Zur Leitseite > Wildbienen-Startseite Wildbienen >  Biologie & Allg.

Wildbienen-Neuigkeit  #147
Den Anstoß zu dem Beitrag "Das Genus der Bienen-Genera Coelioxys und Dioxys" ( PDF-Datei: Genus Genera Coelioxys & Dioxys) ) gab bereits im Herbst 2023 Dr. Paul Westrich, der Autor des bekannten Standardwerks Die Wildbienen Deutschlands. Ihm sind – neben anderen wertvollen Hinweisen und Unterlagen – auch der Hinweis auf die "Checklist" von Rasmont et al. zu verdanken, die mit ihrer unsinnigen Begründung des Genuswechsels schließlich ("das Faß zum Überlaufen brachten" und) der Auslöser für die zeitraubende Erstellung des Beitrags waren.
    Desssen Versendung Anfang 2025 als PDF wurde umgehend mit einigen Kommentaren beantwortet; die Namen der Kommentatoren bleiben ungenannt:

Kommentar vom 9. Januar 2025
Lieber Herr Martin,
im Ergebnis spricht mir Ihr Aufsatz 100% aus der Seele. Ich halte die Geschlechtsumwandlung bei Coelioxys und Dioxys ebenfalls für einen bedauerlichen Irrtum. Ich habe genau vor einem Jahr für den internen Gebrauch im Rote-Liste-Zentrum ebenfalls einige Zeilen verfasst, die wir als "Metainformation" mit der Referenzliste verknüpfen. Da das Rote-Liste-Zentrum gemeinsam mit einem Gremium von Fachleuten die nächste Rote-Liste der Wildbienen Deutschlands vorbereitet und begleitet, werde ich als RLZ-Mitarbeiter dafür sorgen, dass der Unsinn nicht übernommen wird. Ich hänge Ihnen hier mal meine kurze Argumentation an:
Die Gattungsnamen Coelioxys und Dioxys werden in der Liste von Scheuchl et al. (2023) mit männlichem grammatikalischem Geschlecht benutzt, nachdem sie viele Jahrzehnte fast immer weiblich verwendet wurden. Beide Namen sind neuzeitliche Wortschöpfungen, die es nicht in Griechisch-Standardwörterbüchern gibt. Rasmont et al. (2017, S. 21) und Scheuchl et al. (2023) verweisen darauf, dass die Endung der männlichen Form entspräche, und wenden deshalb ICZN-Artikel 30.1.2 an. Allerdings sind Adjektive Wörter mit variablem Geschlecht und repräsentieren einen Fall, für den es den ICZN-Artikel 30.1.4.2 gibt: "A genus-group name that is or ends in a word of common or variable gender (masculine or feminine) is to be treated as masculine unless its author, when establishing the name, stated that it is feminine or treated it as feminine in combination with an adjectival species-group name."
Tatsächlich haben die Gattungsautoren Latreille bzw. Lepeletier bei der Aufstellung der Namen Coelioxys bzw. Dioxys diese mit Femininum-Epitheta kombiniert und ihnen damit implizit weibliches Geschlecht zugewiesen. Wir behalten deshalb in dieser Checkliste die Namen Coelioxys afra, Coelioxys alata, Coelioxys aurolimbata, Coelioxys conica, Coelioxys conoidea, Coelioxys echinata, Coelioxys elongata und Coelioxys lanceolata sowie Dioxys cincta bei. Dies steht auch im Einklang mit dem in der Präambel des ICZN genannten Anspruch, Namensstabilität zu gewährleisten.   [Siehe auch: Researchgate, 7. Titel: Anmerkungen zu "Scheuchl et al. (2023): Die Wildbienenarten Deutschlands … "]

Kommentar vom 9. Januar 2025
Hallo Hans-Jürgen,
vielen Dank für Deine Mitteilung und die sehr ausführlichen Hintergrundinformationen zu den Gattungsnamen von Dioxys und Coelioxys. Es ist beeindruckend, wie detailliert Du Dich mit der Problematik auseinandergesetzt hast und die linguistischen sowie nomenklatorischen Grundlagen darlegst. Das ist ja schon fast eine Dissertation geworden.
Ich teile Deine Einschätzung, dass es nicht sinnvoll ist, die ursprünglichen Festlegungen von Erstbeschreibern zu ignorieren und stattdessen auf zweifelhafte "aktuelle" Interpretationen zu setzen. Die Argumentation, die Du beschreibst, wirkt tatsächlich wenig überzeugend, besonders wenn linguistische Grundregeln so stark missverstanden oder verdreht werden.
Deine fundierte Arbeit trägt hoffentlich zur Klärung bei und vermeidet weitere Verwirrung.
Vielen Dank für Deinen Einsatz und Deine Mühe, das Thema zu beleuchten und zu dokumentieren!

Kommentar vom 10. Januar 2025
Lieber Herr Martin,
vielen herzlichen Dank für Ihre gründliche, informative Unterlage. Ich hoffe, Ihre Zusammenstellung führt zu einer Zurücknahme der jüngsten Namensänderungen (wie das kürzlich ja auch bei der Gattung Eucera/Tetralonia passiert ist).
Die ständigen Namensänderungen sind ärgerlich, mühsam und oft auch überflüssig. Und sie lenken von den biologischen Fragestellungen ab.
Bei dieser Gelegenheit auch noch die besten Wünsche für das Neue Jahr!

Kommentar vom 10. Januar 2025
Dear colleague,
I don't know who you contacted, and I'm sorry, I don't speak German. I'll continue here in English while I'm a French speaker.
I'll pass your paper to the team and we'll discuss about it. We are preparing an emendation to the European check list where we correct for exemple some wrong dates associated to species author.
It looks like some name of bees were not carefully considered in regard of the common rules of the code.

Kommentar vom 10. Januar 2025
Lieber Hans-Jürgen Martin,
vielen Dank für den wirklich interessanten und im wissenschaftliche Diskurs sicherlich seltenen, fächerübergreifenden Text. Ich habe diesen mit großen Interesse und Freude gelesen, auch wenn ich viele der sicherlich fundierten, linguistischen Argumente aufgrund mangelnder Kenntnis nicht nachvollziehen kann.
Jedenfalls werde ich in der Konsequenz bei der alten, weiblichen Schreibweise bleiben.

Kommentar vom 10. Januar 2025
Hallo Hans-Jürgen,
vielen Dank für deine Anmerkungen und deinen Text. Das pdf werde ich mir noch zu Gemüte führen, doch deine Logik leuchtet mir durchaus ein. Leider ist es, wie du schreibst: irgendwer legt etwas fest und alle (müssen) folgen. Ich arbeite ja viel taxomomisch und bin diesen Dingen selbst hilflos ausgeliefert. Denn als Naturwissenschafler ohne eine klassische humanistische Bildung kann man vieles einfach nicht verstehen (bzw. könnte vielleicht schon, doch es wäre ein hoher Zeitaufwund und eigentlich Zeitverschwendung). Das Menschen, die so etwas ändern, auch nicht immer etwas von der Materie verstehen, dämmert mir auch schon länger. Es ist ein bisschen wie bei den Juristen. Diese haben ein abgeschottetes Paralleluniversum aufgebaut, und aussenstehende sind im wahrsten Sinn des Wortes außen vor...
Für mich sind solche nomenklatorischen Problemthemen jedenfalls vollständig überflüssig. Mein Hauptforschungsgebiet ist die Taxonomie, also das Herausfinden der Verwandtschaftsbeziehungen sowie Beschreiben neuer Arten etc. Da ist es dann eher ärgerlich, wenn irgendwelche Leute einfach Namen ändern und man das oftmals noch nicht einmal nachvollziehen kann. Und wenn man bei wirklich strittigen Fragen anfängt, sich näher mit den Nomenklaturregeln zu beschäftigen, merkt man schnell, dass sie auch nicht alles regeln...
Doch ich befürchte, dass wir das hier hinnehmen müssen. Denn ich glaube nicht, dass das jemand jetzt noch mal zurückändert. Ggf. kann ich deine Mail jedoch auch noch an Tom Wood schicken, der hinreichend Deutsch versteht und den ich auch ganz gut kenne. Vielleicht macht sich im Belgischen Arbeitskreis dann ja doch jemand neue Gedanken.

Kommentar vom 12. Januar 2025
That’s what happens when so-called top taxonomists don't know their code!
I am glad these things will be clarified now or in the foreseeable future!
Best wishes for the New Year!

Kommentar vom 13. Januar 2025
Lieber Herr Martin,
vielen Dank für die Informationen.
Hoffentlich kommen die Inhalte auch bei den Bearbeitern der europaweiten Checkliste an.
Ich würde Ihnen die Veröffentlichung Ihrer Grundlage (ev. in etwas gekürzter Form) in einer wissenschaftlichen Zeitschrift empfehlen.

 

Falls am linken Bildschirm-Rand keine Verweisleiste zu sehen ist, klicken Sie bitte auf , um den gesamten Frameset anzuzeigen.

Zur Leitseite zurück Zurück zur Nachrichten-Seite Nach oben Kreuzwort-Rätsel