Lehmwände:
Traditionelle Wände & Mauern ·
Hohlsteine ·
Holzmodule
2. Lehmwände aus Hohlsteinen
Eine aus Hohlsteinen erstellte Pelzbienen-Wand hat gegenüber einer mit Ziegeln und Lehm gemauerten Wand den Vorteil, daß sich die Hohlsteine nachträglich leicht versetzen und erweitern lassen.
- Die leichtesten Hohlsteine sind sogenannte Weinlagersteine, also gebrannte Ziegel mit Öffnungen für Weinflaschen. Sie sind besonders dünnwandig, also nicht sehr stabil und daher eher für den Einbau in
Wildbienenwände geeignet.
- Deutlich stabiler und aufgrund ihrer geringen Wandstärke noch tragbar sind Eternitkästen, die aus dem Handel verschwanden, als die Gefährlichkeit des darin ehemals enthaltenen Asbests bekannt wurde. Zwar wurden sie zwischenzeitlich wieder angeboten, sind aber heute (2011) praktisch nur noch im Baustoffhandel und meist nur auf Bestellung erhältlich. Nicht alle Eternitkästen sind für unsere Zwecke geeignet, extravagante Formen lassen sich oft nicht stabil und senkrecht auf einer Seite aufstellen; mit schlichten, rechteckigen Modellen lassen sich jedoch durch einfaches Aufeinanderstapeln oder Nebeneinanderstellen schnell selbsttragende Lehmwände errichten, deren gelbliche Füllungen die schmalen Ränder optisch dominieren. (Gut geeignet ist etwa das Modell "Delta 25" der Firma
Schneider & Heid: Es ist in 60, 80 oder 100 cm Länge erhältlich, die Breite und Höhe betragen jeweils 25 cm, die Volumina folglich 30, 35 oder 45 Liter.)
Gartencenter haben die Eternitkübel durch leichtere (und vermutlich rentablere) Fiberglas-Modelle in allen möglichen Oberflächenstrukturen und -farben ersetzt; alle Formen mit schrägen oder bauchigen Wänden und breiten Rändern sind allerdings für eine Lehmwand ungeeignet, und Modelle mit hohen Seitenwänden nehmen unnötig viel Lehm auf. Am ehesten würden sich wohl stapelbare Würfel-Modelle mit einer Kantenlänge von nicht mehr als 30 cm eignen.
- Die stabilsten, aber auch schwersten Hohlsteine sind aus Beton und Steinen: "Pflanzsteine" bzw. "Rastersteine", die in Gartencentern und Baumärkten in vielen Größen und Formen für den Vorgarten angeboten werden. Da diese Betonsteine auch unten offen sind, lassen sich mit ihnen Hänge abfangen oder Vorgärten durch schmale Hochbeete abgrenzen. Bauchige und kehlige Formen ermöglichen es, auch ungerade bzw. runde Grundstücksgrenzen zu markieren. Für unsere Zwecke werden die Steine jedoch nicht nebeneinander aufgestellt, sondern übereinander mit den Öffnungen zur Seite gestapelt. Vorteilhaft ist dann, wenn ihre Seiten wellenförmig oder mäandernd ineinandergreifen.
Hohlsteine mit Wellenprofil
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Länge | Tiefe | Höhe |
20 cm | 20 cm | 20 cm |
30 cm | 20 cm | 20 cm |
40 cm | 20 cm | 20 cm |
40 cm | 20 cm | 25 cm |
40 cm | 30 cm | 25 cm |
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Das hier verwendete Pflanzstein-Modell mit Wellenprofil außen und innen ist in grau, anthrazit, braun und rot und in den nebenstehenden Größen erhältlich. Diese haben jeweils Vor- und Nachteile:
- Der größte Hohlstein ist relativ zu seinem Volumen am preisgünstigsten; er ist aber bereits im ungefüllten Zustand so schwer, daß er nur mit Mühe auf den Einkaufswagen zu hieven ist.
- Der zweitgrößte Stein stellt einen noch "tragbaren" Kompromiß dar zwischen Gewicht, Größe und Preis; 25 cm Tiefe sind jedoch nicht unbedingt nötig, 20 cm reichen. In der Lehmfront lassen sich ca. 10 Löcher vorbohren.
- Der mittelgroße Hohlstein mit 20 cm Tiefe empfiehlt sich durch sein reduziertes Gewicht. Auch hier lassen sich in ausreichendem Abstand zueinander 811 flache Löcher bohren.
- Der nur 30 cm lange Hohlstein ist auch im lehmgefüllten Zustand gut handhabbar, aber relativ gesehen weniger preisgünstig. Er hat Platz für 46 zickzackförmig angeordnete Löcher.
- Der kleine quadratische Stein ist mit 20 cm Kantenlänge verhältnismäßig zu teuer. Obwohl er sich nur für ca. drei Nistlöcher eignet, hat er eine mögliche Funktion: Wenn eine von vielen Pelzbienen hier einzieht, kann man den Stein im Herbst oder Winter an einen anderen Wildbienenfreund weitergeben, der damit im nächsten Frühjahr eine neue Pelzbienenwand initiieren bzw. "impfen" kann ...
Eine Bienenwand sollte nicht zu klein sein, da ihre potentiellen Bewohner auf der Nistplatzsuche nach flächigen Strukturen Ausschau halten. Zum Vergleich: Vier der 40 cm langen und 20 cm breiten Steine ergeben übereinandergestapelt einschließlich ihrer breiten Ränder nur eine Fläche von 40 x 80 cm = 0,32 m²; acht Steine à 30 cm Länge ergeben in zwei Säulen nebeneinander 60 x 80 cm = 0,48 m², also einen knappen halben Quadratmeter Fläche.
So gering ihre Oberflächen auch scheinen mögen, so viel Lehm schlucken diese Hohlsteine: Für den zweitgrößten Typ (40 x 20 x 25 cm) ist jeweils ein randvoll gefüllter Eimer nötig!
Die Hohlsteine werden nun in folgenden Arbeitsschritten für ihren Einsatz in der "Bienenburg" vorbereitet:
- Die Steine werden einzeln auf große ausrangierte Backbleche oder zusammen auf mit Folie (Einkaufstüten) bedeckte Holzplatten gestellt.
- Der Lehm wird mit der Hand (!) über einem zweiten Eimer zerbröselt, um Steine auszusortieren. Dies ist die eigentliche Arbeit ...
- Der Lehm wird so weit angefeuchtet, daß alle Krümel aneinanderkleben, aber dennoch kein flüssiger Brei entsteht. Nur die unterste und oberste Schicht im Stein darf leicht dickflüssig sein.
- Der Lehm wird in Schichten eingefüllt und immer wieder mit dem Handrücken oder einem Holzklotz angedrückt; je öfter und fester er angedrückt wird, desto eher werden Risse beim Trocknen vermieden. Die oberste Schicht kann man etwas verdünnen und mit einer Spachtel glattziehen; eine zu starke Verdünnung begünstigt allerdings das spätere Reißen der Oberfläche.
- Wenn der Lehm nicht zu feucht ist, kann man die 23 cm tiefen Löcher für die Erstbesiedlung noch am selben Tag hineindrücken. Dazu eignet sich z. B. das hintere Ende eines 8- oder 9-mm-Bohrers. Wenn der Lehm später ausgetrocknet ist, werden die Löcher auf den richtigen Durchmesser von 7–8 mm geschrumpft sein. In 40 cm langen und 20 cm breiten Hohlsteinen (siehe Abbildungen) sind in einem Zickzack-Muster ca. 8–11 Löcher möglich, was nicht ausschließt, daß die Bienen vorzugsweise an den Rändern weitere Löcher graben.
- Nach einigen Tagen hat sich der trocknende Lehm etwas zusammengezogen: er ist nicht nur eingesunken, sondern hat sich auch von den Rändern gelöst und dort einen umlaufenden Spalt entstehen lassen. Um diesen zu schließen, sollte man sich jeden zweiten oder dritten Tag ein paar Minuten Zeit nehmen und den Lehm mit Hammer und Klotz (etwa einem kleinen Reststück einer kunststoffbeschichteten Küchenplatte) breitklopfen. Wer dafür keine Zeit aufbringen kann, sollte den Spalt aus statischen Gründen zumindest am später unteren Rand und an den Seitenrändern mit flüssigem Lehm ausgießen; der obere Spalt kann frei bleiben, um Insekten dort einen weiteren Zugang zu bieten.
- Wenn der Lehm nach 12 Monaten durchgehärtet ist, aber noch keine Löcher aufweist, bohrt man einige 7–8 mm breite und 23 cm tiefe Löcher mit einem Stein- oder notfalls HSS-Bohrer hinein. Nachdem man die schweren Steine auf die Seite gekippt hat, muß noch der Bohrstaub entfernt werden. Geeignete Werkzeuge dafür sind Langbürsten, wie sie für Pfeifen oder Aquarienrohre verwendet werden, dünnere Bohrer und notfalls auch der Staubsauger.
- Schließlich stapelt man die Holsteine zu einer Wand. Geeignet dafür sind regengeschützte Standorte, vor allem solche, die morgens von der Sonne beschienen werden.
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Bohren mit dem auf ca. 2,5 cm eingestellten Bohrtiefenanschlag in den ausgehärteten Lehm |
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Die bezugsfertige Pelzbienenwand. Die Färbung des Lehms im mittleren Modul verrät Restfeuchte. |
Eine solche Mauer aus Hohlsteinen benötigt nicht unbedingt ein Dach: Wenn sie vor der Wand einer Garage oder eines Gartenhäuschen oder unter einem Balkon steht, werden die Lehmoberflächen nicht oder kaum naß; wenn sie frei steht, läßt sich die Befeuchtung leicht dadurch begrenzen, daß man den Lehm nicht bis zum Rand eines Hohlsteins auffüllt, sondern diesen ca. 2 cm überstehen läßt so bekommt jedes Steinmodul seine eigene Tropfkante. Besser ist dann natürlich die Abdeckung der Lehmwand etwa mit einer durchsichtigen Stegplatte, einer (Aluminium-verkleideten) Siebdruckplatte oder einer Aluminium-Riffelplatte, die man in einer Schlosserei kaufen kann. Zur Befestigung kann man zwei Löcher (6 Ø x 30 mm) in den obersten Pflanzstein bohren und das Dach mit zwei Nylon-Dübeln, zwei Dichtungsringen und zwei Edelstahlschrauben sicher aufschrauben.
Hohlsteine mit mäanderndem Außenprofil
Pflanzsteine mit eckigem, mäanderndem Außenprofil lassen sich besonders gut, d. h. fugenlos stapeln. Bei einer Tiefe von 20 cm sind sie im wörtlichen Sinne tragbarer als tiefere Modelle, und sie passen auch gut zwischen die Eichenstämme eines großen Bienenstandes.
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Arbeitsschritte:
- Die Pflanzsteine (L 40, B 20, H 20 cm) werden im Sommer mit feuchtem Lehm befüllt, der an die Innenwände geschmiert und in alle vier Ecken gedrückt wird, damit er besser anhaftet. Kindern macht dieses Matschen besonders viel Spaß. Da diese Steine unten offen sind, kann man sie vor dem Befüllen mit wasserfesten Holzplatten verschließen.
- Im Herbst oder Frühjahr werden in zwei Reihen 7 oder 9 Löcher gebohrt (Ø 8 x ca. 20 mm).
- Auf der Oberseite eines (des später obersten) Pflanzsteins bohrt man zwei Löcher, die zwei Dübel aufnehmen.
- Das Dach besteht aus einer Siebdruckplatte (44 x 42 cm), die mit einem Alu-Blech (50 x 50 cm)
verkleidet wurde. Es steht seitlich und hinten 2 cm über, vorn aber 20 cm, um den Lehm auch in der unteren Etage gegen Regen zu schützen. Zwei Edelstahlschrauben mit zwei Dichtungen verankern das Dach in den Nylon-Dübeln.
- Eine Gartenplatte ist eine gute Unterlage.
- Der kleine Pflanzstein (20 x 20 x 20 cm) rechts ist ein "Impfstein" mit drei belegten Nestern.
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Übrigens spricht nichts dagegen, auf der Seite liegende Hohlsteine weiterhin auch zum Abfangen einer aufgeschütteten Terrasse einzusetzen: Wenn man die Treppe zum Garten hinuntergeht, kann man dann auf dem Rasen liegend oder sitzend "seine" Pelzbienen beim Ein- und Ausfliegen beobachten ...
Ein "Impfstein" ist ein nützliches und durchaus tragbares Geschenk unter Bienenfreunden: Im Frühjahr stellt man den kleinen präparierten Pflanzstein mit nur 20 cm Kantenlänge neben oder auf die eigene Pelzbienenwand, damit drei oder vier Löcher besiedelt werden. Wenn ein Kollege dann seine eigene Lehmwand errichtet hat, bekommt er den Stein mit Bienenbrut vor Beginn der Flugzeit. Die Pelzbienen fliegen ab März aus und besiedeln seine Wand.
Schon im nächsten Winter oder Frühjahr kann der Stein zu einem weiteren Bienenfreund wandern. Durch eine Markierung sollte man übrigens sicherstellen, daß der Stein nicht auf eine Seite oder den Kopf gestellt wird. |
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Anmerkung: Es versteht sich von selbst (bzw. aus dem

Bundesnaturschutzgesetz heraus), daß die Entwicklungsformen bzw. Nester von Wildbienen nicht ihren natürlichen Niststätten entnommen werden dürfen und auch in künstlichen Nisthilfen nicht in menschlichen Besitz übergehen – erst recht nicht zu Vermarktungszwecken. Wenn Bienen aus Nisthilfen schlüpfen, müssen sie stets ihren natürlichen Lebensraum in der eigenen Region vorfinden (nicht im Gebiet einer anderen Unterart, mit der sie sich vermischen könnten). Wer rechtliche Komplikationen durch die Weitergabe belegter Nisthilfen zu Naturschutzzwecken fürchtet, sollte die zuständige Untere Landschaftsbehörde über die Verlagerung informieren.
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