Personen-Glossar
Die folgende Liste nennt einige wichtige Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Biologie bzw. der Entomologie:

Holger Heinrich Dathe (* 29.06.1945)
Zoologe, Verhaltensbiologe, Entomologe. Studium der Biologie an der Humboldt-Universität Berlin, 1972 Promotion bei Günter Tembrock, 1980 Habilitation mit einer Arbeit zur Physik und Physiologie des Vogelfluges, 1987 Akademie-Professur für Tierphysiologie. 1993–2010 Direktor des wiedergegründeten Deutschen Entomologischen Instituts (DEI) in Müncheberg (seit 2009 Teil der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) in Frankfurt/Main). Bekannt wurde Dathe vor allem durch seine Arbeiten zur Taxonomie und Zoogeographie der Hautflügler, speziell der Bienen der Paläarktis und Afrikas.
 
Andreas Werner Ebmer (* 08.05.1941)
Pater und Entomologe. 1960–1965 Studium der Theologie an der Universität Innsbruck bei gleichzeitiger Beschäftigung mit Wildbienen, angeregt durch Hamann & Koller (1956): "Die Wildbienen der Linzer Umgebung und ihre Flugpflanzen". Durch Erforschung der Bienenfauna Österreichs und zahlreiche Exkursionen vor allem ins mediterrane Ausland arbeitete sich der Pater in die (Unter-)Familie der Halictinae bzw. Halictidae ein und machte sich durch viele wissenschaftliche Arbeiten international einen Namen als Experte für die Gattungen Halictus und Lasioglossum sowie Dufourea und Rophites. 2005 verlieh ihm die DGaaE die Fabricius-Medaille der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie in Würdigung seines "herausragenden entomologischen Gesamtwerkes, insbesondere für seine grundlegenden Beiträge zur Systematik, Zoogeographie und Faunistik der Halictidae".
 
Jean-Henri Fabre (* 21.12.1823 · † 11.10.1915)
französischer Entomologe & Verhaltensforscher, Dichter & Schriftsteller. 1842–1849 Lehrer, 1844 Abitur, 1846 Lehrerlaubnis für Mathematik & 1848 für Physik, 1849–1853 Physiklehrer in Korsika, 1855 Promotion in Paris, 1853–1870 Physikprofessor in Avignon, 1879 Kauf eines Grundstücks nahe Orange (heute das Museum Harmas Jean-Henri Fabre), wo er – durch seine Lehr- und Schulbücher weitgehend unabhängig – bis zu seinem Tod lebte und forschte. Das bekannteste seiner literarischen Werke sind die in viele Sprachen übersetzten Souvenirs Entomologiques ('Entomologische Erinnerungen'), veröffentlicht 1879–1907 in zehn Serien.
 
Johann Christian Fabricius (* 07.01.1745 · † 03.03.1808)
Zoologe bzw. Entomologe und Ökonom. 1762 bis 1764 studierte er in Uppsala bei Carl von Linné, führte dessen Arbeiten in der Entomologie fort und begründete ein taxonomisches System der Insekten unter besonderer Beachtung der Morphologie ihrer Mundwerkzeuge. 1767 nutzte er in London die Sammlungen des schottischen Anatoms und Obstetrikers (Geburtshelfers) William Hunter für die Erstbeschreibungen vieler Insekten und veröffentlichte sie in seinem Werk Systema entomologiae sistens insectorum classes (Leipzig 1775).
 
Heinrich Friese (* 04.05.1860 · † 08.09.1948)
Entomologe und Apidologe. Einer Orgelbauerlehre folgte das Studium der Zoologie, Botanik und Physik (1886–1889). Forschungsreisen u. a. nach Spanien, Frankreich und Ungarn resultierten 1895–1901 im sechsbändigen Werk Die Bienen Europas (Apidae europaeae). Weitere Veröffentlichungen waren u. a.: Megachilinae, Hymenoptera · Apidae (1911) und Die europäischen Bienen (Apidae) – Das Leben und Wirken unserer Blumenwespen. Eine Darstellung der Lebensweise unserer wilden wie gesellig lebenden Bienen nach eigenen Untersuchungen für Naturfreunde, Lehrer u. Zoologen (1922).
 
Karl von Frisch (* 20.11.1886 · † 12.06.1982)
deutscher Zoologe und Verhaltensforscher, Professor für Zoologie an der Universität München, zwischenzeitlich tätig auch am Rudolfinerhaus in Wien, in Breslau und an der Karl-Franzens-Universität Graz. Frisch wurde durch seine Forschungen u. a. an Fischen, vor allem aber zu Sinneswahrnehmungen und Orientierungsvermögen der Honigbiene und die Entschlüsselung ihres Schwänzeltanzes bekannt. Für seine Verhaltensforschungen wurde er 1973 zusammen mit Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
 
William Kirby (* 19.09.1759 · † 04.07.1850)
englischer Entomologe, Gründungsmitglied der Linnean Society und Mitglied der Royal Society; ab 1782 Landpfarrer in Barham, Suffolk, in seiner Freizeit Naturforscher. Durch seine – auch mit anderen zeitgenössischen Naturwissenschaftlern (William Jackson Hooker, Thomas Marsham, James Edward Smith) betriebenen – Studien der Insekten wurde er zum "founder of entomology" ('Gründer der Entomologie'). Sein erstes großes Werk war 1802 die Monographia Apum Angliae (die mehrbändige 'Monographie der Bienen Englands'). Diese erste Abhandlung, die sich ausschließlich den Bienen widmete, gründete auf der Linnéschen Systematik und beschrieb eine Vielzahl neuer Arten. Später verfaßte Kirby zusammen mit dem Kaufmann und Entomologen William Spence das das erste populärwissenschaftliche englische Werk über Insekten: Introduction to Entomology (vier Bände: 1815–1826).
 
Carl von Linné bzw. Carl/Carolus Linnaeus (* 23.05.1707 · † 10.01.1778)
schwedischer Naturforscher, durch die binäre Nomenklatur Begründer der modernen botanischen und zoologischen Taxonomie. Ab 1727 Medizinstudium an der Universität Lund, 1735 Doktorwürde in Harderwijk (Holland); 1738 korrespondierendes Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften, nach seiner Rückkehr Niederlassung als Arzt in Stockholm; 1739 Gründungsmitglied der Schwedischen Akademie der Wissenschaften und deren erster Präsident; ab 1741 Professor an der Universität Uppsala und neun Jahre später deren Rektor; 1747 Leibarzt des Königs; 1756 Adelung durch König Adolf Friedrich, seither "Carl von Linné". Linnés bekannteste Werke sind Systema Naturae (Leiden, 1735), Fundamenta Botanica (Amsterdam, 1735), Critica Botanica (Leiden, 1737) und Genera plantarum (Leiden, 1737).
 
Charles Duncan Michener (* 22.09.1918 · † 01.11.2015)
1941 PhD ('Doctor of Philosophy') an der Berkeley-Universität in Kalifornien, 1942 Assistant Curator für Schmetterlinge am American Museum of Natural History in New York City, 1948 Associate Professor für Entomologie an der Universität Kansas, 1965 Mitglied der National Academy of Sciences, seit 1963 mit jeweils unterschiedlicher Dauer Herausgeber von Fachzeitschriften und Präsident wissenschaftlicher Gesellschaften. Schon 1944 begründete Michener seinen späteren internationalen Ruf als "Bienen-Papst" mit seiner Arbeit Comparative External Morphology, Phylogeny, and a Classification of the Bees. Seine weltweit akzeptierte Klassifikation der Bienen wurde erst 1993 bis 1995 unter seiner Beteiligung teilweise revidiert. 1974 erschien The Social Behavior of the Bees, 2000 sein Standardwerk The Bees of the World, das 2007 die 2. Auflage erlebte.
 
Adolph Schenck (* 11.04.1803 · † 23.02.1878)
Gymnasiallehrer und Entomologe. Von den aus Deutschland bekannten Bienenarten wurden 43 von Adolph Schenck erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Philipps-Universität Marburg verlieh ihm für seine entomologischen Verdienste den Dr. phil. h. c. Der größte Teil seiner naturkundlichen Sammlungen ist verschollen, die Hymenopteren-Sammlung jedoch gelangte 1968 an das Senckenberg-Museum in Frankfurt.
 
Christian Konrad Sprengel (* 22.09.1750 · † 07.04.1816)
deutscher Theologe, Botaniker und Naturkundler; durch sein Werk Das entdeckte Geheimniß der Natur im Bau und der Befruchtung der Blumen (Berlin, 1793) Wegbereiter der modernen Bestäubungsökologie. Seine Forschungen beschäftigten Sprengel so sehr, daß er seinen Posten als Rektor der lutherischen Großen Schule in Spandau verlor. Einige Botaniker erkannten seine Forschungsergebnisse sofort an, 1794 wurde sogar die australische Gattung Sprengelia aus der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae) nach ihm benannt; meist aber wurden seine Erkenntnisse zu seinen Lebzeiten ignoriert oder gar abgelehnt (u. a. von Goethe). Charles Darwin, der Begründer der Evolutionsbiologie (On the Origin of Species, 1859), verhalf Sprengel schließlich zur verdienten Anerkennung durch sein Werk On the various contrivances by which British and foreign orchids are fertilised by insects, and on the good effects of intercrossing (1862).
 
Klaus Warncke (* 14.05.1937 · † 02.01.1993)
deutscher Ornithologe und Entomologe bzw. Apidologe. Nach dem Studium der Biologie, Geographie und Chemie promovierte er über den Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum) und wurde nach dem Referendariat Lehrer für Biologie, Erdkunde und Chemie. Ab 1965 forschte er zur Taxonomie der Bienen und veröffentlichte seine Erkenntnisse zu ihrer Phylogenese 1977 in einem schon zu seinen Lebzeiten umstrittenen Aufsatz: "Ideen zum natürlichen System der Bienen (Hymenoptera, Apoidea)" in den Mitteilungen der Münchener entomologischen Gesellschaft 67: 39–63. Seine Kartierung der Bienen Bayerns konnte Warncke aufgrund seines Unfalltods 1993 nicht mehr abschließen.
 
Paul Westrich (* 26.07.1947)
deutscher Naturwissenschaftler, Entomologe und Apidologe; 1979 Promotion zum Dr. rer. nat., 1999 Verleihung der Meigen-Medaille durch die Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie. Kein Name ist unter Biologen wie Naturschützern im deutschsprachigen Raum so eng mit den Wildbienen verknüpft wie der von Paul Westrich. Ihm verdanken wir das 1989 erschienene Standardwerk Die Wildbienen Baden-Württembergs (Zwei Teile: Allgemeiner Teil: Lebensräume, Verhalten, Ökologie und Schutz und Spezieller Teil: Die Gattungen und Arten) und seit 2011 in vielen Auflagen Wildbienen · Die anderen Bienen. Im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz war Westrich federführend an der 2007 publizierten Roten Liste für die Wildbienen Deutschlands beteiligt. Seit 2008 gibt er die Fachzeitschrift Eucera heraus. Ohne Paul Westrich gäbe es diese Website nicht.
 

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