Gefahren für Wildbienen

Wildbienen sind in vielerlei Hinsicht gefährdet – heute mehr denn je. Obwohl der verheerende Einfluß des Mensches als Hauptursache ihres Artensterben längst klar und wissenschaftlich belegt ist, sollen alle Gefährdungsursachen einmal genannt sein:

  1. Klima & Wetter: Ob es nun an der vieldiskutierten Klimaentwicklung bzw. -katastrophe durch Gasausstoß liegt oder auf natürliche Klimaschwankungen zurückzuführen ist: Das Wetter ist in den letzten Jahrzehnten wahrnehmbar schlechter, vor allem nasser geworden. Was Menschen als unangenehm empfinden, kann für Wildbienen, besonders die vielen unterirdisch nistenden Arten, das Todesurteil bedeuten: Sie können kaum Nahrungsvorräte sammeln und eintragen, die Brutzellen verschimmeln, und in längeren Schlechtwetterperioden verhungern gar die erwachsenen Bienen. Mehrere naßkalte Frühjahre hintereinander vermögen eine Art regional derart zu dezimieren, daß auch unter natürlichen, vom Menschen nicht negativ beeinflußten Bedingungen eine Regeneration viele, viele Jahre dauern kann.
  2. Vegetation und Sukzession: Auch wenn es zunächst seltsam anmutet: Die meisten Bienenarten sind für ihre Nistplatzsuche auf vegetationsarme bzw. -freie Biotope angewiesen. Solche kommen aufgrund geologischer und klimatischer Bedingungen teilweise dauerhaft vor, andere Nistsubstrate aber existieren nur vorübergehend: Sie entstehen durch Erdrutsche, Überschwemmungen, Brände etc., fallen aber schon nach wenigen Jahren der erneuten Verbuschung und schließlich Bewaldung (also der natürlichen Sukzession) zum "Opfer". Dieses Wechselspiel stellt unter natürlichen Bedingungen kein Problem für die Bienenfauna dar; problematisch ist hingegen das Bemühen des Menschen, auch die immer weniger werdende nicht-besiedelte Landschaft in seinem Sinne zu ordnen, die erwähnten "Naturkatastrophen" zu verhindern und unkontrolliert entstandene Ödlandflächen sofort wieder in einen ansehnlichen grünen Zustand zurückzuversetzen. Wertvolle Siedlungsräume für Wildbienen gehen so verloren bzw. entstehen gar nicht erst.
        Ein weiteres Problem sind Neophyten Neophyten: Neubürger, die entweder von alleine in die Habitate einer Bienenart einwandern oder (meistens) durch den Menschenund dorthin verschleppt werden und – wenn sie sich durchsetzen – die heimische Konkurrenz verdrängen. Neophyten können das Trachtangebot einer Bienenart bereichern, meist schmälern sie es jedoch – vor allem dann, wenn die Bienenart auf eine bestimmte Pflanzengattung spezialisiert, also oligolektisch ist.
  3. Honigbiene im Spinnennetz

  4. "Räuber" & Parasiten: Wie andere Insekten auch gehören die Bienen zum Beutespektrum vieler Tierarten: Vögel, Reptilien, Säugetiere und vor allem viele Spinnen- und Insektenarten gehören zu ihren Jägern. Gefährdet bzw. ausrotten können diese aber keine einzige Bienenart: Beutetiere und Prädatoren bzw. Beutegreifer Beutegreifer haben sich über Millionen von Jahren gemeinsam entwickelt.
        Das gilt auch für die Beziehung der diversen Bienenarten zu ihren Parasiten Parasiten sowohl unter Milben, Fliegen, Schmetterlingen, Käfern und Wespen als auch aus der näheren Bienenverwandtschaft: Obwohl es den Schmarotzern immer wieder gelingt, eine lokale Bienenpopulation auszulöschen, überlebt die jeweilige Art, da nach dem Zusammenbruch der Wirtspopulation unweigerlich auch die des jeweiligen Parasiten mangels Wirten zusammenbricht und sich erneut eine Bienenpopulation aufbauen kann.
        Der einzige Parasit, der das Potential zu haben scheint, eine Bienenart bis an den Rand des Aussterbens zu dezimieren, ist zur Zeit die Varroa-Milbe. Der Grund für deren Erfolg ist – wie könnte es anders sein – der Mensch: Varroa destructor schmarotzte urspünglich nur an der asiatischen Honigbiene (Apis cerana), die sich dieser Milbe aber erwehren kann; als Wirt und Parasit in den 1970er Jahren aus egoistischen Interessen der Imker nach Deutschland geholt wurden, befiel die Milbe die Hochzuchtrassen der Westlichen Honigbiene und vernichtet seither ein Volk nach dem anderen. Wildbienen sind von der Varroa-Milbe zum Glück nicht betroffen. Betroffen bzw. gefährdet sind sie allerdings durch die massenhafte Nahrungskonkurrenz der Honigbiene ...
  5. Menschliche Zivilisation: Noch während der industriellen Revolution im Europa des 19. Jahrhunderts war unsere Wildbienenfauna weitestgehend intakt: Wildkräuter, Gehölz- und Ödlandinseln in landwirtschaftlichen Flächen wie im Siedlungsbereich, Totholz, unbefestigte Wege, Lehmgruben, Fachwerk- und Lehmbauten boten selbst den Biotop- und Nahrungsspezialisten unter den Bienen noch ausreichend Nistmöglichkeiten und Trachtpflanzen, und die chemische Keule hatte noch nicht zugeschlagen. Bestandseinbußen durch menschliche Einwirkung gab es nur lokal, was die Arten insgesamt nicht gefährdete. Doch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Rückgang der Populationen in der Fläche zugenommen und ein Ausmaß erreicht, das – zumindest von Fachleuten – nicht mehr übersehen werden konnte. Nach dem 1. Weltkrieg nahm die Lebensraumzerstörung durch die Intensivierung der Landwirtschaft weiter zu, aber immer noch konnten sich die meisten Arten in ihren "Hochburgen" halten.
        Der katastrophale Niedergang der Arten- wie der Individuenzahl auf den aktuellen traurigen Stand erfolgte in den deutschen Wirtschaftwunderjahren, die bekannten Stichwörter dazu sind: Mechanisierung, Chemisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft, massive, staatlich betriebene Flurbereinigungen, Siedlungsbau und Gewerbeansiedlung im "Grünen", ausufernder Straßenbau, Freizeittourismus. Hinzu kommt das, was man als "Wohlstandsverhalten" der späten Nachkriegsjahre bezeichnen könnte: Nie zuvor in der Geschichte Mitteleuropas und Deutschlands gab es eine so breite und wohlhabende Mittelschicht von Hausbesitzern, nie zuvor hatte sie so viel Geld und zugleich Freizeit zur Verfügung. Beide Ressourcen wurden in die repräsentative Ausstattung auch der Gärten gesteckt, und Handwerk, (Garten-) Bau- und chemische Industrie profitierten davon. Die Ergebnisse waren bald der ganze Stolz vieler Eigenheimbesitzer, die sorgsam und unter den kritischen Blicken der Nachbarschaft jedes Wildkräutlein auf dem Einheitsrasen unerbittlich bekämpften, den natürlichen "Wildwuchs" durch "Bodendecker" und neue Zuchtformen aus den Gartencentern ersetzten, Trampelpfade "ordentlich" plattierten und die Fugen zwischen den Platten dann regelmäßig auskratzten, damit sich dort ja keine "Un"kraut und "Un"geziefer breitmache. Die Kommunen, selbst zu Geld gekommen, beteiligten sich an solcher "Verschönerung" und investierten in Erholungsgebiete und Freizeittourismus: Dieselben Wohlstandsbürger, die zu Hause die Natur zur Kulisse zurechtstutzten, entflohen regelmäßig diesem Kunstmilieu, um sich zu Tausenden in Naturinseln zu wälzen, in denen sich die Natur selbst nicht mehr erholen kann.
        So wurde die Wildbienenfauna im kommerziellen wie im nicht-kommerziellen, im öffentlichen wie im privaten Bereich massiv zurückgedrängt – an drei Fronten und mit vielerlei Methoden und Motiven:

    1. Zerstörung bzw. Verminderung der natürlichen Niststätten:
      1. Landwirtschaft: Flurbereinigung, also Vernichtung von Kleinstrukturen wie Gehölz- und Ödlandinseln, Senken, Saumbiotopen etc.; Asphaltierung und Verschotterung alter und die Anlage neuer Wirtschaftswege; Ersatz hölzerner Zaunpfähle und von Natursteinmauern durch Metall oder Kunststoff und Beton.
      2. Forstwirtschaft: Beseitigung wertvollen Alt- und Totholzes aus wirtschaftlichen und Sicherheitsgründen; Aufforstung wenig rentabler Flächen; Verhinderung der natürlichen Sukzession aus ästhetischen bzw. "Ordnungs"gründen.
      3. Wasserbau: Abbaggern von Kies- und Schwemmsandbänken; Vernichtung von Schilf und Ufergehölz.
      4. Straßenbau und -verkehr: Asphaltierung, Betonierung und Verschotterung von Wirtschaftswegen; Straßenneubau durch zuvor unberührte Landschaft.
      5. Flächennutzung bzw. Landschaftsentwicklung: "Rekultivierung" von Kies- und Tongruben, ehemaligen Gewerbegebieten und Randflächen jeglicher Baumaßnahmen durch Verfüllung, Mutterbodenauftrag und "grünkosmetische", artenarme Bepflanzung.
      6. Gärten: Asphaltierung und andere Versiegelung (Kiesbeete); ständige Bodenbearbeitung und Neupflanzungen; Vernichtung von Altholz und abgeblühten Stauden, Ranken etc.
      7. Freizeitverhalten: teilweise intensive (Über-) Nutzung auch letzter naturnaher Gebiete zu "Erholungszwecken": Baden, Campen, Klettern, Mountain-Biking, Reiten etc.
    2. Vernichtung bzw. Verminderung des natürlichen Nahrungsangebots
      1. Landwirtschaft: Vernichtung von Kleinstrukturen (siehe oben) wie Gehölz- und Ödlandinseln, Saumbiotopen etc.; Asphaltierung und Verschotterung von Wirtschaftswegen mit ihrer Randflora; Verlust der Ackerrandflora durch massiven Einsatz von Kunstdünger; Verlust der Feldflora durch massiven Herbizideinsatz.
      2. Forstwirtschaft: Vernichtung von Trachtpflanzen durch Sommermahd und Beseitigung von Saumbiotopen.
      3. Flächennutzung bzw. Landschaftsentwicklung: "Rekultivierung" durch "grünkosmetische", artenarme Bepflanzung; mechanische oder chemische "Unkraut"-Vernichtung auf Gemeindegebiet aus Image-Gründen.
      4. Gärten: Vertreibung der heimischen Flora, um einer "Verwilderung" vorzubeugen; Chemie-Einsatz (Herbizide).
    3. Bienentod: Mähen von Randstreifen
      Das Mähen von Randstreifen im Sommer (hier am 3. Juli) bedeutet den Tod zahreicher Wildbienen

    4. Direkte Vernichtung der Bienen
      1. Landwirtschaft: Chemieeinsatz, Umweltgifte (Pestizide, also Insektizide und auch Herbizide und Fungizide): Nicht zuletzt aufgrund der unübersehbaren Schäden an der menschlichen Gesundheit (Stichwort: "Seveso") und in der Vogelwelt (Stichwort: dünnschalige Falkeneier) hat zwar ein gewisses Umdenken eingesetzt, Insekten werden als Opfer aber praktisch nicht wahrgenommen.
      2. Umweltgifte im Naturkreislauf: Was Menschen zu schaffen macht (Smog, NO×, CO², Ozon etc.).
      3. Straßenbau und -verkehr: "Unfalltod": Mit jeder im Frühjahr getöteten Hummelkönigin geht ein ganzes Volk verloren!
      4. Vorsätzliche Verfolgung aus Angst vor Insektenstichen bzw. "Ungeziefer", aus einem diffusen Gefühl der Belästigung und aus Unkenntnis; das Sammeln einzelner Exemplare aus wissenschaftlichen Gründen ist als Gefährdungsursache auszuschließen.

Kein Wunder, daß sich immer mehr Bienenarten in den Rote Listen "Roten Listen" wiederfinden. Es gibt aber auch immer mehr Menschen, die sich um die Wildbienen-Fauna gerade auch vor ihrer Haustür Sorgen machen. Wildbienen-Post Post

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