Ein Wachsmotten-Erlebnis

Alle "Hummelhalter" haben irgendwann Bekanntschaft mit den Raupen der Hummel-Wachsmotte (Aphomia sociella) gemacht haben: vielleicht nicht gleich im ersten Jahr ihres Hobbys, aber sicherlich in einem der Folgejahre. Die Erfahrungen waren sicherlich unterschiedlich: Manche Hummelfreunde entdeckten nur wenige kriechende oder schon eingesponnene Raupen im Nest bzw. Nistkasten, andere mußten zusehen, wie das gesamte Hummelvolk zugrunde ging.

Die folgende Bildergeschichte dokumentiert ein solches Erlebnis. Alles fing damit an, daß ich an einem Samstagabend im Mai einen langjährigen, versierten Hummelhalter besuchte und dieser mir zum Abschied einen zum Hummelkasten umgebauten Vogelnistkasten mitgab: Mit diesem habe es seine besondere Bewandtnis, sagte er: Er sei zunächst von einer Wiesenhummel-Königin besiedelt worden, diese sei aber nach dem Schlüpfen der ersten Arbeiterinnen von einer Baumhummel-Königin totgestochen worden. Die Wiesenhummel-Arbeiterinnen versorgten nun die Brut der Eroberin, und bald könne ich beide Arten im Nest zusammen fotografieren. Dieses Geschenk nahm ich gerne an ...

Als Hummelkasten umgebauter Vogelkasten   Die Frontplatte des Hummelkastens hatte statt eines runden Flugloches oben ein längliches Flugloch unten, das mit einem Holzkeil verschlossen war. Zu Hause hängte ich den Kasten in niedriger Höhe in einen kleinen Obstbaum und zog den Keil zwei Stunden später in völliger Dunkelheit heraus. Am nächsten Tag sah ich die kleinen Wiesenhummeln ein- und ausfliegen: Sie hatten die neue Umgebung erkundet und kehrten zu ihrem neuen Standort zuverlässig zurück. Zwei Tage später entfernte ich probeweise die Tür: Nistmaterial und Nest befanden sich praktischerweise in einem kleinen, passend gemachten Karton, der zur Nestkontrolle einfach herauszuziehen war.   Das Hummelnest befindet sich in einem passenden Karton

Wiesenhummel-Arbeiterin über dem Nest   Die Baumhummel-Königin kommt ...
Als ich 2 Wochen später den Karton herausnahm, begrüßten mich eine kleine Wiesenhummel – und eine Wachsmottenraupe! Ich ahnte Schlimmes ....   Vorsichtig teilte ich das Nistmaterial, eine weitere Arbeiterin erschien und dann die Baumhummel-Königin. Kamera und Ringblitz waren in Aktion!

Die Königin abwehrbereit auf dem Rücken   Die Königin verläßt das Nest
Als ich das Nest weiter öffnete, warf sie sich abwehrbereit auf den Rücken. Mit einer Schere zerschnitt ich ein paar der gelben Raupen, ...   ..., und während ich weiter suchte und fotografierte, verließ die glücklose Königin das leere Nest: Alle Waben, alle Larven und Kokons waren zerstört!

Wachsmotten-Raupen im Nestsubstrat   Die Beute ...
Im Nistmaterial und in der Substratschicht darunter fand ich an die 50 Raupen: das Ergebnis mehr als eines Geleges. Die Hummeln hatten keine Chance.   Nur ein kleiner Teil der Beute. Nachbars Goldfische hatten Grund zur Freude ...

Bei mehreren Kontrollen in den folgenden Tagen war keine Hummel mehr im Kasten zu finden, also brachte ich ihn seinem Eigentümer bei Gelegenheit zurück. Dieser war inzwischen fleißig gewesen:
    Stolz zeigte er mir einen neuen, speziell für Baumkästen gebauten "Solinger Wachsmottenschutz":
Ein Metall-Gitterrohr steckt in einem Stück Holzleiste, das nach dem Einzug der Königin vor das Flugloch des Hummelkastens geschraubt wird. Das vordere Ende des Gitterrohrs mündet in einer Anflug-Plattform.
    Im nächsten Frühjahr werden es die Motten wohl ein wenig schwerer haben, ins Nest einzudringen!
  Solinger Wachsmottenschutz

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