu verwechseln, die in Deutschland selten, in England aber normal ist. Es gibt jedoch Unterschiede:
- Holzbienen haben blauschwarz schillernde Flügel, Pelzbienen haben helle, durchscheinende Flügel, und die seltene Mörtelbiene Megachile parietina hat eher schwarzbraune als blauschwarze Flügel und außerdem eine schwarz gefärbte Bauchbürste.
- Holzbienen transportieren wie Pelzbienen und Hummeln ihren Pollen in Bürsten an Hinterschiene und -ferse, Megachile-parietina-Weibchen hingegen in ihrer schwarzen Bauchbürste.
- Holzbienen nisten in mürbem Totholz (z. B. alten Balken), während Pelzbienen lehmige Hänge und Wände besiedeln und die große, schwarze Mörtelbiene Megachile-parietina große Mörtelnester mit bis zu 16 Brutzellen an Steine und Felsen klebt.
Der Schreiber der vierten Anfrage könnte tatsächlich ein Hummelvolk gehabt haben. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit größer, daß die Insekten Wespen oder schwärmende Honigbienen waren, aber auch (besonders oberirdisch nistende) Hummeln finden schon einmal den Weg ganz nach oben in einen Hohlraum unter dem Dach. In Frage kommen einige der bekannten Arten: Ackerhummel (Bombus pascuorum), Baumhummel (Bombus hypnorum), Gartenhummel (Bombus hortorum), Steinhummel (Bombus lapidarius) und Wiesenhummel (Bombus pratorum). Schäden richten Hummeln nicht an, und eine Gefahr geht von ihnen auch nicht aus, solange es sich nicht ausgerechnet um die Baumhummel handelt: Da ihr meist in Baumhöhlen angelegtes Nest z. B. von Spechten relativ leicht zu entdecken ist, reagieren die Arbeiterinnen von Bombus hypnorum oft durchaus aggressiv auf Störungen und stechen auch. Ob Hummeln, Honigbienen oder Insekten: Man sollte also sicherstellen, daß die Insekten nicht ins Innere des Dachbodens gelangen können, und für einige Wochen den besiedelten Hohlraum nach innen mit etwas Pappe oder einer Holzplatte abdichten.
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| Die Pelzbiene Anthophora plumipes, schwarze Variante, im Anflug auf Lungenkraut |
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Die Große Holzbiene, Xylocopa violacea, wird trotz bläulicher Flügel oft für eine Hummel gehalten · 63150
Heusenstamm, 27.08.2009 (ste) |
Pelzig behaarte Bienen mit orangerotem Hinterleib sind im zeitigen Frühjahr so gut wie nie Steinhummeln (Bombus lapidarius) und erst recht keine Alpenhummeln (B. alpinus), Obsthummeln (B. pomorum) oder B. wurflenii: Die ersten Hummeln im Frühjahr sind immer große Königinnen, die Pollen in den Sammelbürsten ihrer Hinterbeine transportieren und ihre Nester meist im Boden anlegen.
Vielmehr sind die Bienen, die im Frühling um Löcher in Totholz oder in Mauern herumschwirren oder auf der Suche nach Nistgelegenheiten in Häuser eindringen, fast immer Mauerbienen. Exemplare mit orangerotem Hinterleib (Abdomen) und schwarzem Brustteil (Thorax) gehören zu häufigen Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta): Zuerst erscheinen die Männchen und wenig später die Weibchen, die keine Völker gründen, sondern ihre Einzelnester in Löchern von ca. 8 Millimetern Durchmesser in Totholz, Mauerwerk, Lehmwänden und künstlichen Nisthilfen anlegen und den gesammelten Pollen in ihrer Bauchbürste transportieren.
Eine ähnliche, aber dunklere Art, die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis), erscheint ca. 10 Tage später und ist noch mehr als Osmia cornuta für ihre zahlreichen Versuche bekannt, auch innerhalb von Häusern zu nisten. Kein Loch von ca. 6–7 Millimetern Durchmesser und beliebiger Länge ist dann vor ihnen sicher.
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Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta ) an einem Eichenholz-Nistblock |
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Mit ihrem orangeroten Hinterleib erinnert diese Mauerbiene an eine Steinhummel (B. lapidarius) |
Informationen über Holzbienen und Mauerbienen gibt es unter Wildbienen: Artenportraits und über Steinhummeln etc. unter Hummelarten.
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