Wachsmotten: Gittertunnel
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Wer befürchtet, seine Schützlinge mit festklemmenden Wachsmotten-Klappen ausszuschließen, kann sich für eine offene Lösung entscheiden. Aussicht auf Erfolg bietet ein mindestens 10 cm langer Gittertunnel vor bzw. neben dem Flugloch des Hummelkastens bzw. seines Vorbaus.
    Das Prinzip, das wir Herrn Finkenrath aus Solingen verdanken, nutzt die Geruchsorientierung der Wachsmotten: Diese fliegen bevorzugt dort an, wo sie das Hummelnest am stärksten wahrnehmen, und das ist aufgrund der vielen Ab- und Anflüge mit Pollen und Nektar direkt am Flugloch – übrigens auch dann, wenn in den Hummelkasten seitliche Lüftungsgitter eingebaut sind. Das Gitter vor dem Flugloch versperrt ihnen dorthin den Weg: Während heimkehrende Hummeln auf einer kleinen Landefläche an der Tunnelöffnung landen und dann außerhalb ihres Kastens 10–20 cm im Tunnel zum Kasteneingang laufen, umschwirren die duftgeleiteten Mottenweibchen vorrangig das Tunnelende, das ins Flugloch mündet. Je weiter sie sich zum Anfang des Tunnels bewegen, desto schwächer wird der Duft; daß sie dabei die Öffnung der Röhre entdecken, ist seltener, aber (leider) möglicher Zufall.
    Gittertunnel werden hier vorgestellt als runde Gitterröhre Gitterröhre, als Mobiler Tunnel mobiler & Stationärer Tunnel stationärer Tunnel, als Gittertür im Vorbau Vorbau eines Hummelkastens und hinsichtlich ihrer Einsatz eines Gittertunnels Handhabung und Erfolg des Gittertunnels Erfolgsquote:

1. Ganzmetall-Gitterröhre

Die einfachste Ausführung besteht aus einer Röhre aus Fliegengitter oder Aluminium-Lochblech, welches man um irgendeinen Stiel herum biegen und schließlich mit einem dünnen Draht schließen kann. Wenn die Röhre sehr stabil ist, läßt sie sich direkt in das Flugloch des Nistkastens stecken; besser ist allerdings ein kurzes Stück Kunststoff- oder Bambusrohr, auf das man die Gitterröhre aufsteckt und klebt und die exakt in das Flugloch paßt.
    Natürlich würde keine nestsuchende Hummel im Frühjahr den Eingang einer solchen Gitterröhre finden; wenn man diese jedoch nach erfolgter Nestgründung nachts in das Flugloch steckt, krabbeln die Hummeln morgens hindurch und finden bei der Rückkehr leicht irritiert die kleine Landeplattform wieder. Wichtig ist, daß die Röhre rechtzeitig vor dem Schwärmen der Wachsmotten angebracht wird.

Nistrohr mit Gitterröhre   Öffnung und Landeplatz einer Gitterröhre
Nistrohr (Kanalbau) mit Deckplatte und Gitterröhre. Die dunkle Manschette links enthält eine Lichtschranke zur Zählung der Ein- und Abflüge.   Diese kleine Landeplattform ist für heimkehrende Hummeln farblich markiert.

2. Mobiler Gittertunnel

Eine vom Hummelkasten wegführende Röhre stellt natürlich eine recht wackelige Konstruktion dar, die ein heftiger Windstoß, ein unachtsamer Mensch oder ein Tier leicht abreißen kann. Besser ist daher, einen eckigen Gittertunnel mit einer Leiste zu stabilisieren und geschützt entlang der Kastenvorderwand und unter dem vorstehenden Dach anzuschrauben. Auch diese Ausführung hat den Vorteil, daß sie sich nachträglich montieren läßt, ohne den fertigen Kasten bearbeiten bzw. eine schon angesiedelte Hummelkönigin stören zu müssen.
    Idealerweise stellt der Gittertunnel einfach eine seitliche Verlängerung eines verschließbaren Vorbaus bzw. Balkons Balkon siehe unten dar und mündet in dessen seitliches Schlupfloch. Die Königin findet den Einflug zum Hummelkasten zunächst im genannten Vorbau oder wird durch dieses Flugloch hindurch eingesetzt. Sobald das Nest dauerhaft gegründet ist, wird der Vorbau nachts mit einem Schieber verschlossen, was die Königin bzw. ihre Arbeiterinnen am nächsten Morgen zwingt, durch das seitliche Schlupfloch des Vorbaus und weiter durch den Tunnel in die Freiheit zu krabbeln und sich den neuen Nestzugang einzuprägen.
    Falls der Nistkasten vor seinem Flugloch keinen Vorbau, sondern nur ein kleines Brettchens bzw. eine Anflugleiste aufweist (siehe kleine Nistkästen), muß der Tunnel am Ende verschlossen werden und dort eine seitliche Öffnung erhalten. Damit die Anflugleiste die Montage des Tunnels nicht behindert, sollte sie abgeschlagen und im nächsten Frühjahr durch eine abschraubbare ersetzt werden; man kann den Gittertunnel allerdings auch umgekehrt, also mit der Laufleiste nach oben anschrauben: Die Leiste innerhalb des Tunnels dient dann als Dach, und es ist noch eine kleine Anflugplattform anzubauen. Hummeln laufen problemlos auch auf dem Gitter.
    Die folgende Bastelanleitung geht vom Normalfall, also der Laufleiste unten aus:

Mobiler Gittertunnel
Ein Gitterdraht-Tunnel läßt sich recht einfach aus stabilem Fliegendraht oder aus ca. 0,75 mm starken Aluminium-Lochblech mit 1-mm-Lochung basteln, das es in Heimwerkermärkten ab 12 cm Breite zu kaufen gibt: Mit einer Blechschere oder kräftigen Allzweckschere schneide man ein 12 cm langes, also quadratisches Stück aus dem Lochblech und biege es sorgfältig, wie links abgebildet, zu einer rechteckigen, etwa 20 x 33 mm großen Röhre, die an einer Seite etwas überlappt. In diese Konstruktion schiebe und klebe man eine etwa 20 x 14 mm starke Holzleiste, die mit ca. 15 cm Länge die Röhre um etwa 3 cm überragt und so eine Anflugplattform für landende Hummeln bildet. Schließlich bohre man im Bohrständer noch zwei Schraublöcher durch alle drei Blechlagen und die Leiste hindurch und schraube die fertige Konstruktion neben den Vorbau bzw. vor dessen seitliches Flugloch.
    Holzschrauben dreht man von außen in die Vorderwand des Nistkastens, metrische Schrauben hingegen steckt man von innen durch die Frontplatte und fixiert den Vorbau mit rostfreien Muttern.

3. Stationärer Gittertunnel

Statt eines abnehmbaren Tunnels zur nachträglichen Montage kann und sollte man einen Gittertunnel natürlich bei der Konstruktion eines Hummelkastens auch gleich fest einbauen – zumindest teilweise. Im abgebildeten Beispiel ist der (mit 14 cm etwas kurze) Laufsteg fest montiert, während sich das Oberteil des Tunnel zu Reinigungzwecken abschrauben läßt.
    Gittertunnel neben einem Vorbau machen einen Hummelkasten offenbar nur dann ziemlich wachsmottensicher, wenn sie lang genug sind und wenn auch der Vorbau selber vergittert ist: Der Befall eines Kastens ohne Gittertür im Jahre 2003 ist vermutlich dadurch zu erklären, daß sich die Mottenweibchen zu sehr von der luftdichten Tür weg entlang des (etwas zu kurzen) Gittertunnels orientierten und schließlich doch das Einflugloch an seinem Ende fanden. Ein Gitter auf dem Vorbau, also direkt vor dem inneren Schlupfloch, hätte die Plagegeister wohl vor allem dorthin gezogen.

Offener Vorbau mit Gittertunnel von links   Verschlossener Vorbau nach Einzug der Königin
Durch einen Gittertunnel aus Alu-Lochblech werden Wachsmotten zwar weiterhin vom Nestgeruch der Hummeln angelockt, zugleich aber gestoppt.   Die von links anfliegenden Motten könnten den Eingang dennoch finden, da der Tunnel recht kurz und der Vorbau luftdicht verschlossen ist.

Vorbau mit Gittertür 1 und Gittertunnel   Vorbau mit Gittertür 2 und Gittertunnel
Wenn der Nestgeruch direkt durch die Schiebetür strömt, fliegen Wachsmotten hier bevorzugt an. (Foto mit anfliegender Dunkler Erdhummel, A.)   Schiebetüren lassen sich auch mit Reststücken des teuren Alu-Lochblechs vergittern! Die Löcher wurden mit einer Oberfräse hergestellt und gefalzt.

4. Vorbau-Gitter

Wenn ein Gittertunnel Wachsmotten erfolgreich vom tatsächlichen Eingang bzw. Flugloch zum Nistkasten ablenkt, ist grundsätzlich dieselbe Funktion von einer Gittertür zu erwarten, mit der man statt der üblichen geschlossenen Dreh- oder Schiebetür den Vorbau verschließt, sobald die Königin sich fest etabliert hat. Die Befürchtung, durch die scheinbar vergrößerte Emissionsfläche des Türgitters würden Wachsmotten besonders gut angezogen, ist unbegründet: Das innere Flugloch bleibt für den ausströmenden Nestgeruch weiterhin ein "Flaschenhals", und der Geruchssinn der Motten ist fein genug, auch Kästen ohne Gitter aufzuspüren.
    Für Türgitter gilt jedoch eine Einschränkung: Das Flugloch eines ca. 10 cm breiten Vorbaus ist nur um die Ecke, also so nahe, daß Wachsmotten es beim Anflug doch finden könnten. Wirklich gute Erfolgsaussichten bietet eine vergitterte Tür also nur auf einem sehr langen Vorbau oder in Verbindung mit einem langen Lauftunnel.

5. Handhabung

Gittertunnel und Gittertüren neben und vor dem Vorbau haben den unbestreitbaren Vorteil, daß sie von selbst funktionieren – auch dann, wenn der Hummelhalter spät abends den Eingang zum Kasten nicht verschließt. Sie seien deshalb zur Nachahmung empfohlen, und Erfahrungsberichte hierzu sind willkommen. Die Aufmerksamkeit und Sensibilität des Hummelfreundes verlangen sie nur zu dem Zeitpunkt, an dem die Hummeln sich an den neuen Zugang gewöhnen sollen:

  1. Gleich nach dem Einzug sind manche Königinnen noch etwas heikel und nehmen eine Störung leicht zum Anlaß, sich an anderer Stelle nach einer Nistgelegenheit umzusehen. Man sollte ihnen also nicht sogleich zumuten, sich ein neues Flugloch einzuprägen. Viele "Hummelhalter" warten mit dem Verschließen des Vorbaus sogar, bis die ersten kleinen Arbeiterinnen auftauchen und die Königin selbst nicht mehr fliegt; dieser Zeitpunkt muß aber unbedingt vor dem Schwärmen der Wachsmotten liegen!
  2. Das Verschließen des Vorbaus bzw. Installieren eines Gittertunnels sollte grundsätzlich abends in der Dunkelheit erfolgen, damit sich die Hummeln durch die ungewohnte Art des morgendlichen Ausfliegens den neuen Nestzugang einprägen und ihn bei der Rückkehr zielsicher ansteuern.
  3. Es ist jedoch keineswegs völlig sicher, daß sich die Königin bzw. später ihre ersten Arbeiterinnen nachts wirklich alle im Nest befinden: Manche Tiere übernachten gelegentlich auch außerhalb des Nistkastens. Um ganz sicherzugehen, daß keine Hummel ausgesperrt wird, sollte man also an einem Abend nach der Nestgründung mit dem Schließen warten, bis die Königin eingeflogen ist.
        Wer mit dem Verschließen des Vorbaus bis nach dem Erscheinen der ersten Arbeiterinnen wartet, sollte die Schiebetür ebenfalls bei Dunkelheit schließen, sie aber morgens noch einmal kurzzeitig solchen Hummeln öffnen, die den neuen Zugang offenbar noch nicht kennen und deshalb auffällig lange und orientierungslos um den verschlossenen Vorbau herumfliegen und schließlich frustriert abdrehen. Nach dem Einfliegen solch eines Spät- bzw. Frühheimkehrers sollte die Tür schnell wieder verschlossen werden, damit die Hummeln im Kasten nicht wieder den direkten, geraden Weg nach draußen nehmen können.
  4. Wenn eine Hummel eines Morgens beim Ausfliegen den Vorbau mit einer Gittertür verschlossen vorfindet, wird sie möglicherweise vom einfallenden Sonnenlicht gezogen gleich zum Gitter stürmen und dort wild brummend versuchen durchzukommen, bevor sie schließlich doch den seitlichen Ausgang des Vorbaus und damit den Eingang zum Tunnel findet. Um ihr diesen Streß zu ersparen, kann ein sonnenexponierter Vorbau zunächst ein, zwei Tage lang mit einer unvergitterten Tür verschlossen sein, bevor endgültig eine Gittertür eingeschoben wird.

6. Erfolg

Die bislang mit Gitterröhren und -tunneln gesammelten Erfahrungen lassen den Schluß zu, daß diese Methode die Wachsmottenweibchen zwar – je nach Ausführung – stark behindern, aber nicht völlig am Eindringen in Hummelkästen hindern können: Zwei derart gesicherte Kästen wurden bislang von Motten befallen, wenn auch in geringerem Ausmaße als sonst zu beobachten, was auf nur ein oder zwei statt vieler Wachsmotten-Gelege hindeutet. Eine mögliche Erklärung ist sicherlich der Zufall bzw. die statistische (Un)Wahrscheinlichkeit, beim Anfliegen genau die Mündung der Röhre zu treffen. Denkbar ist auch, daß dort mehr Duftstoffe haften bleiben als an anderen, der Kastenöffnung zugewandteren Stellen der Röhre.
    "Hummelhalter" haben auch über die Möglichkeit spekuliert, daß die Motten gar nicht immer in den Kasten eindringen, sondern ihre Eier nach vergeblichem Anflug schließlich am Gitter oder durch dieses hindurch ablegen, von wo sie dann von den Hummeln ins Nest mitgeschleppt oder eigenständig ihren Weg finden würden. Wer darüber Näheres in Erfahrung gebracht hat, sollte seine Erkenntnisse nicht geheimhalten!

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