Wildbienen-Neuigkeiten
Die Nachrichten dieser Seite werden unsystematisch gesammelt. Wer auf weitere interessante Neuigkeiten für Natur- und Wildbienenfreunde stößt, ist herzlich eingeladen, sie an diese Website weiterzuleiten!

70.  Pestizidverbot in Frankreich (01.01.2017)

Radio-Nachrichten melden Ende 2016 einen Parlamentsbeschluß in Frankreich: Dort dürfen, um die Umwelt und Insekten zu schützen, ab 2017 in Parks und öffentlichen Gärten sowie auf Straßenbeeten keine Pestizide mehr gespritzt werden. Zwei Jahre später sollen Privatleute für ihre Gärten keine Pestizide mehr kaufen können. In der Landwirtschaft allerdings, wo die meisten Pestizide versprüht werden, bleiben Pflanzenschutzmittel vorerst erlaubt. Auch in Deutschland dürfen in Parks und an Spielplätzen Pestizide nur ausnahmsweise bzw. mit Genehmigung gespritzt werden.
    Kommentar: Ein spürbarer Effekt für den Arten- und Naturschutz ist von einem Pestizid-Verbot erst zu erwarten, wenn es gemäß der Sozialpflichtigkeit des Eigentums auch in privaten Gärten durchgesetzt wird: Deren Gesamtfläche ist bekanntlich weitaus größer als die aller Naturschutzgebiete zusammen. Beenden ließe sich das Artensterben allerdings erst durch die Abkehr von der industriellen Landwirtschaft und von der (ganz wörtlich) flächendeckenden Versiegelung unserer Landschaften.

69.  Wildbiene des Jahres 2017: die "Knautien-Sandbiene" (Andrena hattorfiana) (28.11.2016)

Das Kuratorium "Wildbiene des Jahres" hat für 2017 die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana) ausgewählt (siehe: Arbeitskreis Wildbienen-Kataster im Entomologischen Verein Stuttgart 1869 e. V.). Der Untertitel "Markenzeichen: Rote Hosen" auf dem Faltblatt verweist auf den roten Pollen der Acker- bzw. Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis), auch "Wiesen-Knautie" genannt. Wenn diese verschwindet, kann die auf sie spezialisierte (oligolektische) Bienenart nicht auf anderen Pollen ausweichen und verschwindet ebenfalls. Häufige Mahd und Düngung blütenreicher Wiesen oder ihre Umwandlung in Ackerland sind die Ursachen für die Gefährdung der Nahrungsspezialisten, die fast ein Viertel aller Bienenarten ausmachen.

68.  "Deutsche Bahn macht Flächen für Bienen frei" (27.10.2016)

Unter dieser Überschrift berichtet das Magazin Focus über eine Aktion der Deutsche Bahn. Der Leiter der Abteilung DB Umwelt, Andreas Gehlhaar, wird mit der Behauptung zitiert: "Honigbienen sind ein Rückgrat für eine intakte Natur. Dieses Rückgrat droht zu brechen, weil die Zahl der Bienen dramatisch zurückgeht." Die Bahn gebe Hobby-Imkern die Möglichkeit, auf ihren Flächen (in Deutschland ca. 1,3 Milliarden m²) zu imkern. Der Focus begründet: "Auf den zum Teil brachliegenden Bahn-Flächen haben sich viele Blütenpflanzen angesiedelt – eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen."
    Kommentar: Solchen Brachen, im Fachjargon Ruderalflächen, weisen tatsächlich (oft seltene) Pflanzen auf, die in der industrialisierten Landwirtschaft wie in Privatgärten nicht mehr zu finden sind. Besonders die seltenen Pollenspezialisten unter der Wildbienen, sog. oligolektische Arten, finden dort oft letzte Refugien, die sie vor dem Aussterben bewahren. Gerade das Aussterben aber ist zu befürchten, wenn Ruderalflächen dieser Größenordnung von den Haustieren der Imker überschwemmt und kleine Wildbienen-Populationen verdrängt werden. Das Projekt der Deutschen Bahn fördert also de facto die großflächige Vernichtung unserer Wildbienenfauna. Gerade die über 560 in Deutschland heimischen Wildbienenarten aber sind "ein Rückgrat für eine intakte Natur" – nicht die Hausbienen des Menschen. Eigentlich müßte der Beitrag des Focus lauten: "Deutsche Bahn sperrt Flächen für Wildbienen".

67.  Neuerscheinung: Nisthilfen-Buch von Werner David (17.10.2016)
Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen · Leitfaden für Bau und Praxis – so gelingt's. Der Titel des 160 Seiten langen Buch aus dem pala-verlag (Darmstadt) ist ebenso lang wie treffend: Werner David, begeisterter Wildbienenfreund und -experte, Fotograf und Praktiker mit jahrelanger Erfahrung, läßt keinen Nisthilfentyp und keinen Aspekt unberücksichtigt, wie schon die ersten 7 Kapitelüberschriften zeigen: Unbekannte Welt der Wildbienen · Gärten für Wildbienen · Nisten im Hohlraum · Nagen · Graben · Antworten auf wichtige Fragen · So bitte nicht!. Nur Hummelkästen und -haltung werden nicht erörtert. Wer die vielen Anleitungen und Ratschläge umsetzt, ist vor Mißerfolgen und Enttäuschungen gefeit. [Rezension Wildbienen-Literatur: Rezensionen]

66.  Epeolus fallax Morawitz 1872: neue Wildbienenart in Deutschland (13.09.2016)

Am 8. September 2016 entdeckte und identifizierte der bekannte Wildbienen-Experte Paul Westrich während einer Exkursion am Tuniberg (bei Freiburg, südlich des Kaiserstuhls) eine für Deutschland neue Bienenart: die Filzbiene Epeolus fallax. Einer der Wirte dieses Kuckucks ist Colletes hederae Schmidt & Westrich 1993, also die Efeu-Seidenbiene, die Dr. Westrich 1993 zusammen mit seinem Kollegen Schmidt als neue Art bestimmen konnte. Näheres ist nachzulesen auf Paul Westrichs Website unter "Beobachtungen im Jahr 2016".

65.  FOCUS-Kampagne: "Unsere Bienen – Vom Aussterben bedroht" (05.08.2016)

Die Biene schafft es auf das Titelblatt des FOCUS, dort ist heute, umschwärmt von 10 Honigbienen, zu lesen: "Unsere Bienen – Vom Aussterben bedroht. Warum das wichtige Nutztier gefährdet ist und was wir unternehmen müssen, um es zu retten". Auf der Web-Seite des Magazins erfährt der Leser unter anderem: "Würden die Bienen für immer verschwinden, hätte das auch für den Menschen dramatische Auswirkungen. Drei Viertel aller Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch die Insekten angewiesen, ohne sie gäbe es beispielsweise kaum noch Äpfel, Mandeln oder Kürbisse. Doch es gibt auch Hoffnung: Immer mehr Bundesbürger haben die Imkerei als Hobby für sich entdeckt und bevölkern die Städte mit ihren Bienen."

Kommentar: Aussagen dieser Art sind nicht neu und vor allem aus Imker-Kreisen wohlbekannt. Nicht erläutert wird z. B.

Bunthummel (Bombus sylvarum)

64.  Wildbiene des Jahres 2016: die "Bunthummel" (Bombus sylvarum) (22.12.2015)

Das Kuratorium "Wildbiene des Jahres" stellt als Titelträger für 2016 die Bunthummel (Bombus sylvarum) vor – leider unter dem Namen Bunte Hummel, der ähnlich unglücklich gewählt ist, wie es Rotes Schwänzchen für Rotschwänzchen wäre. (siehe: Arbeitskreis Wildbienen-Kataster im Entomologischen Verein Stuttgart 1869 e. V.). Die Art ist im Norden und Nordwesten Deutschland selten, in den anderen, vor allem wärmeren Regionen aber vielerorts zu finden; nur in Wäldern, wie der ältere Name Waldhummel suggerierte, kommt sie nicht vor. Ihren aktuellen deutschen Namen trägt diese hübsche Hummel zu Recht: Ihr gelblich-weißer Pelz kontrastiert auffällig mit dem breiten schwarzen Streifen auf der Thorax-Oberseite und dem orangeroten Abdomen-Ende.

63.  Fossile Bienen waren Pollenspezialisten (07.12.2015)

Eine unter Federführung der Universität Bonn erstellte Studie liefert Erkenntnisse zum Pollensammelverhalten der Bienen des Eozäns, deren fossile Überreste in der berühmten Grube Messel nahe Darmstadt und im Eckfelder Maar in der Vulkaneifel im Ölschiefer ehemaliger Seen entdeckt wurden. Der für den Nachwuchs in den Sammelbürsten der Hinterbeine gespeicherte Pollen stammte stets von denselben Pflanzen: überwiegend immergrünen Büschen, die zudem sehr ähnliche Blüten ausbildeten. Der im Kopfbereich, an Brust und Hinterleib gefundene Pollen hingegen stammten von ganz unterschiedlichen Pflanzen, die zur Nektaraufnahme besucht wurden. Obwohl die beiden Funde mit 48 (Messel) und 44 Millionen Jahren (Eckfelder Maar) unterschiedlich alt sind, blieb das Verteilungsmuster der Pollenkörner an Beinen und Körper offenbar vier Mio. Jahre lang sehr ähnlich. Da 100 Millionen Jahre alte Bienenfossilien noch nicht gefunden wurden, läßt sich über das Sammelverhalten der ersten Bienen (noch) nichts sagen.

Quelle: Wappler, Torsten & Conrad C. Labandeira, Michael S. Engel, Reinhard Zetter & Friðgeir Grímsson: "Specialized and generalized pollen-collection strategies in an ancient bee lineage" in Current Biologie, Volume 25, Issue 23, pp. 3092–3098. (DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2015.09.021)

62.  Feldführer über die Bienen Großbritanniens und Irlands (02.11.2015)

Der englische Wildbienen-Experte Steven Falk, deutschen Bienenfreunden bekannt durch seine flickr-Bilder-Galerie, veröffentlicht zusammen mit dem Illustrator Richard Lewington den Field Guide to the Bees of Great Britain and Ireland. Mit über 700 Fotos meist beider Geschlechter und über 1.000 hervorragenden Illustrationen sowie umfassenden Informationen zur Bienen-Biologie und Steckbriefen aller 275 britischen und irischen Bienenarten empfiehlt sich das Werk allen Naturfreunden, die des Englischen mächtig sind. [Rezension Wildbienen-Literatur: Rezensionen]

61.  Megachile sculpturalis: neue Wildbienenart in Deutschland (25.09.2015)

Am 23. August 2015 entdeckte Andreas Knapp in Langenargen (am nördlichen Ufer des Bodensees) an Nisthilfen für Solitärbienen ein Neozoon: die Asiatische Riesen-Mörtelbiene (Megachile sculpturalis). Es ist der erste Nachweis nördlich der Alpen und in Deutschland. Näheres ist nachzulesen auf Paul Westrichs Website unter "Megachile sculpturalis 5".

60.  Kanadische Studie zum Nutzen sogenannter Bienenhotels (18.03.2015)

Zwei Biologen, J. Scott MacIvor und Laurence Packer, veröffentlichen am Biology Department der York University in Toronto (Ontario, Kanada) eine Studie mit der Fragestellung ‘Bee Hotels’ as Tools for Native Pollinator Conservation: A Premature Verdict? (Im Web: PDF). Die folgenden Hypothesen wurden untersucht, die Ergebnisse sind fettgedruckt:

  1. Im Vergleich zu heimischen Bienenarten seien eingeführte in "Bienenhotels" häufiger. Eingeführte Arten seien in ihren Anforderungen ans Habitat flexibler und könnten deshalb neue Lebensräume besiedeln, inklusive Bienennisthilfen. ErkenntnisEingeführte Bienen nutzen Nisthilfen nicht häufiger als heimische.
  2. Solitärwespen, die dieselben Nesthöhlungen nutzen, seien in Nisthilfen häufiger als heimische Bienen, weil Wespen überall verfügbares Nistmaterial (Erde, Gras) zum Bau ihrer Brutzellen nutzten, Bienen aber eher lokal verfügbares Material (Harz und Blätter bestimmter Pflanzen). Wespen können tatsächlich (heimische wie eingeführte) Bienen an Nisthilfen überflügeln.
  3. Eingeführte Arten in Bienen-Nisthilfen seien häufiger in stark menschlich überformten Gegenden; zu erwarten sei dies, weil Studien der städtischen Insektenvielfalt eine Dominanz eingeführtter Arten ergeben hätten. In Hausgärten sind heimische Bienen häufiger, in künstlicherem Umfeld (z. B. auf begrünten Dächern) eingeführte Arten.
  4. Im Vergleich zu heimischen Bienenarten würden eingeführte weniger parasitiert. Parasiten kämen in "Bienenhotels" häufiger vor als in natürlichen Niststrukturen, auch weil sie in einer großen Nesteranzahl leichtere Ziele fänden – was die Parasitierung heimischer Arten verschärfen könne. Eingeführte Arten werden langfristig weniger parasitiert.
  5. Falls die Hypothesen 1, 3 und 4 bestätigt würden, könnten die Autoren zwei zusätzliche Hypothesen vorschlagen:

  6. Eingeführte Bienenarten nutzten Bienennisthilfen von Jahr zu Jahr mehr. Eine allmähliche Zunahme heimischer oder eingeführter Bienen war nicht nachzuweisen.
  7. Eingeführte Bienen brächten in den Nistgängen künstlicher Nisthilfen mehr Weibchen hervor. Dies traf zu; umgekehrt brachte die heimische (kanadische) Osmia pumila signifikant weniger weiblichen Nachwuchs hervor als jede der zwei eingegführten Arten.

59.  Der BUND gewinnt einen Rechtsstreit gegen Bayer (11.03.2015)

Die Bayer CropScience Deutschland GmbH, eine Tochter der Bayer AG (Leverkusen), verliert einen Rechtsstreit gegen den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND). Dieser darf nach dem heute verkündeten Urteil des Landgerichts Düsseldorf wieder uneingeschränkt sagen, zwei von Bayer hergestellte Pestizidprodukte seien für Bienen gefährlich und bei dem darauf abgebildeten Logo mit dem Aufdruck nicht bienengefährlich handele es sich um eine Irreführung von Verbrauchern.
    Der BUND hatte Anfang Dezember 2014 einen "Einkaufscheck" zum Verkauf von Pestiziden in Bau- und Gartenmärkten veröffentlicht, in dem er zwei Bayer-Cropscience-Produkte kritisierte, die den Wirkstoff Thiacloprid enthalten: ein sogenanntes Neonikotinoid, welches nach neueren Forschungen Navigationsgedächtnis, Kommunikation und Sammelaktivität von Honigbienen beeinträchtigt. Bayer Cropscience erwirkte daraufhin gegen den BUND am 23.12.2014 eine einstweilige Verfügung, in der die Richterin "ohne vorangegangene mündliche Verhandlung" dem BUND die Behauptung untersagte, die Bayer-CropScience-Produkte Calypso und Lizetan enthielten "das für Bienen gefährliche Neonikotinoid Thiacloprid" bzw. seien "ein bienengefährliches Pesitizid", "ohne dass dabei zugleich auf die gesetzliche Zulassung von [Calypso bzw. Lizetan] und die behördliche Einstufung als 'nicht bienengefährlich' hingewiesen wird." Dem Antragsgegner wurde "im Fall der Zuwiderhandlung angedroht: die Festsetzung eines Ordnungsgeldes in Höhe von bis zu 25.000.00 EUR [...]".
    Kommentar: Der Begriff bienengefährlich bzw. bienenungefährlich stellt einen behördlichen Kompromiß zwischen den Interessen der Landwirtschaft, Agrarindustrie und Imkerei dar; die angewandten Kriterien (vor allem die Mortalität der adulten Honigbienen) wäre auf wertvolles Nutzvieh nicht anwendbar – und erst recht nicht auf die menschliche Gesundheit. Die Auswirkungen der Agrarchemie auf Wildbienen werden nicht einmal untersucht. Das Ansinnen der Bayer CropScience Deutschland GmbH, man dürfe ihre Pestizide gar nicht bzw. nur dann kritisieren, wenn man zugleich auf die behördliche Einstufung hinweise, stellt – auch unabhängig von der tatsächlichen Gefährlichkeit – einen nicht hinnehmbaren Versuch dar, vermeintliche wissenschaftliche Wahrheit behörlich zu verordnen und freie Meinungsäußerung zu unterdrücken. Der BUND andererseits sollte sich fragen, ob ein Naturschutzverein für den Schutz von Nutztierrassen (domestizierte Honigbienen) und -haltern (Imker) zuständig ist, die selbst ein Gefährdungspotential für Wildbienen darstellen.

58.  LIDL verkauft ein "Insektenhotel" für 9,99 € (09.03.2015)

Die Supermarkt-Kette LIDL zieht mit dem "FLORABEST® Insektenhotel" nach und bietet gleich drei Modelle an: ein Hexagon (ca. B28 x T10 x H33,5 cm), ein Dreieck (ca. B28 x T8,5 x H40 cm) und ein Haus mit Satteldach (ca. B27,5 x T9 x 39,5 cm). "Mit Tannenzapfen, Holzstückchen und Bambusröhrchen für optimale Unterschlupfmöglichkeiten" sei das Produkt, so die LIDL-Internetseite, eine "Nist- und Überwinterungshilfe für viele nützliche Insekten". Auf den Fotos der drei Modelle sind jeweils drei (augenscheinlich hineinkopierte) Mauerbienen und Honigbienen zu sehen. Honigbienen finden jedoch hier niemals ein Zuhause, und für Mauerbienen eignen sich die drei "Insektenhotels" noch weniger als die zwei Konkurrenzprodukte von ALDI: Den größten Anteil der Fronten nehmen billig mit Holzstücken, Tannenzapfen und Stroh gefüllte Fächer ein, die unbesiedelt bleiben. Eine Stichprobe in Düsseldorf ergibt: Etliche der Niströhrchen sind entweder viel zu weit oder verschlossen; andere sind nur 1,5–2,5 cm tief aufgebohrt. Im Vergleich zur Größe der "Nist- und Überwinterungshilfe" lassen relativ wenige Röhren aufgrund geeigneter Durchmesser und Längen eine erfolgreiche Besiedlung erwarten. Positiv ist nur die "Aufhängebohrung" statt Kordel. Schlimmer als der Wind wäre allerdings der Regen: Ein feuchte Nisthilfe verrottet schnell und wird unansehnlich und spätestens beim nächsten Frühjahrsgartenputz "entsorgt" – zusammen mit wenigen Brutzellen, die sich evtl. doch in einigen Röhren entwickeln konnten. (Außerhalb zur Sektion Wildbienen-Schutz Wildbienen-Schutz: Seite "So nicht!")

57.  ALDI Süd verkauft ein "Bienenhotel" für 9,99 € (05.03.2015)

Der Supermarkt-Riese ALDI Süd bietet ein "GARDENLINE® Bienenhotel" in zwei Versionen für je 9,99 € an. Der Konzern zeigt beide in seinem Prospekt und auf seiner Website an einem dünnen Baumstamm baumelnd und bewirbt sie u. a. mit diesen Worten: "Dient als Bleibe für die Nacht, zum Brüten oder als Überwinterungshilfe. Auch für Insekten geeignet." Der Lieferant des "Bienenhotels" ist die Bergland Creation GmbH in A-5020 Salzburg, die auf ihrer Website mit den Worten bewirbt: "Für die Saisonen Weihnachten, Frühjahr/Ostern, Sommer, Herbst/Halloween aber auch für das ganze Jahr bieten wir hochwertige Dekorationsartikel an." Leider weisen Produkt und Text fachliche Mängel auf:

Das "Bienenhotel" hat – übrigens wie ähnliche "Insektenhotels" anderer Supermarkt-Ketten – auch einen Vorteil: Mit 9,99 € ist es geeignet, denen das Geschäft zu verderben, die 40 € oder mehr für ein solches untaugliches Produkt verlangen. Außerdem läßt es sich nachträglich mit einigem Aufwand durchaus – wenn auch nicht optimal – bienentauglich machen:

56.  Das Genom von 561 Bienenarten entschlüsselt (15.01.2015)
Seit 2009 verfolgt das Projekt "Barcoding Fauna Bavarica" an der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) das Ziel, die artspezifischen DNA-Barcodes jeder Tierart in Bayern und Deutschland zu erstellen. Die ZSM kooperiert dabei mit dem International Barcode of Life-Projekt (IBOL) des Canadian Centre for DNA Barcoding (CCDB). Die DNA-Datenbank soll es ermöglichen, alle deutschen Tierarten zuverlässig, schnell und kostengünstig zu bestimmen. In über fünf Jahren wurden nun 561 Bienenarten aus Zentraleuropa (503 aus Deutschland) genetisch analysiert. Die Ergebnisse bestätigen weitgehend die Erkenntnisse der letzten 250 Jahre klassischer Taxonomie – aber nicht vollständig: Es gibt weiterhin distinkte Arten mit gleichen DNA-Sequenzen, z. B.: "Colletes hederae and C. succinctus are well-established species (Kuhlmann et al. 2007), but a single full-length barcode sequences for C. succinctus was identical to two sequences for C. hederae." Der Weisheit letzter Schluß ist Barcoding offenbar nicht.
    (Quelle: Schmidt, Stefan et al.: "DNA barcoding largely supports 250 years of classical taxonomy: identifications for Central European bees (Hymenoptera, Apoidea partim)" in: MOLECULAR ECOLOGY RESOURCES, 2015 ·  onlinelibrary.wiley.com/ &  early view &  Appendix S6 ·  science.apa.at/ ·  www.uni.at/)

Zaunrüben-Sandbiene

55.  Wildbiene des Jahres 2015: die "Zaunrüben-Sandbiene" (23.12.2014)
Das Kuratorium "Wildbiene des Jahres" wählt am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart auf Vorschlag von Dr. Heiko Bellmann † die "Wildbiene des Jahres 2015": die "Zaunrüben-Sandbiene" (Andrena florea). Diese streng oligolektische Art ist auf den Pollen der Zaunrübe(Bryonia spec.) spezialisiert, einer krautigen Kletterpflanze aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae), die mit ihren spiralförmigen Ranken an Sträuchern und Zäunen hochwächst. Die Beeren der zweihäusigen Rotfrüchtigen Zaunrübe (Bryonia dioica) sind rot, die Beeren der einhäusigen Weißen Zaunrübe (Bryonia alba) schwarz. Obwohl die reifen Früchte beider Arten giftig sind, sollte man sie statt rankender exotischer Zierpflanzen im eigenen Garten ansiedeln, um einen Beitrag zum Schutz der Zaunrüben-Sandbiene zu leisten und sich an ihren Blütenbesuchen zu erfreuen ( Wildbienen-Kataster ·  LNV BW).
    Die Erd- bzw. Sandbiene Andrena florea ähnelt einer Honigbiene, wenn diese rote Ringe auf dem Thorax-nahen Hinterleib zeigt, ist aber schlanker, hat vollständig behaarte Beine sowie die übrigen Merkmale der Gattung Andrena. Als typische Solitärbiene nistet die Art einzeln in vegetationsarmen Bodenstellen. Ein ausführliches Artenportrait findet sich in der Sektion Zur Sektion "Wildbienen-Portraits<" "Wildbienen-Portraits".

54.  EU-Verordnung zu invasiven gebietsfremden Arten (04.11.2014)
Die unten zitierte "Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten" (PDF) ist im Europäischen Amtsblatt veröffentlicht, sie tritt somit am 01.01.2015 in Kraft.

53.  Blütenpflanzen und ihre Gäste – Teil 4 (03.11.2014)
Helmut & Margrit Hintermeier legen den vierten und letzten Teil Ihres Titels Blütenpflanzen und ihre Gäste vor. Das Taschenbuch im Format 21 x 20 x 1,6 cm enthält auf 276 Seiten 689 Farbfotos, kostet 19,80 € und erscheint wie der 3. Teil im Selbstverlag in Gallmersgarten (ISBN: 978-3-7689-0286-1).

52.  Projekt „Smartbees“ bekommt sechs Millionen Euro von der Europäischen Kommission (03.11.2014)

Die Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Humboldt-Universität zu Berlin informiert unter der Überschrift "Damit es Europas Bienen wieder besser geht" über ein 6.000.000-€-Geschenk der Europäischen Kommission an das Projekt „Smartbees“ zur Erforschung der genetischen Vielfalt. Koordiniert wird dieses von Dr. Kaspar Bienefeld, der die Abteilung Zucht und Genetik am Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf leitet und Honorarprofessor am Albrecht-Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin ist. Leider führt bereits die zitierte Überschrift in die Irre: Es geht nicht um das Wohlergehen von "Europas Bienen", sondern ausschließlich um die genetische Vielfalt und den Nutzen von Europas Honigbienen für die Imkerschaft. Die (zufällige?) Falschmeldung setzt sich in weiteren Textstellen fort:

Die Vielfalt der Bienenarten in Europa ist in Gefahr. Früher gab es zahlreiche Bienenrassen. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Situation dramatisch verändert. [...]
Die Unzufriedenheit der Imker mit den einheimischen Bienenrassen war der zentrale Grund für deren Austausch durch züchterisch verbesserte Rassen. Daher sollen Zuchtstrategien, die sich als sehr erfolgreich erwiesen haben, für die bislang züchterisch vernachlässigten Bienenrassen so modifiziert werden, dass diese Rassen an die Bedürfnisse der lokalen Imkerschaft angepasst werden.

51.  Crowdfunding-Kampagne "gegen das Bienensterben" (08.10.2014)
Ein Berliner Verein startet eine "Crowdfunding-Kampagne" für eine "BienenBox". Mit dieser 'Schwarmfinanzierung' aus privatem (von Unterstützern im Internet akquirierten) Eigenkapital soll allerdings keine Nisthilfe für bedrohte Wildbienen zur Serienreife gebracht werden, sondern eine neuentwickelte "Bienenbehausung" für die Haltung von Honigbienen auf städtischen Balkonen oder in Gärten. Die Kampagne nutzt den bekannten Trick, die Begriffe Bienen mit domestizierten Honigbienen gleichzusetzen, denn im Aufruf auf der Plattform Social Impact Finance heißt es: "Schon Einstein wusste: Stirbt die Biene, hat der Mensch noch vier Jahre zu leben. Wir fördern eigenständige Bienenhaltung in der Stadt, um einem der drängenden ökologischen Probleme unserer Zeit entgegenzuwirken: dem Bienensterben." Von der katastrophalen Situation der Wildbienen, die zu 52% in den Gefährdungskategorien der Roten Liste der Bienen stehen, ist allerdings nicht die Rede.
    Die Auswirkungen des "Bienensterbens" werden wahrheitswidrig dramatisiert: "Ohne Biene, keine Bestäubung von Tomaten, Äpfeln, Erdbeeren, Nüssen [...]" Tomaten jedoch sind in Mittel- und Südamerika entstanden und von den Indianern schon in der Antike kultiviert worden – lange bevor mit den Europäern erstmals Honigbienen in die Neue Welt gelangten. (In Gewächshäusern werden Tomaten durch die Dunkle Erdhummel, Bombus terrestris bestäubt.) Wenn mit Bienen alle über 500 in Deutschland lebhenden Bienenarten gemeint wären, träfe wenigstens eine Aussage des Initiators auf der kommerziellen Website eco-world.de zu: "Gerade die Stadt ist heutzutage ein wichtiger Rückzugsort für die Bienen, da sie auf dem Land mit Monokultur und Pestizidbelastung zu kämpfen haben." Auch an diesem letzten Rückzugsort sollen Wildbienen und andere Bestäuber also jetzt Konkurrenz bekommen: "Wir wollen die BienenBox in alle deutschen Städte bringen, um die Zahl der Bienenhalter*innen und somit auch der Bienenvölkerzahlen langfristig wieder steigen zu lassen." Wie in der Stadt wohnende Honigbienen die Obst- und Gemüsesorten auf dem Land bestäuben sollen, verrät der geschäftstüchtige Erfinder nicht ...

Rote Liste der Bienen 2011

50.  Neufassung der Roten Liste der Bienen (05.10.2014)
Dr. Paul Westrich, Wildbienen-Experte, Verfasser des Grundlagenwerkes Die Wildbienen Baden Württembergs und Mitverfasser der bundesweiten Roten Liste der Bienen, veröffentlicht auf seiner Website www.wildbienen.info die aktuelle "Rote Liste der Bienen" (5. Fassung, Stand Februar 2011). Sie ist zugleich eine Gesamtartenliste der Bienen Deutschlands und Bestandteil (Seiten 373–416) des Werks Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1), herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz im Landwirtschaftsverlag, Münster.

49.  EU-Verordnung über invasive gebietsfremde Arten (29.09.2014)
In seiner "Rundmail zu gebietsfremden Arten Nr. 17 vom 30.09.2014" teilt das Bundesamt für Naturschutz mit, der EU Ministerrat habe am Vortag den Vorschlag für eine "Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Prävention und das Management der Einbringung und Verbreitung invasiver gebietsfremder Arten" gebilligt. Vermutlich wird die Verordnung noch dieses Jahr im Europäischen Amtsblatt veröffentlicht und tritt dann am 1.1.2015 in Kraft.
    Der Vorschlag stellt in seiner deutschen Fassung fest: "In der Union und in anderen europäischen Ländern kommen in der Umwelt rund 12 000 gebietsfremde Arten vor, von denen schätzungsweise 10 bis 15 % als invasiv angesehen werden." Er beinhaltet eine Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung und legt Maßnahmen zum künftigen Umgang mit ihnen fest. Vorrangig sollten in die EU-Liste noch nicht oder in einer frühen Invasionsphase in der Union vorkommende Arten aufgenommen werden, außerdem die wahrscheinlich schädlichsten Arten. Von den Mitgliedstaaten eingereichte Vorschläge für die Verbotsliste sollen durch ein wissenschaftliches Forum geprüft und durch einen Ausschuß beschlossen werden. Für die betroffenen Arten gelte dann ein EU-weites Verbot von Einfuhr, Erwerb, Verwendung, Freisetzung und Verkauf.

48.  Zulassung von Pestiziden ohne unabhängige Studien (25.09.2014)
Das europäische Pesticide Action Network (PAN Europe) hat in einer Studie die Zulassung von sieben Pestiziden untersucht und kritisiert nun das Zulassungsverfahren für Pestizide in der EU: Die Mitgliedstaaten haben demnach zahlreiche unabhängige Studien über die Giftigkeit der Pestizide aus administrativen Gründen nicht berücksichtigt – "generally because they were not performed according to OECD-test protocols (including Good Laboratories Practice, GLP)" – und stattdessen überwiegend Analysen zu Rate gezogen, die die Industrie in Auftrag gegeben hatte. Die Pestizidverordnung sehe vor, daß alle wissenschaftlichen Publikationen in die Entscheidungsfindung einfließen sollen. Im Original heißt es: "All literature, including independent studies (i.e. science financially independent of private interests), now need to be taken into account when the EU Commission and EU member states (MS) discuss whether to approve a pesticide for sale. This is what politicians decided in the 2009 pesticide Regulation 1107/2009. [...] tens of thousands of peer-reviewed very reliable toxicity findings from many thousands of independent scientists are effectively thrown into the trash by RA. This, despite decades of the EU law saying that current scientific and technological knowledge must be the basis of any EU decision taking". (Quelle: PAN-Europe-Studie, nicht leicht lesbar)

47.  Minister empfiehlt "Bienen füttern" (15.04.2014 & 23.05.2014)
Der Bundeslandwirtschaftsminister startet die Initiative "Bienen füttern". In der Pressemitteilung Nr. 93 empfiehlt Christian Schmidt, "mehr bienenfreundliche Blühpflanzen auf Balkone, Terrassen oder in die Gärten zu bringen." Grund der Initiative: "Bienen sind nicht nur wichtig für die Honigproduktion, sondern auch für Ernteerträge und Artenvielfalt." In einer Broschüre zur Initiative sagt das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): "Ohne Bienen können wir nicht leben und uns nicht ernähren." (Kommentar: Getreide, Kartoffeln und andere wichtige Hauptnahrungsmittel werden gar nicht von Insekten bestäubt.) "'Fleißig wie eine Biene' – was ist dran an diesem Sprichwort?!" fragt der Minister und antwortet: "Es stimmt. Für ein Kilogramm Honig fliegt eine Biene insgesamt 250.000 Kilometer!" (Natürlich stimmt es nicht: Fleiß ist eine menschliche Kategorie, Bienen tun instinktgesteuert, was fürs Überleben nötig ist.) Fast immer ist mit "Biene" die domestizierte Honigbiene gemeint; nur in einem Satz werden auch Wildbienen erwähnt. Immerhin offeriert das BMEL als "Bienen-App" ein Pflanzenlexikon, das dem Laien bei der Bestimmung von Blütenpflanzen hilft – aber auch fremdländische Arten aufführt. Unterstützt wird die Initiative vom Verband Deutscher Garten-Center (VDG), von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. (DGG) und dem Deutschen Imkerbund e.V.; nach Naturschutz sieht das nicht aus.
    Leider rückt auch die renommierte, für ihre objektiven Tests bekannte Stiftung Warentest dieses Bild nicht zurecht: Im test-Heft 6/2014 (Seite 18) übernimmt sie die Aussagen des BMEL ungeprüft und unkommentiert. Ein kompetenter Biologe im Team der Stiftung hätte sicherlich angemerkt, daß die Besitzer von Gärten und Balkonen in den Städten nicht den zunehmenden Mangel an pflanzlicher und tierischer Artenvielfalt auf dem Land ausgleichen können, den gerade die industrialisierte Landwirtschaft dort verschuldet.

46.  Wildbienen stecken sich bei Honigbienen an (19.02.2014)
Die Zeitschrift Nature veröffentlicht eine epidemiologische Studie britischer Wissenschaftler, die unter Beteiligung deutscher Kollegen klären wollen, ob aus der Honigbienenzucht bekannte Krankheiten auch Wildbienen befallen. Die Untersuchungen in 26 britischen Orten ergaben, daß das "Krüppelflügelvirus" (DWV = Deformed Wing Virus) wie auch der parasitäre Pilz Nosema ceranae, die beide unter Honigbienen weit verbreitet sind, landesweit auch Hummel-Arbeiterinnen infizieren. Das für Honigbienen tödliche Virus repliziert sich sogar in Hummeln und tötet sie. Drei Faktoren legen den Schluß nahe, daß die Infektion von Honigbienen ausgeht:
  1. Honigbienen waren durch Virus und Pilz stärker infiziert als Hummeln.
  2. Die Infektion der Hummeln ließ sich anhand von Mustern der Honigbienen-Infektion prognostizieren.
  3. Die Virus-Stämme waren bei Honigbienen und Hummeln am selben Ort jeweils genetisch identisch.
Quellen: Pressemitteilung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bzw. Originalstudie: Fürst et al. (2014): "Disease associations between honeybees and bumblebees as a threat to wild pollinators" in: Nature 506, pp: 364–366. (DOI: 10.1038/nature12977)

45.  Genmais "Pioneer 1507" vor Zulassung in Europa (11.02.2014)
Im EU-Ministerrat findet sich keine ausreichende Mehrheit für oder gegen ein Verbot der gentechnisch veränderten Maissorte "Pioneer 1507" (s. u.) der US-Saatgutfirma Dupont Pioneer: Zwar stimmten 19 der 28 EU-Mitgliedsländer für ein Verbot, doch in diesen 19 Ländern lebt nicht die Mehrheit der EU-Bevölkerung. Die Bundesrepublik Deutschland hätte mit ihren 29 Stimmen ein Verbot unterstützen und so ein Zeichen setzen können, torpedierte dieses jedoch durch Enthaltung. Grund: das SPD-geführte Wirtschaftsministerium und das CSU-geführte Landwirtschaftsressort lehnen (ebenso wie die große Mehrheit der Verbraucher und Bauern) die Zulassung der umstrittenen Maissorte zwar ab, das CDU-geführte Forschungsministerium aber und das Kanzleramt sind dafür. Nun muß über die Zulassung die EU-Kommission bzw. Gesundheitskommissar Tonio Borg entscheiden, der aber bereits seine Zustimmung zum "Genmais" angekündigt hat. Immerhin kann jeder Staat dessen Anbau auch im Alleingang unterbinden, wenn er ein Risiko durch die Maissorte wissenschaftlich belegt.

Anthidium manicatum

44.  Wildbiene des Jahres 2014: die "Garten-Wollbiene" (15.01.2014)
Das Kuratorium "Wildbiene des Jahres" stellt am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart die "Wildbiene des Jahres 2014" vor: die "Garten-Wollbiene" (Anthidium manicatum). Ein Laie kann diese stattliche Solitärbiene aufgrund ihrer Schwarz-gelb-Zeichnung durchaus mit einer Wespe verwechseln, sie ist aber deutlich gedrungener und zeigt dem Beobachter einige interessante Besonderheiten: Die territorialen Männchen sind ausnahmsweise deutlich größer als die Weibchen und versuchen an deren Futterpflanzen unermüdlich, Honigbienen, Hummeln und andere Insekten mit einem Dreizack am Hinterleib zu rammen, um sie zu vertreiben. Beanspruchen zwei Drohnen ein Revier, kommt es zum Kampf. Zwischendurch tanken sie immer wieder Nektar und begatten die Pollen und Nektar sammelnden Weibchen. Diese schaben an geeigneten Pflanzen (Wollziest, Deutscher Ziest, Kronen-Lichtnelke, Strohblume etc.) Pflanzenwolle ab, mit der sie in den Hohlräumen etwa einer Trockenmauer ihre Nester bauen. Ein ausführliches Artenportrait findet sich in der Sektion Zur Sektion "Wildbienen-Portraits<" "Wildbienen-Portraits".

43.  Neues Mähregime fördert u. a. Wildbienen (09.01.2014)
Ca. 13 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz sind Ökologische Ausgleichsflächen (ÖAF), etwa die Hälfte davon extensiv genutzte Wiesen, die mit Millionenbeträgen gefördert werden. Forscher am Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern um den Doktoranden Pierrick Buri veröffentlichen nun eine Studie ("Delaying mowing and leaving uncut refuges boosts orthopterans in extensively managed meadows: Evidence drawn from field-scale experimentation" in: Agriculture, Ecosystems and Environment 181: 22–30, Literatur zu Biotopen & Naturschutz), die die Auswirkungen von vier verschiedenen Mähregimes auf die Biodiversität vergleicht. Die Ergebnisse empfehlen zur Nachahmung: Die Studie zeigt deutlich, daß die oft empfohlene Reduktion der Mahden auf maximal 2 Schnitte pro Jahr mit einem Abstand von mindestens 8 Wochen keinen positiven Effekt auf die Biodiversität hat. Gemäht werden sollte vielmehr erst Mitte Juli und dabei ein ungemähter Rückzugsraum von ca. 15% ausgespart werden.

42.  EU-Kommission: Grünes Licht für Gen-Mais 1507 (06.11.2013)
Die Kommission der Europäischen Union empfiehlt, den "Genmais" 1507 des Konzerns Pioneer-DuPont zum Anbau zuzulassen. Wenn vor allem Deutschland im EU-Ministerrat nicht gegen die Empfehlung der EU-Kommission stimmt, wird der "Genmais" wohl zugelassen. Fällt der Ministerrat keine Entscheidung, darf die Kommission alleine entscheiden. Wird der Anbau zugelassen, müssen die Mitgliedsstaaten entscheiden, ob sie jeweils der Kommissions-Empfehlung folgen und den "Genmais" nach nationalem Recht zulassen.
    Ende Oktober wies das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig die Revisionen mehrerer Imker, die Schutzmaßnahmen gegen gentechnische Verunreinigungen von Honig erstreiten wollten, mit dem Argument zurück, es bestehe kein "Feststellungsinteresse" mehr, da der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland nicht zugelassen sei, ein Fall wie der verhandelte sich also nicht mehr wiederholen könne. Keine zwei Wochen später wird es nun allerdings wieder fraglich, ob sich eine Kontamination von Honig wie 2005 durch den "Genmais" Mon810 wirklich nicht wiederholen kann.

41.  Colletes hederae auch an Hedera colchica (14.–24.10.2013)
Ein Bonner Bienenfreund, Markus Menke, findet an drei Oktobertagen in den Botanischen Gärten der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mehrere Weibchen der Efeu-Seidenbiene an Hedera colchica. Diese nicht-einheimische Efeu-Art ist am Schwarzen Meer (Nord-Anatolien) und am Kaspischen Meer sowie im Kaukasus, in Syrien und Zypern verbreitet. Die Nutzung auch anderer Efeu-Arten als Hedera helix durch Colletes hederae war zu erwarten: Oligolektischen Bienenarten sind in ihrem Verbreitungsgebiet in der Regel auf viele oder alle Arten einer Pflanzengattung spezialisiert, da deren (das Sammelverhalten bestimmende) Blütenbau in der Regel ähnlich ist.

40.  Schutzgebiet für Apis mellifera mellifera in Schottland (06.10.2013)
Zwei schottische Inseln in den westlichen Hebriden, werden Schutzgebiet für die Dunkle Europäische Honigbiene. Die richtungsweisende Verordnung der schottischen Regierung tritt am 1. Januar 2014 in Kraft und schließt andere Honigbienenrassen auf den Inseln aus. Sie ist der Erfolg jahrelanger Bemühungen des Imkers Andrew Abrahams, die heimische Honigbiene reinrassig und geschützt vor Krankheiten zu erhalten. Die Tageszeitung THE SCOTSMAN berichtet heute unter der Überschrift Colonsay and Oronsay to become honeybee havens:
    "There are around 250 native species of bee in Britain but just a single honeybee – the Apis mellifera mellifera. The isles of Colonsay and Oronsay are currently home to around 50 colonies and have now been named in a new Scottish Government order to protect the species from cross-breeding and disease. The Bee Keeping (Colonsay and Oronsay) Order 2013 comes into force on 1 January and will make it an offence to keep any honeybees on the islands except Apis mellifera mellifera, whose hardiness allows them to survive the harsh climate of Scotland’s west coast."

Colletes hederae in Solingen

39.  Seidenbiene Colletes hederae erstmals auch in Solingen (06.10.2013)
Eine Woche nach dem Fund in Oberhausen findet der Autor dieser Website die Efeu-Seidenbiene auch in seiner Heimatstadt, Solingen: etwa 30 Weibchen sammeln Efeu-Pollen an einer nach Westen ausgerichteten Hecke ca. 600 m Luftlinie von seiner Haustür entfernt; auf einer benachbarten Ruderalfläche saugen sie außerdem Nektar an der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis). Die Anzahl der Individuen läßt eine Erstbesiedlung Solingens 2011, spätestens aber 2012 vermuten.

38.  Seidenbiene Colletes hederae in Oberhausen gefunden (30.09.2013)
Der Bienenspezialist und -fotograf Bernhard Jacobi entdeckt am Efeu seines Gartens in Oberhausen drei Weibchen der "Efeu-Seidenbiene". Diese sich von Süden und Westen her ausbreitende Art wurde erst 1993 von Konrad Schmidt und Paul Westrich als eigene Art beschrieben und in NRW erstmals 2007 in Dortmund und dann 2008 in Rhöndorf (Bad Honnef bei Bonn) entdeckt. (Eine intensive Suche in den folgenden Tagen ergibt zwei weitere Standorte in Oberhausen.) Dr. Westrich prognostizierte kürzlich, Colletes hederae werde bald in den niederen Lagen Deutschlands (bis ca. 500 m) die hinsichtlich Individuenzahl und Vorkommen häufigste Bienenart sein; er sollte recht behalten. Interessant ist die Beobachtung, daß Colletes hederae tendenziell weniger an sonnenexponierten Efeublüten zwischen Nektar-saugenden Fliegen und Wespen sammelt als vielmehr an beschatteten Efeupflanzen. Dieses Verhalten wurde genau ein Jahr zuvor, am 30.09.2012, auch an den Efeu-bewachsenen Mauern neben dem Nelly-Pütz-Berufskolleg in Düren festgestellt, auf dessen Gelände die Art nistet.

37.  Sandbiene Andrena rosae in NRW wiederentdeckt (11.08.2013)
Während einer Exkursion zum NSG Heintjeshammer im Eschbachtal an der Grenze zwischen Remscheid und Wermelskirchen (n.Br. 51.154202, ö.L. 7.189595) entdeckte der Autor auf einem Bestand des Wald-Engelwurzes (Angelica sylvestris) ein Pollen-sammelndes Weibchen der auf Apiaceae spezialisierten Sandbiene Andrena rosae. In der aktuellen Rote Liste der Wildbienen Nordrhein-Westfalens wird diese Art als "ausgestorben bzw. verschollen" (Kategorie 0) geführt; der letzte Nachweis datiert danach aus dem Jahr 1954, ist also 59 Jahre alt. Wiedererkannt wurde die Biene durch ihr typisches Merkmal: den fast kahlen schwarzen Abdomen mit Rot auf dem 1. und vor allem 2. Tergiten; der Autor hatte beide Geschlechter zum ersten und letzten Male am 03.07.2011 während einer bienenkundlichen Foto-Exkursion ins niederländische NSG De Biesbosch gesehen und fotografiert.

36.  Die EU bekämpft das Bienensterben (29.04.2013)
Zum Schutz von Honigbienen sprechen sich die EU-Mitgliedsstaaten mehrheitlich (einschließlich Deutschlands) für ein Teilverbot dreier umstrittener Pestizide aus. Die erforderliche "qualifizierte Mehrheit" wurde allerdings nicht erreicht, somit liegt die Entscheidung nun bei der EU-Kommission, die im Januar vorschlug, die synthetisch hergestellten nikotinartigen Wirkstoffe Clothianidin und Imidacloprid (beides Bayer-Produkte) sowie Thiamethoxam (vom Schweizer Konzern Syngenta) zu verbieten. Das Verbot soll vom 1. Dezember an für zwei Jahre gültig sein und dann überprüft werden. Die konventionelle Landwirtschaft nutzt die Pestizide als Beizmittel, um Saaten (Sonnenblume, Mais, Raps, Baumwolle) vor Schädlingen zu schützen. Studien haben aber gezeigt, daß Neonikotinoide die Signalübertragung durch die "Neurotransmitter" der Bienen stören und ihre Orientierungs- und Lernfähigkeit beeinträchtigen können, was zum gefürchteten "Bienensterben" beiträgt. Gemeint damit sind, wie üblich, die Honigbienen; Wildbienen sind meist nicht im Fokus der Politik.

Saatgutmischung mit einjährigen Wildblumen   Saatgutmischung mit ein-, zwei- & mehrjährigen Wildblumen

35.  Wildblumen-Mischungen für Wildbienen (21.04.2013)
Um dem zunehmenden Nahrungsmangel bei Wildbienen zumindest im Siedlungsbereich etwas abzuhelfen, hat der bekannte Bienenexperte Dr. Paul Westrich in Zusammenarbeit mit dem Diplombiologen Bernd Dittrich (Kräutergärtnerei Syringa, Binningen im Hegau) zwei farblich attraktive Wildblumen-Mischungen entwickelt, die in hohem Maße die Ansprüche vieler Wildbienenarten – vor allem der Pollenspezialisten – an ihre Futterpflanzen berücksichtigen: Die erste Saatgutmischung enthält einjährige Wildblumen, die zweite Mischung ein-, zwei- und mehrjährige. Ganz überwiegend sind es einheimische Pflanzenarten, einige sind eingebürt, aber nicht invasiv. Bezugsadresse: www.wildbienen-futterpflanzen.de; Info: Zusammenstellung der Pflanzenarten.

34.  Planet Wissen zum Thema Bienen (27.03.2013)
Planet Wissen, ein Fernsehmagazin des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Südwestfunks (SWR) und des Bayerischen Rundfunks (BR alpha), strahlt eine Sendung zum Thema "Bienen" aus, die auch auf You Tube in voller Länge angeschaut werden kann. Gemeint ist mit "Bienen", wie üblich, die Honigbiene, und in erster Linie geht es um einen von Imkern aus Fernost eingeschleppten Parasiten: die Varroa-Milbe. Daß es auch (und vor allem) andere Bienen, nämlich sogenannte Wildbienen, gibt, erfährt der Zuschauer erst am Ende. Dort hört er ein Dutzend Sätze, die allesamt unsinnige Imkerpropaganda enthalten, die aber vom Studiogast, einer Imkerin und Biologin der Ruhr-Universität Bochum, leider nicht richtiggestellt wird:

Und wenn Bienen dann bei der Futtersuche erfolgreich sind, dann profitiert die ganze Natur davon. Wenn Bienen Nektar sammeln, bestäuben sie gleichzeitig auch viele Obst-, Gemüse und Feldfrüchte. In Deutschland sind rund 80% der Nutzpflanzen auf Bienenbestäubung angewiesen. Andere Insekten können diese wichtige Aufgabe nicht übernehmen. Die Wildbiene, die nicht so zahlreich vorkommt, könnte zwar theoretisch einspringen, aber sie kämpft selbst ums Überleben. Ohne solch künstliche Brutkästen wäre ihr Fortbestand gefährdet. Auch Hummeln können die Honigbiene nicht ersetzen, da sie Pflanzen nicht so effektiv bestäuben wie die Honigbiene. Das Szenario einer Natur ganz ohne Honigbienen ist beängstigend: Gelbe Rapsfelder würden ebenso verschwinden wie blühende Obst- und Gemüsegärten oder Kartoffeläcker. Von den 50 wichtigsten Nutzpflanzen in Deutschland wären rund 30 direkt vom Bienensterben betroffen. Die Liste der Pflanzen, die verschwinden oder kaum noch Erträge bringen würden, ist lang. Auch andere Tiere würden unter dem Bienensterben stark leiden, wenn sich Lebensräume mit ihren Nahrungsquellen drastisch verändern.

33.  Pflanzenforschung.de: "Unterschätzte Wildbienen · Artenvielfalt sichert Erträge" (08.03.2013)
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt Pflanzenforschung.de (eine Initiative des Forschungsprogramms "Pflanzenbiotechnologie der Zukunft – PLANT2030") plädiert für eine insektenfreundliche Landwirtschaft. Unter der Überschrift "Unterschätzte Wildbienen · Artenvielfalt sichert landwirtschaftliche Erträge" bilanziert die Redaktion: "Honigbienen allein reichen nicht aus, um die Bestäubung unserer Kulturpflanzen zu gewährleisten. Wildinsekten erhöhen überall auf der Erde den Fruchtansatz und damit die Erträge, selbst wenn bereits viele Honigbienen ein Feld besuchen." Grundlage ist eine internationale Studie, die die Bestäubungsleistung von Wildbienen und Honigbienen in mindestens 41 Anbausystemen vergleicht: Wildbienen erreichten unabhängig vom Anbausystem und der Feldfrucht mit der gleichen Zahl von Blütenbesuchen einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie Honigbienen. Diese steigerten den Anteil befruchteter Blüten nur in 14 Prozent der untersuchten Anbausysteme.
    Quelle: Garibaldi L. A. et al. (2013): "Wild pollinators enhance fruit set of crops regardless of honey-bee abundance" in: Science, Vol. 339, no. 6127, pp. 1608–1611 (online).

32.  European Food Safety Authority (EFSA) warnt vor Insektiziden (16.01.2013)
Die European Food Safety Authority warnt in einer vorläufigen Stellungnahme ("EFSA identifies risks to bees from neonicotinoids") vor den Gefahren durch drei Insektizide von Bayer und Syngenta, die zu den Neonicotinoiden gehören: Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Die Europäische Kommission hatte die EFSA beauftragt, die Risiken einzuschätzen, die von diesen Wirkstoffen zur Saatgutbehandlung oder als Granulat ausgehen, insbesondere ihre akuten und chronischen Auswirkung auf Bienenvölker, konkret: auf ihr Überleben und ihre Entwicklung, auf Larven, auf das Verhalten der Bienen und durch sublethale Dosen. Die Wissenschaftler kamen zu folgenden Ergebnissen:

Da die abschließenden Leitlinien zur Gefahreneinschätzung aufgrund von Datenlücken noch nicht erarbeitet werden konnten, sind die neuesten Bewertungen noch unsicher. Betont wird, daß nur begrenzte Erkenntnisse über andere Bestäuber als Honigbienen vorliegen; die Risiken auch für diese Bestäuber sollten also weiterhin geprüft werden.

31.  Niederländisches Bienen-Standardwerk erschienen: De Nederlandse Bijen (Dezember 2012)
Es hat viele lange Jahre gedauert, nun ist das langerwartete Buch endlich auf dem Markt: De Nederelandse Bijen (Hymenoptera: Apidae S.L.). Natuur van Nederland 11. Naturalis Biodiversity Center, Leiden. Das Standardwerk im DIN-A4-Format beschreibt auf 544 Seiten alle 358 niederländischen Bienenarten mit Verbreitungskarten und beinhaltet in 21 Kapiteln alles, was man über Bienen wissen kann und sollte. Die Autoren sind Bienenfreunden in unserem Nachbarland als Fachleute wohlbekannt: Theo M.J. Peeters, Hans Nieuwenhuisen, Jan Smit, Frank van der Meer, Ivo P. Raemakers, Wijnand, R.B. Heitmans, Kees van Achterberg, Manja Kwak, Anne Jan Loonstra, Jeroen de Rond, Mervyn Roos, Menno Reemer.

30.  Die "Bienenschleuse": Neuentwicklung der Firma Bayer (14.11.2012)
Das BAYER-FORSCHUNGSMAGAZIN research stellt in einem Artikel eine Neuentwicklung vor: das "Varroa-Gate", eine Art Schleuse gegen die Varroa-Milbe. Es handelt sich um einen Kunststoff-Lochstreifen, der mit einem Milbengift getränkt ist: Wenn eine Biene durch eines der Löcher krabbelt, nimmt der Thorax-Pelz eine kleine Menge des Wirkstoffs auf, der Milben auf der Biene und im Inneren des Bienenstocks tötet und auch vor einem Neubefall schützt. Die Erfindung erinnert nicht zufällig an Floh- und Zeckenhalsbänder für Hunde und Katzen.
    Bei der Neuentwicklung hatte Bayer offenbar auch einen eigennützigen Hintergedanken, denn die "Bayer-HealthCare-Division Animal Health" erläutert in dem Beitrag: "Viele Forscher richten ihre Aufmerksmakeit auf Virusinfektionen oder andere Faktoren wie Pflanzenschutzmittel oder Pollen von genetisch veränderten Nutzpflanzen. Dabei vernachlässigen sie die Schadwirkung der Varro-Milben." Bayer ist bekanntlich die Firma, deren Giften auch in Deutschland Millionen Bienen zum Opfer gefallen sind (siehe Nr. 21 und 18).

29.  Langzeitstudie: Rattensterben duch genmanipulierten Mais (19.09.2012)
Das Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology veröffentlicht die alamierenden Ergebisse einer französischen Langzeitstudie der Universität Caen: Dort hatte eine Expertengruppe für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in Nahrungsmitteln zwei Jahre lang 200 Ratten in drei Vergleichgruppen beobachtet, deren Futter elf Prozent Mais enthielt: Eine Gruppe erhielt eine unbehandelte Charge der von Monsanto vertriebenen Maissorte NK603; eine zweite fraß dieselbe Maissorte, die gegen das Pestizid Roundup resistent ist und mit diesem auch behandelt worden war; die dritte Gruppe bekam herkömmlichen, ebenfalls mit Roundup behandelten Mais. Nach 17 Monaten gab es unter den mit "Genmais" gefütterten Ratten deutlich mehr Tote als in der Vergleichsgruppe: Die meisten Weibchen (70% zu 20%) waren an Brustkrebs erkrankt, die Männchen (50% zu 30%) oft an Haut- oder Nierentumoren. Zweifel wurden in London und Adelaide (Australien) laut, das schweizerische Bundesamt für Gesundheit (BAG) will die Studie prüfen und bewerten. Die EU-Kommission hat die European Food Safety Authority (EFSA) beauftragt, die Ergebnisse der neuen Studie zu prüfen. Sehr überzeugend ist die Studie angesichts der geringen Datenlage nicht ...
    Nachtrag: Ein Prüfausschuß hat im Auftrag der Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology die Studie gesichtet und im November 2013 empfohlen, sie zurückzuziehen: Die Kritik an der zu geringen Zahl der Versuchstiere sei gerechtfertigt, die gewonnenen (nicht beanstandeten) Ergebnisse seien nicht belastbar.

Wildbienenschutz – von der Wissenschaft zur Praxis

28.  Wildbienenschutz von Antonia Zurbuchen & Andreas Müller (23.05.2012)
Broschüren und Bücher über den Schutz unserer Wildbienen gibt es in unterschiedlicher Ausführlichkeit und Qualität schon länger, viele betonen pauschal die wichtige Rolle der Solitärbienen und Hummeln im Naturhaushalt und befassen sich vorrangig mit dem Bau oder Erwerb geeigneter Nisthilfen. Nun erscheint ein Buch, das schon im Titel eine andere Herangehensweise beschreibt: Wildbienenschutz – von der Wissenschaft zur Praxis heißt die Neuerscheinung, die auf 164 Seiten in elf Kapiteln (siehe unten) und mit 44 Bildtafeln – die jeweils aus bis zu acht Fotos oder Diagrammen bestehen – erfolgversprechende Schutzmaßnahmen aus dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand über die mitteleuropäischen Wildbienen ableitet. Antonia Zurbuchen und Andreas Müller vom Institut für Agrarwissenschaften der ETH (Eidgenössischen Technischen Hochschule) Zürich haben eine große Menge Fachliteratur gesichtet und so aufbereitet, daß Biologen und Laien, Behörden wie Naturschützer mit einem soliden Wissen ausstattet bedrohte Arten und die Wildbienendiversität fördern können. Das Buch ist im schweizerischen Haupt-Verlag für 34,90 € auch direkt zu  bestellen.
  1. Einleitung
  2. Wichtige Blütenpflanzen als Nahrungspflanzen
  3. Quantitativer Blütenbedarf
  4. Wichtige Kleinstrukturen als Nistplätze
  5. Räumliche Anordnung von Nist- und Nahrungshabitaten
  6. Landschaftsstrukturen als Hindernisse für nahrungssuchende Wildbienen
  7. Wildbienenreiche Landschaften und wertvolle Wildbienenlebensräume
  8. Wildbienen im Siedlungsraum
  9. Nahrungskonkurrenz zwischen Honigbiene und Wildbienen
  10. Synthese
  11. Literatur

27.  Überarbeitetes Wildbienenbuch von Amiet & Krebs (18.04.2012)
Das 1997 im Naturbuch-Verlag erschienene Bienenbuch von Andreas Müller, Albert Krebs & Felix Amiet: Bienen · Mitteleuropäische Gattungen, Lebensweise, Beobachtung hat einen Nachfolger: Felix Amiet & Albert Krebs (2012): Bienen Mitteleuropas: Gattungen, Lebensweise, Beobachtung. Das diesmal vom Haupt-Verlag produzierte Werk entspricht überwiegend seinem Vorgänger, ist aber u. a. taxonomisch aktualisiert, neu designt und mit zusätzlichen Fotos ausgestattet. Preis: 39,90 €.

26.  Das greenpeace magazin berichtet über "Bienen": "SUMM SUMM SUMM" (Ausgabe 4.11)
Die Titelseite der letzten 2011er Ausgabe des greenpeace magazin zeigt eine Sonnenblume und daneben die Worte "SUMM SUMM SUMM", die auf den 15.580 Buchstaben langen Hauptbeitrag "Das kollektive Königreich" verweisen. Dieser ist der Honigbiene gewidmet, nennt diese aber erst im allerletzten Satz beim Namen – die Rede ist vielmehr von Anfang an konsequent immer nur von "Bienen". Die lautmalerische Diktion auf der Titelseite erinnert nicht zufällig an die Boulevard-Presse: Der Autor liefert keinen (populär-) wissenschaftlichen Beitrag zur Rolle der Wild- und Honigbienen in unserem Öko-System, er liefert eine Story um eine Bio-Imkerin im oberbayerischen Scheyern und ihren Mann und das königliche Treiben ihrer summenden Schützlinge. Der Leser erfährt von den Problemen bei der Pflege ihrer 250 (!) Völker, von der wirtschaftlichen Rolle dieser Insekten und vom Bienensterben – "Colony Collapse Disorder" (CCD) – und genmanipulierten Pflanzen, und auch der Einsatz in der Sprengstoff-Detektion bleibt nicht unerwähnt.
    Greenpeace-Mitglieder lernen: Die "normalen" Bienen sind die Honigbienen, nur sie sind für die Bestäubung der Pflanzen wichtig; ihre wilden Verwandten erbringen keine nennenswerte Leistung und sind kaum der Rede wert. Im O-Ton: "Im Vorbeikrabbeln sorgt die Biene so für den Fortbestand und die Erträge fast aller Obstarten, vieler Gemüsesorten, Beeren und Ölpflanzen wie Raps und Sonnenblumen. Ohne Bienen wäre unsere Vitaminversorgung gefährdet." Die weltweite ökonomische Leistung wird mit rund 153 Milliarden Euro pro Jahr zitiert, "fast ein Zehntel der Weltnahrungsmittelproduktion". Richtig ist: Honigbienen sind nur in großen Monokulturen unersetzlich. Ob die zitierten chinesischen Bauern, die ihre Obstbäume nun selbst bestäuben müssen, überhaupt wissen, welche "Bienen in den 80er Jahren ausgerottet wurden"? Vermutlich ebensowenig wie der Greenpeace-Autor.
    Die Wildbienen (und auch das Wort "Honigbienen") tauchen erst im allerletzten Abschnitt auf: "Obst- und Gemüsebauern setzen auch andere Bestäuber ein, Hummeln eignen sich beispielsweise für Gewächshäuser. Um sie nicht kaufen zu müssen, versuchen die Landwirte, Hummeln und Wildbienen durch Nisthilfen anzulocken. Doch die Leistung der Honigbienen können die Wildinsekten schon rein zahlenmäßig nicht ersetzen, zumal sie selbst bedroht sind." Abgesehen von der Bedrohung ist auch das Unsinn: Etliche Kulturpflanzen (vor allem Obstsorten) und viele Wildpflanzen (gerade auch seltene) werden überwiegend von Wildbienen bestäubt – und von anderen Insekten wie Fliegen und Wespen und in anderen Ländern auch von Fledermäusen und Vögeln. Fazit: Greenpeace hat es geschafft, das von Naturfreunden durch jahrelanges mühevolles Engagement gefestigte Wissen um die Existenz, Wichtigkeit und Gefährdung unserer Wildbienen durch einen einzigen Artikel zu erschüttern.

25.  Ohne Zulassung kein "Gen-Honig" (06.09.2011)
Honig, der gentechnisch veränderten Pollen enthält, darf nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nur vertrieben werden, wenn er zuvor geprüft und zugelassen wurde. Das oberste EU-Gericht in Luxemburg gab damit dem Imker Karl-Heinz Bablok aus Augsburg recht, der auf Schadenersatz für Honig geklagt hatte, in dem Pollen von gentechnisch verändertem Mais entdeckt worden war – und dies, obwohl Mais ein Windblütler ist. Der Pollen stammte von der Sorte Monsanto 810, die als Tierfutter, aber nicht als Lebensmittel zugelassen ist. Die nur zufällige Verunreinigung mit gentechnisch veränderten Material und dessen Menge im Honig spielen nach Auffassung des EuGH keine Rolle; die Richter widersprachen damit der EU-Kommission, welche geltend gemacht hatte, eine eigene Zulassung vor dem Inverkehrbringen sei nicht nötig, weil in dem belasteten Honig nur geringste Pollenmengen enthalten seien. Eine Schlappe ist das Urteil auch für den Freistaat Bayern, dem die Anbaufläche gehört, und für die Lobbyisten der Agrarindustrie, die für Herstellung und Vertrieb gentechnisch veränderter Organismen (GVO) streitet und u. a. das seit 2009 geltende Verbot des Genmais bekämpft. Ein hohes Risiko gehen jene Landwirte ein, die Genmais anbauen wollen und nun damit rechnen müssen, daß Imker in der Nachbarschaft Schadensersatz sowie Maßnahmen zum Schutz vor Verunreinigung verlangen. Außerdem wird künftig wohl manche Honigsorte aus deutschen Supermarktregalen verschwinden, da der meiste Honig nicht aus Deutschland stammt und, wenn ein Test der Zeitschrift Ökotest im Januar 2009 repräsentativ ist, fast die Hälfte der Import-Sorten vor allem aus Kanada und Südamerika (etwa Argentinien) Spuren von Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen aufweisen.

24.  Neues Wildbienenbuch von Paul Westrich (06.06.2011)
Wildbienen · Die anderen Bienen lautet das Buch, das sich Bienenfreunde seit Jahren vom Autor der Wildbienen Baden-Württembergs gewünscht haben. Der international renommierte Verfasser hat nach über 30jähriger Forschungstätigkeit ein populärwissenschaftliches Buch geschrieben und bebildert, das Laien in die Welt der Wildbienen einführt und auf 168 Seiten 479 Farbabbildungen zeigt. Es empfiehlt sich für Naturfreunde und Gartenbesitzer wie auch für den Schulunterricht und erscheint für 19,80 € im Pfeil-Verlag, der auch Nach außerhalb dieser Website Beispielseiten präsentiert. Die 18 Kapitel decken alle Aspekte der Bienenbiologie ab, ebenso ihre Gefährdung und ihren Schutz:
Wildbienen · Die anderen Bienen
  1. Die anderen Bienen
  2. Einsiedler- oder Solitärbienen
  3. Soziale Bienen
  4. Parasitische Bienen (»Kuckucksbienen«)
  5. Wann und wo findet man Wildbienen?
  6. Eigenartige Schlafplätze
  7. Blüten im Leben der Wildbienen-Männchen
  8. Das Bienennest
  9. Ein Platz zum Nisten gesucht
  10. Pflanzliches für den Nestbau
  11. Ohne Pollen keine Nachkommen
  12. Gefährdung und Schutz der Wildbienen
  13. Der Garten als Nahrungsraum von Wildbienen
  14. Nisthilfen – Wohnraum für Wildbienen
  15. Lebensbilder hohlraumbesiedelnder Wildbienen
  16. Weitere Nutznießer unserer Maßnahmen
  17. Stechen Wildbienen?
  18. Literatur

23.  Schädigen Rapsfelder die Wildflora? (06.04.2011)
Rapsfelder locken mit ihrem Blütenreichtum Hummeln und und andere Wildbienen so stark an, daß dadurch Wildpflanzen schlechter bestäubt werden – so die Ergebnisse einer großen Freilandstudie der Universitäten Würzburg und Göttingen sowie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig/Halle auf 67 Flächen in der Region um Göttingen. Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) z. B. produziert bereits 20 Prozent weniger Samen, wenn Rapsflächen lediglich 15 Prozent der umgebenden Landschaft ausmachen.
    Quelle: Andrea Holzschuh, Carsten F. Dormann, Teja Tscharntke, Ingolf Steffan-Dewenter (2011): "Expansion of mass-flowering crops leads to transient pollinator dilution and reduced wild plant pollination" in: Proceedings of the Royal Society B.
    Eine der Autorinnen, Andrea Holzschuh, wird diese Arbeit als Teilnehmerin des EU-Projekts STEP fortsetzen, in dem 20 Arbeitsgruppen aus 16 Ländern fünf Jahre lang die Auswirkungen des globalen Wandels auf Bienen und ihre Bestäubungsleistung untersuchen werden.

22.  UNO-Bericht beklagt das Bienensterben (10.03.2011)
Ein Bericht des UN Environment Programme (UNEP), Global Honey Bee Colony Disorders and other Threats to Insect Pollinators, macht mehr als ein Dutzend Faktoren für das weltweite Verschwinden von Honigbienenvölkern und Wildbienen verantwortlich, u. a. diese:

In einer Presseerklärung zum Bericht unter dem Titel Bees Under Bombardment: Report shows multiple factors behind pollinator losses betont das UNEP die Abhängigkeit des Menschen von den Dienstleistungen des Ökosystems und bezeichnet die Bienen als Frühwarnindikatoren für weitere Auswirkungen auf das tierische und pflanzliche Leben. Die Autoren der Studie fordern Anreize für Bauern und Landbesitzer, Bestäuber-freundliche Habitate anzulegen, auch in der Nähe von Feldern.

Insektizide und andere Chemikalien sollten mit mehr Sorgfalt ausgewählt und eingesetzt werden: Zwar könne ein domestiziertes Honigbienenvolk vor einem Chemieeinsatz umgesetzt werden, dieser bedrohe jedoch wildlebende Bestäuber. Die Industrialisierung der Landwirtschaft führe zur Abnahme wildlebender Bienen und anderer Bestäuber, während Honigbienenvölker im industriellen Maßstab gemanagt und mit Lkws von Farm zu Farm transportiert würden. Der Umgang der Menschheit mit ihren natürlichen Ressourcen werde unsere Zukunft im 21. Jahrhundert bestimmen. 70% der Feldfrüchte, die weltweit 90% der Nahrung ausmachen, würden von Bienen bestäubt.

Während der UN-Bericht auch die wildlebenden Arten berücksichtigt, sprechen Presse und Rundfunk in Deutschland fast nur von "Bienen", meinen aber 'Honigbienen'. SPIEGEL ONLINE etwa zitiert unter der Überschrift Bienensterben wird zum globalen Problem den UNEP-Bericht als "Global Bee Colony Disorders and other Threats to Insect Pollinators"; das honey im Titel des Berichts ist verschwunden ...

21.  Nach dem Dioxin-Skandal der Honigbienen-Skandal? (25.01.2011)
Bieneninstitute, Bundeslandwirtschaftsministerium, Agrarindustrie und Imkerverbände hatten vor Jahren ein mehrjähriges Monitoringprojekt beschlossen, das das Problem der Volksverluste domestizierter Honigbienen untersuchen sollte. Dieses Deutsche Bienenmonitoring (DEBIMO, Elke Genersch et al. (2010): "The German bee monitoring project: a long term study to understand periodically high winter losses of honey bee colonies." Apidologie 41–3 Einsatz gegen Gentechnik kriminalisiert?) benennt zwar keine eindeutige Ursache für das dramatische Honigbienensterben, die Varroa-Milbe (Varroa destructor) sei jedoch "der dominante Killer während des Winters", und "ein negativer Einfluss von Pestizidrückständen im Bienenbrot [...] konnte nicht bewiesen werden." Die Studie wird nun von den Umweltverbänden BUND und NABU kritisiert: 50% des Projekts würden von der Chemie-Industrie (BASF, Bayer und Syngenta) getragen, die Studie weise methodische Mängel auf, so seien 95% aller Bienenstöcke in den vier Untersuchungsjahren nicht ein einziges Mal auf Rückstände untersucht worden etc. Als mögliche Ursachen des Bienensterbens kommen demnach viele weitere Faktoren in Frage: Parasitenbefall, Infektionen, Umweltstreß, einseitige Ernährung durch Monokulturen sowie Pestizide (vor allem die seit etwa 2000 verstärkt eingesetzten hochwirksamen Pestizide aus der Klasse der Neonikotinoide). Auch die Tagespresse berichtet über das Projekt und seine Kritik, etwa die Neue Rheinische Zeitung unter dem Titel „Bienen, Hummeln, Vögel, Menschen sollen leben“ · Folgt dem Dioxin-Skandal ein Bienen-Skandal? (Druckfassung).

20.  Auch Bienen stören Raupen beim Fressen (23.12.2008)
Zwei Biologen der Universität Würzburg beschreiben im Fachblatt Current Biology eine neue Methode, Raupen in Gärten und auf Feldern Einhalt zu gebieten: Raupen werden von Faltenwespen parasitiert und besitzen deshalb feine Sinneshärchen, mit denen sie Luftbewegungen registrieren, die beim Anflug der Wespen entstehen. Die Raupen lassen sich sofort zu Boden fallen oder bleiben regungslos liegen. Solange sie sich nicht bewegen, werden sie von den Wespen nicht erkannt. In dieser Zeit fressen sie nicht: ihre Nahrungspflanzen bleiben verschont.
    Die Forscher haben nun in Laborversuchen mit Eulenfalterraupen an Paprika- und Sojapflanzen entdeckt, daß die Raupen nicht zwischen fliegenden Wespen und Bienen unterscheiden können: Honigbienen haben etwa die gleiche Körpergröße und Flügelschlagfrequenz wie Faltenwespen. In einem Käfig mit Honigbienen fraßen die Raupen streßbedingt bis zu zwei Drittel Prozent weniger Blattmasse als in einem Käfig ohne Honigbienen. Geplant ist nun ein Freilandversuch auf einem blütenreichen biologisch bewirtschafteten Gemüsefeld: Dort könnten die Bienen allein durch ihren Blütenbesuch den Schaden an Gemüsepflanzen ähnlich stark mindern wie im Labor – und mehr als in einer konventionellen Monokultur. (Quellen: Tautz, Jürgen und Michael Rostás: "Honeybee buzz attenuates plant damage by caterpillars" in: Current Biology 18 (24) pp. R1125–R1126; Meldungen)

19.  Neufassung der Roten Liste der Wildbienen (30.08.2008)
Dr. Paul Westrich, der Verfasser des Grundlagenwerkes Die Wildbienen Baden Württembergs, veröffentlicht in Heft  3 seiner Zeitschrift Eucera die neue "Rote Liste der Bienen Deutschlands (Hymenoptera, Apidae) (4. Fassung, Dezember 2007)".

18.  Wiederzulassung von Clothianidin (25.06.2008)
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hebt das Ruhen der Zulassungen bienengefährlicher Rapsbehandlungsmittel auf. Die Bayer CropScience kann nun weiterhin das Nervengift Clothianidin vertreiben. Das BVL sagt lediglich zu, neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Tests auf Bienengefährlichkeit einfließen zu lassen.
    Der Einfluß der Agrochemie-Lobby auf die Politik war in Baden-Württemberg groß genug, per Verordnung vorschreiben zu lassen, daß Mais-Saat zum Schutz gegen den Mais-Wurzelbohrer nur nach Behandlung mit Clothianidin ausgebracht werden durfte. Den gefährlichen Käfer könnte man jedoch auch und giftfrei durch Feldfruchtwechsel bekämpfen, indem man auf Flächen, auf denen gerade Mais geerntet wurde, anschließend eine andere Feldfrucht anbaut.
    Clothianidin ist deshalb problematisch, weil es nicht ausreichend an den Maiskörnern haftet und der Wind beim Ausbringen des Saatgutes mit pneumatischen Sähmaschinen im Frühjahr ein wenig Abrieb auf die Blüten der Umgebung wehte. Die katastrophalen Folgen wurden nur deshalb bemerkt, weil Honigbienen in großen Mengen starben und die Imker Alarm schlugen. Außer den Honigbienen starben aber am Clothianidin auch alle anderen Blütenbesucher, also alle lokal vorkommenden Wildbienen (von denen es allein in Deutschland ca. 555 Arten gibt) sowie auch Tausende von Schlupfwespen, Lehmwespen, Grabwespen, Wegwespen, Papierwespen, Hornissen, Raupenfliegen, Schmetterlingen und andere, die für ihre Eigenversorgung auf Nektar, also auf Blütenbesuche angewiesen sind. Clothianidin ist sehr ausdauernd, in kalifornischen Böden etwa waren nach ca. 3 Jahren noch ca. 70% des ursprünglich eingebrachten Nervengiftes vorhanden.

17.  Genmais-Urteil in Augsburg (30.05.2008)
Das Verwaltungsgericht Augsburg stellt am 30. Mai 2008 in einem Urteil fest, daß Honig, welcher Blütenpollen des gentechnisch veränderten Maises MON 810 enthält, nicht verkehrsfähig ist: Der Anbau stelle eine wesentliche Beeinträchtigung des klagenden Imkers dar, weil er solchen Honig nicht verkaufen dürfe, da der Genmais keine Zulassung als Lebensmittel habe.
    Der Imker erhält jedoch keinen Schutzanspruch gegen den Anbau, d. h. er kann den Anbauer nicht zwingen zu verhindern, daß seine Bienen gentechnisch veränderte Maispollen eintragen: Obwohl der Hobbyimker seine Bienen seit vielen Jahren stationär in einem Bienenhaus hält und technisch nicht auf Bienentransporte eingerichtet ist, sei ihm nach Abwägung der "Verhältnismäßigkeit" zuzumuten, die Völker während der Maisblüte an einem anderen Standort aufzustellen. Allerdings könne er zivilrechtliche Schadensersatzansprüche gegen den Anbauer geltend machen.

16.  Das BVL läßt die Zulassung von Giften ruhen (Mai 2008)
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) läßt im Mai 2008 die Zulassung folgender Gifte bis auf weiteres ruhen: Antark, Chinook, Cruiser 350 FS, Cruiser OSR, Elado, Faibel, Mesurol flüssig, Poncho, ACROBAT PLUS WG, Ridomil Gold MZ, STEWARD, Gramoxone Extra, Euparen M WG (auch vertrieben unter den Bezeichnungen Baymat WG und Bayer Garten Universal-Pilzfrei), Melody Multi, Monceren plus und Folicur EM. Näheres findet sich auf der BVL-Seite "Widerrufene und ruhende Zulassungen (letzte Änderung: 15. Mai 2008)".

15.  Neue Bienen-Zeitschrift: Eucera (Januar 2008)
Dr. Paul Westrich, der renommierte Autor des zweibändigen Grundlagenwerkes Die Wildbienen Baden-Württembergs, gründet eine neue Zeitschrift: Eucera · Beiträge zur Apidologie. Für die gedruckte Ausgabe ist die ISSN 1866-1513, für die zeitgleich publizierte Online-Ausgabe lautet die ISSN 1866-1521. Die nicht gewerbliche Zeitschrift soll in unregelmäßiger Folge in Form von Einzelheften erscheinen. "Aus Gründen einer besseren Lesbarkeit und Sprachrichtigkeit wird", wie Dr. Westrich später (im August) schreibt, "die klassische (bewährte) Rechtschreibung verwendet."

14.  Seidenbiene Colletes hederae erstmals in Nordrhein-Westfalen (Herbst 2007)
Der Bienenkunder Prof. Dr. Klaus Standfuss entdeckt in seinem Garten an der B1 in Dortmund zwei Männchen der "Efeu-Seidenbiene" (Colletes hederae). Diese von Süden und Westen her sich ausbreitende Art wurde erst 1993 von Konrad Schmidt und Paul Westrich als eigene Art beschrieben und taucht nun unerwartet schon in NRW auf. (Es soll bis 2012 dauern, bis Prof. Standfuss auch Weibchen dieser Art in seinem Garten entdeckt.)

13.  Großes Bienensterben in den USA (Frühjahr 2007)
In manchen Regionen sterben im Frühjahr bis zu 80 Prozent der Honigbienenvölker. Forscher können die Ursache noch nicht eindeutig identifizieren und Verlauf und Ausbreitung des Sterbens nicht untersuchen, da die Honigbienen (die übrigens in Amerika nicht heimisch sind) außerhalb ihrer Stöcke sterben. Es gibt aber eine Reihe plausibler Vermutungen: die Dürre im Herbst 2006 im Süden der USA und als Folge eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, die riesigen Monokulturen und daher die einseitige Ernährung oder/und Vergiftung der Bienen mit Pestiziden, genmanipulierte Pflanzen bis hin zu elektromagnetischer Strahlung und ein Zusammenwirken, eine Akkumulation mehrerer Faktoren. Sicher scheinen die Folgen zu sein: große, teure Ernteausfälle.

12.  Dramatischer Rückgang der Bienenarten (21. Juli 2006)
Die im US-Magazin Science veröffentlichte Studie eines Forscherteams der Universität Leeds belegt, daß die Zahl der Bienen und der von ihnen bestäubten Pflanzen in Teilen Europas stark abgenommen hat. Im ebenfalls betroffenen Großbritannien gingen die auf Insektenbestäubung angewiesenen Wildpflanzen um 70 Prozent zurück. Die Ursachen für das Bienensterben sind noch unklar.

11.  Imker, Gentechnik und Verfassungsschutz (Frühjahr 2006)
Welche Folgen das Wahrnehmen des urdemokratischen Grundrechts auf freie Meinungsäußerung haben kann, erzählt der Präsident der Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes: Manfred Hederer engagiert sich vielerorts – auch innerhalb der CSU – gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen, den er für eine große Gefahr für die Natur, den Menschen und Imkerei betrachtet. Deshalb erhielt er Besuch vom Bayerischen Verfassungsschutz und mußte sich Fragen zu seiner staatsbürgerlichen Einstellung gefallen lassen. Wenn sich der Staatsschutz, eigentlich zuständig für politisch motivierte Kriminalität, hier einmischt, zeigt dies, daß die Bayerische Landesregierung Staat und Verfassung durch den Einsatz für eine natürliche Umwelt gefährdet sieht? (ehemalige Quelle Einsatz gegen Gentechnik kriminalisiert?)

10.  Löcherbienen (Heriades truncorum) konkurrieren nicht mit Honigbienen um Pollen (2005)
Die Bienenforscher Andree Hamm, Sandra Haase und Dieter Wittmann vom Institut für Landwirtschaftliche Zoologie und Bienenkunde in Bonn haben am Beispiel der häufigen oligolektischen Löcherbiene Heriades truncorum in einem Naturschutzgebiet westlich der ehemaligen Bundeshauptstadt untersucht, ob Wildbienen mit der domestizierten Honigbiene (Apis mellifera carnica L.) um Pollen konkurrieren. Zu diesem Zwecke wurden an zwei Terminen je 30 Honigbienenvölker im NSG aufgestellt und die Menge des Korbblütler-Pollens mittels Pollenfallen bestimmt. Bei den Löcherbienenweibchen wurden die Pollenmengen (Rainfarn, Schmalblättriges und Jakobs-Greiskraut) und die Zahl der Brutzellen ermittelt. Beobachtet wurden auch die Besuchshäufigkeit, evtl. Störungen und die Dauer der Sammelflüge.
    Die Löcherbienenweibchen trugen im Durchschnitt 2.254.200 Pollen in eine Brutzelle ein; ein Honigbienenvolk schaffte täglich maximal ca. 45 Millionen, was für ca. 20 Brutzellen reicht. Die Sammelflüge der Wildbienenweibchen wurden aufgrund abnehmender Tracht länger, nicht jedoch durch das Aufstellen der Honigbienenvölker; diese hatten auch keinen signifikanten Einfluß auf die Tagesleistungen der Löcherbienen.

9.  Neues Hummelbuch aus Großbritannien (Frühjahr 2005)
Im Frühjahr 2005 ist ein neues, lesenswertes Buch erschienen: Mike Edwards & Martin Jenner (2005): Field Guide to Bumblebees of Great Britain and Ireland. Ocelli, Willingdon Village, Eastbourne. Bemerkenswert sind die guten, bestimmungstauglichen Fotos und die einfachen Bestimmungsschlüssel. Hummelfreunde, denen die englische Sprache nicht fremd ist, haben hier Gelegenheit, ihren Wortschatz um biologische Fachbegriffe zu erweitern. Der Originalpreis beträgt £ 8.99 + P&P, außerhalb Großbritanniens läßt sich das Büchlein bequem im Online-Versandhandel erwerben, bei amazon z. B. für 16,50 €.

8.  Bienenartenbestimmung mit dem Computer
Forscher der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn haben ein Computerprogramm namens ABIS entwickelt, das Bienenarten anhand ihrer Flügeläderung identifiziert. Dies funktioniert am einfachsten mit toten, aber auch mit lebenden Tieren: Ein Flügel der betäubten Biene wird zwischen zwei Glasplättchen geklemmt und unter einer Stereolupe mit einer Digitalkamera abgelichtet. Das Bild wird in den Computer überspielt, wo die neue Software die Aderstruktur erfaßt und mit den gespeicherten Referenzdaten vergleicht. Diese umfassen jeweils ca. 30 Bilder aller allein in Deutschland vorkommenden 550 Bienenarten. Nach einer Trainingsphase nennt das Programm nach wenigen Minuten mit einer Präzision von 98–99,8 Prozent den Artnamen.
    Der Aufwand ist nicht nur wissenschaftlich motiviert: Eine (für Bauvorhaben vorgeschriebene) Umweltverträglichkeitsprüfung oder die Kartierung eines Schutzgebietes erfordert meist auch die Erfassung der vorkommenden Bienenarten, und die Landwirtschaft ist manchmal auf Bienenarten angewiesen, die nur wenige Pflanzenarten bestäuben, welche ihrerseits auf diese Spezialisten angewiesen sind. Auf Bienen spezialisierte Taxonomen gibt es allerdings in Deutschland nicht genug; mit der Bienen-Software kann nun aber selbst der entomologische Laie eine Bienenart bestimmen. Der Agrarwissenschaftler Dr. Stefan Schröder, der das Konzept zusammen mit dem Informatiker Dr. Volker Steinhage (beide Universität Bonn) entwickelt hatte, erhielt dafür 2003 in Kopenhagen den Ebbe-Nielsen-Preis, der von der Global Biodiversity Information Facility (GBIF) gestiftet wird. (Quellen: ABIS · Ebbe-Nielsen-Preis · Institut für Landwirtschaftliche Zoologie und Bienenkunde)

7.  Hummeltreue währt am längsten ... (Januar 2005)
Aus genetischer Sicht ist Promiskuität von Vorteil: Eine starke Durchmischung der Gene begünstigt die Genkombinationen, die eine optimale Anpassung einer Art an ihre Umwelt und damit ihr Überleben ermöglichen. Die Königinnen der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) jedoch werden von mehreren Begattungen krank: Sie schlafen schlecht und sterben füher als monogame Artgenossinnen, wie Forscher der Universität Kopenhagen durch künstliche Besamungen herausfanden. Als besonders schädlich erwies sich eine Mischung aus der Sperma von Brüdern. Den Grund vermuten die Biologen in einer Unverträglichkeit verschiedener Samenzellen. (Quelle: Proceedings of the Royal Society B Online, 19.01.2005)

6.  Die Steinhummel ist das "Insekt des Jahres" 2005
Das "Kuratorium Insekt des Jahres" des Deutschen Entomologischen Instituts hat die Steinhummel (Bombus lapidarius) zum "Insekt des Jahres 2005" gewählt. Die Wahl fand zum ersten Mal gemeinsam mit der Österreichischen Entomologischen Gesellschaft statt, der Bayerische Minister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Dr. Werner Schnappauf, ehrte die Hummel als Schirmherr. Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft machte die Wahl in einer Presse-Information bekannt.
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschafts-
und Landnutzungsforschung (ZALF) e.V.
Deutsches Entomologisches Institut
Eberswalder Straße 84
15374 Müncheberg
Fon: 033432/82200
Fax: 033432/82223
  Österreichische Entomologische Gesellschaft (ÖEG)
Univ.-Prof. Dr. Konrad Thaler
Institut für Zoologie u. Limnologie
Technikerstraße 25
A-6020 Innsbruck, Österreich
E-mail: konrad.thaler@uibk.ac.at
  Biologische Bundesanstalt
für Land- und Forstwirtschaft (BBA)
Messeweg 11–12
38104 Braunschweig
Fon: 0531/299-3207
Fax: 0531/299-3000

5.  Kinderbuch über die Kinderstube der Insekten (Herbst 2004)
Ein interessantes Insektenbuch für Kinder erscheint: Anne Möller (2004): Nester bauen, Höhlen knabbern · Wie Insekten für Ihre Kinder sorgen. Atlantis-Verlag, Stolberg. Der Blick in die Kinderstube etwa einer Schneckenhaus-Mauerbiene ist ungewöhnlich und schon deshalb empfehlenswert. Solche Buchtitel wirken der Entfremdung heutiger Kinder von der Natur entgegen und eignen sich daher gut als Geschenke.

4.  Die Sammelareale der Ackerhummel und Dunklen Erdhummel (Dezember 2004)
Der Schutz gefährdete Hummelarten setzt Kenntnisse über ihren jeweiligen Sammelradius und ihre Nestdichten voraus. Frühere Untersuchungen konzentrierten sich auf die weltweit verbreitete Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) in der Annahme, daß diese Art repräsentativ auch für andere sei. Eine neue Studie vergleicht die Dunkle Erdhummel mit der Ackerhummel (B. pascuorum) und zeigt, daß dem nicht so ist:
    Auf einer 10 km langen Strecke wurden Arbeiterinnen beider Arten gefangen und 8–9 sogenannte polymorphische Microsatelliten-Marker benutzt, um Schwestern, also Angehörige derselben Völker, zu identifizieren. Schätzungen der Nestdichten, die auf einer Kreisfläche von 50 m Radius in einer Agrarlandschaft beruhten, ergaben 13 Erdhummel-, aber 193 Ackerhummelvölker pro km2. Ackerhummeln sammelten in weniger als 312 m Entfernung vom Nest, während es bei Erdhummeln bis zu 625 m waren.
    Hummelarten können sich also in fundamentalen Aspekten ihrer Ökologie unterscheiden, was bei Schutzmaßnahmen für seltene Hummelarten und isolierte Pflanzenpopulationen ebenso zu berücksichtigen ist wie beim landwirtschaftliche Einsatz von Hummeln als Bestäuber und der Vorhersage des Genflusses genmanipulierter Pflanzen.
    (Quelle: Darvill, Ben, Mairi E. Knight & Dave Goulson: "Use of genetic markers to quantify bumblebee foraging range and nest density" in: Oikos, Dec 2004, vol. 107 (3), p. 471–478)

3.  Nicht fleißig, sondern genial (Juni 2004)
Jahrhundertelang galt die Honigbiene sprichwörtlich als Inbegriff tierischen Fleißes: "Bienenfleißig" sammelte sie Nektar und füllte die Beute des Imkers, und ihre exakt sechseckigen Brutzellen fanden allenthalben Bewunderung. Ihren Ruf verdankt sie allerdings nur der Tatsache, daß sie gezwungenermaßen für das leibliche Wohl des Menschen sammelt, und auch ihr Bild als Baumeisterin wurde 2004 relativiert:
    Bienenwaben bestehen aus Wachs, das die Bienen in speziellen Drüsen im Hinterleib produzieren. Mit ihren Fühlern steuern sie die Dicke der Zellwände, die nur 70 tausendstel Millimeter beträgt. Wie Forscher aus Südafrika und Würzburg herausfanden, formen sie jedoch nicht die bekannten sechseckigen Tönnchen, sondern nur weitgehend runde Zylinder. Dabei erwärmen sie das Wachs auf 40° Celsius, wodurch es zu fließen beginnt und automatisch die energetisch sparsamste Form annimmt: die des Sechsecks. Bienen nutzen also nur "genial" ein physikalisches Prinzip.
    Die Entstehung der sechseckigen Waben kann im Laborversuch leicht simuliert werden, wenn man Zylinder aus dünnem Wachs miteinander in Kontakt bringt und erwärmt. Und auch Lava erstarrt keineswegs zufällig in sechseckigen Säulen.
    (Quelle: Pirk, C.W.W. & H.R. Hepburn, S.E. Radloff et al.: "Honeybee combs: construction through a liquid equilibrium process?", Naturwissenschaften, online am 15.06.2004, DOI: 10.1007/s00114-004-0538-4; Runde Rohlinge und Bienenwärme ergeben perfekte Waben)

2.  Zur Geschlechterverteilung bei der Erdhummel (2004)
Bombus terrestris ist die von Hummelforschern seit langem bevorzugte Hummelart. Dennoch bzw. gerade deshalb gibt es immer wieder Neues zu entdecken, etwa zum Geschlechterverhältnis und Mutter-Tochter-Konflikt, der immer dann ausbricht, wenn die Arbeiterinnen beginnen, eigene Eier zu legen und die Königin zu verdrängen:
    Die Geschlechterverteilung hängt entscheidend von der Königin ab. Je länger diese im energiezehrenden Winterschlaf (Diapause) verweilt, desto größer sind tendenziell die Gruppen ihrer erst- und zweitgeborenen Arbeiterinnen und desto eher produziert sie haploide (unbefruchtete) Eier. Folglich zieht ihr Volk mehr Drohnen und weniger neue Königinnen auf. Nach einer kürzeren Diapause ist es umgekehrt. Die Geschlechterverteilung hängt entscheidend ab von der Zeitspanne zwischen dem ersten haploiden Ei der Königin und dem ersten (natürlich auch haploiden) Eier einer ihrer Arbeiterinnen, die damit in Konkurrenz zur Königin treten: Je länger der Zeitraum zwischen beiden Terminen ist, desto mehr neigt das Geschlechterverhältnis zugunsten der Drohnen.
    Mit der frühen Produktion von Söhnen begrenzt eine Königin zudem stark die Chancen ihrer Arbeiterinnen, über eigene Söhne ihre eigenen Erbanlagen weiterzugeben. Arbeiterinnen in solchen frühreifen Staaten entwickeln zwar nach Ablage haploider Königinneneier ihre Ovarien, um eigene haploide, also Drohnen-Eier zu legen, kommen aber dennoch genetisch kaum zum Zuge: Arbeiterinnen haben mit dem potentiellen Nachwuchs ihrer Söhne einen Verwandtschaftsgrad von 0,375, was nur anderthalb mal höher ist als die Verwandtschaft von 0,25 zu ihren Brüdern, also den Söhnen ihrer Mutter und Königin. Das Legen eigener Eier lohnt sich also für Arbeiterinnen nur dann, wenn der Fortpflanzungserfolg ihrer Söhne mindestens zwei Drittel des Pflegeerfolgs bei ihren Brüdern erreicht; dieser Gleichstand wird aber, wenn überhaupt, nur in einer sehr späten Phase der Volksentwicklung erreicht oder gar übertroffen. Andererseits würden Arbeiterinnen, die zu früh eigene Eier legen, gerade dadurch in eine negative Energiebilanz geraten und so den Erfolg ihrer Gene gefährden.
    (Quelle: Duchateaua, Marie José, Hayo H. W. Velthuisa & Jacobus J. Boomsmaa (2004) in Behavioral Ecology, vol. 15 No. 1: 71–82)

1.  Neue Hummelart in Österreich (2002)
Dr. Johann Neumayer aus A-5161 Elixhausen kann zum ersten Mal ein Exemplar von Bombus haematurus Bombus haematurus KRIECHBAUMER, 1870 in Österreich nachweisen. Diese "Ungarische Hummel" kommt in Europa von Griechenland und der Türkei nord- und westwärts bis Serbien und Ungarn vor und ist offenbar von dort erst kürzlich in den deutschsprachigen Raum eingewandert. (Die Veröffentlichung der Entdeckung folgt zwei Jahre später: Neumayer, J. (2004): "Erstfund von Bombus haematurus Kriechbaumer, 1870 (Hymenoptera, Apidae) in Österreich" in: Beiträge zur Entomofaunistik 5: 134–135.)

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