Hummel-Ansiedlung

1. Natürlich von selbst

Hummeln lassen sich "automatisch" und "manuell" ansiedeln, wobei die erste Methode die naturgemäßere ist: Man verzichtet auf einen planierten und mit Blumenbeeten und Einheitsrasen dekorierten Garten und entscheidet sich statt dessen für einen naturbelassenen "Wildgarten" mit Mauselöchern, Trockenmauer, Wildblumen etc. Fehlen geeignete Nistmöglichkeiten, baut man an trockenen Stellen einige Nisthilfen aus Ziegelsteinen oder Betonrohrstücken und Gartenplatten ein oder stellt ein paar Hummelkästen auf und überläßt alles weitere der Natur: Wenn Hummelköniginnen das Areal für attraktiv halten, werden sie die Nisthilfen schon finden. Je größer der Mangel an natürlichen Nistplätzen ist, desto größer sind die Chancen einer Besiedlung unserer Ersatzhöhlen.

Da die Königinnen einiger Arten spätestens Mitte März, in warmen Frühjahren auch deutlich früher suchen, müssen die Nisthilfen dann auch eingerichtet bzw. aufgestellt oder aufgehängt sein: Am Anfang sind die Chancen einer Besiedlung am größten. Ein Hummelkasten sollte weder in der prallen Sonne noch im tiefen oder gar feuchten Schatten (hängen oder) stehen und das Flugloch daher wie bei Vogelnisthilfen möglichst nach Osten oder Süden weisen – so genau kommt es aber bei Hummeln darauf nicht an. Auch von unten muß der Kasten gegen Nässe geschützt sein, um schnellem Verschimmeln vorzubeugen.

Da die Jungköniginnen vieler Hummelarten ihre Nisthöhlen in Bodennähe suchen, sollte der Naturfreund ihnen das Finden des Einflugloches erleichtern, indem er/sie den Nistkasten nicht auf eine Mauer, sondern auf eine Steinplatte auf dem Boden stellt. Eine zusätzliche "Rampe" (Bruchsteine, ein Stück Baumstamm oder ein Holzscheit) leitet das Insekt zum Einflug und verhindert, daß es unter Umständen unter dem Kasten nach einer Bodenöffnung sucht. Begünstigt bzw. erst möglich wird das schnelle Finden des Einflugs auch dadurch, daß der Vorbau zunächst vorne offen bleibt.

Wenn sich die Königin dann fest etabliert und die ersten Arbeiterinnen produziert hat, sollte man die Tür spät abends bei Dunkelheit schließen: Die morgens ausfliegenden Insekten merken sich den ungewohnten Abflug vom Flugbrettchen und finden bei ihrer Rückkehr das neue Flugloch schnell wieder. Im Mai muß die Tür des Vorbaus geschlossen sein, damit es Wachsmotten nicht zu einfach haben, einzudringen und ihre Eier abzulegen. Ausreichenden Schutz vor diesen Hummelschädlingen bietet allerdings nur eine Fliegengittertür oder Gitterklappe vor dem Flugloch, das die Hummeln morgens beiseite drücken bzw. umstoßen, und auch ein aufwendig konstruierter Gittertunnel.

Erdkasten   Erdkasten zum Eingraben
Kunststoffrohr mit Deckel und Röhre als Erdkasten   Erdkasten zum Eingraben

Manche Hummelfreunde imitieren die natürlichen Gegebenheiten, indem sie sich einige spezielle und kleinere "Erdkästen" (siehe Fotos) bauen und diese so weit im Boden versenken, daß das Eingangsrohr ebenerdig zum Hineinkriechen einlädt. Wenn ein solcher Nistkasten angenommen wird (was recht wahrscheinlich ist), braucht der flache Karton im Inneren eines Tages nur noch in einen größeren Kasten umgesetzt zu werden. Andere "Hummelhalter" belassen "ihre" Hummeln in größeren, gut getarnten Erdkästen, was besonders dann anzuraten ist, wenn Hummeln auf frei zugänglichem Terrain angesiedelt und deshalb gegen menschlichen Vandalismus geschützt werden sollen. Voraussetzung ist ausreichend gegen Feuchte und Verrotten geschütztes Baumaterial. Die Firma Schwegler bietet einen solchen Erdnistkasten aus Holzbeton mit schräg nach oben zeigender Röhre an. Geeignet sind auch Kunststoffröhren aus dem Baustoffhandel.

2. Künstlich von Hand

Trichter und Marmeladenglas

Naturfreunde, die ihre Leidenschaft für Wildbienen entdeckt haben, werden jedoch oft ungeduldig und wollen auf die Zufälligkeit der Natur nicht warten. Außerdem ist es durchaus möglich, auf engem Raume viele Völker anzusiedeln und damit einen Ausgleich für verbaute Flächen und naturfeindliche Gärten der Nachbarschaft zu schaffen. Notwendig für die künstliche Ansiedlung, also den Fang, ist zunächst und streng nach dem Buchstaben des Gesetzes eine Genehmigung der zuständigen Behörde (Hummeln stehen bekanntlich unter Naturschutz, dürfen also der Natur grundsätzlich eigentlich nicht entnommen werden!) und dann etwas Fingerspitzengefühl, welches man besonders während der Anleitung durch einen erfahrenen "Hummelhalter" erwerben kann:

Wenn eine Königin keine Blüten anfliegt, sondern immer wieder im Zeitlupentempo intensiv zwischen Laub und Steinen und unter Grasbüscheln und Wurzeln nach Bodenöffnungen sucht, ist sie ganz offensichtlich auf Nistplatzsuche. In diesem Zustand läßt sie sich relativ leicht auf dem Boden an einem vermeintlichen Mauseloch einfangen. Es gibt verschiedene Fangmethoden:

  1. Alte, erfahrene "Hummelhasen" schaffen das bequem mit ihren zwei hohlen Händen. Wenn sie die Königin nicht drücken, sticht sie auch nicht; meist behagt ihr sogar die Wärme der Hände. Zwischen Zeigefiger und Daumen lassen sie die Hummel in eine Papierröhre und durch diese schließlich in das Flugloch des Hummelkastens krabbeln. Wer dermaßen erfahrenen "Hummelhaltern" nacheifern möchte, muß sich sicher sein, nicht in Panik zu geraten, wenn das Insekt plötzlich brummt.
  2. Etwas ängstlichere Naturen verwenden ein flaches (Marmeladen-) Glas, in dem sich zur Beruhigung des Insekts schon etwas Polsterwolle befindet. Es wird einfach über die krabbelnde Hummel oder die Bodenöffnung gestülpt, aus dem sie Sekunden später wieder herauskommen wird; sobald sie auffliegt, schiebt man den Deckel darunter und dreht das Glas um.
        Sollte die Hummel in eine enges (Mause-) Loch gekrabbelt sein, kann man auch einen Papiertrichter bzw. eine Pappröhre darüber halten, in die sie zunächst hinein- und aus der sie dann wieder heraus direkt ins Flugloch des Nistkastens krabbeln kann. Das führt zu nur geringen Irritationen. Sollte übrigens der betreffende Rasen keine (Mause-) Löcher aufweisen, kann man mit einer Stange einige Scheingänge hineindrücken ...
  3. Etwas aufwendiger ist ein enges Rohr, das man schräg in den Boden steckt, um so ein Mauseloch zu imitieren. Die Hummelkönigin muß es natürlich erst einmal finden, ist sie aber hineingekrabbelt, zieht man das Rohr heraus und schließt erst das untere Ende (z. B. mit einer schwarzen Filmdose, falls eine solche paßt) und dann das obere. Am Nistkasten gibt man diese Öffnung wieder frei und hält sie gegen das Flugloch. Das Problem ist nun zu wissen, wann die Hummel tatsächlich im Kasten ist ...
  4. Die Verletzungsgefahr für eine Hummel ist am geringsten, wenn sie mit einem großen Kescher gefangen wird. Dies sollte aber nur dicht über dem Boden geschehen, wenn sie wirklich in Suchlaune ist. Die durch das Einsetzen in den Papptrichter ausgelöste Irritation fördert allerdings ihre Such- bzw. Nestgründungslaune keineswegs.
Einzug per Einwegspritze ...

Für alle vier Methoden gilt: Die Königin muß möglichst schnell und schonend in den Nistkasten eingesetzt werden. Wieder gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Aus der Hand kann man sie langsam in ein Pappröhrchen und von dort weiter durch das Flugloch in den Nistkasten krabbeln lassen.
  2. Befindet sie sich in einem Glasbehälter, öffnet man es vorsichtig, setzt schnell einen Papiertrichter auf die Königin und steckt dessen engeres Ende in das Flugloch. Wenn das weitere Ende mit Polsterwolle verstopft ist oder zugehalten wird, orientiert sie sich bald in Richtung Kasten. Notfalls kann man mit einem Pfeifenstopfer sachte nachhelfen.
  3. Eine andere Methode macht von einer möglichst großen Einwegspritze Gebrauch, deren vorderes Ende mit dem Stutzen für die Nadel abgeschnitten wurde: Nachdem man die Königin hinein bugsiert hat, hält man die Öffnung gegen das Flugloch und drückt den Kolben ganz langsam nach vorn ...
  4. Befindet sich die Königin in einem Rohr, dessen eines Ende z. B. mit einem Filmdöschen verschlossen ist, läßt sich das Einsetzen des Insekts sogar kontrollieren. Dafür kommt eine zweite, (milchig-)durchsichtige Filmdose in Frage, wenn sie sich ohne "Spiel" (ohne zu wackeln) auf das offene Rohrende schieben läßt: Man schneidet den Boden weg und steckt die Dose zunächst nur zu drei Vierteln auf das Rohr; sobald man die Hummel durch die durchscheinende Dosenwand sieht, drückt man das Rohr vorsichtig ganz gegen das Flugloch – und hofft, daß sie darin verschwindet.

Die vorgestellten Methoden und "Tricks" bedeuten für das Insekt natürlich mehr oder weniger Streß, der den Suchtrieb überlagern und so den Erfolg gefährden und verhindern kann. Erfahrene "Hummelhalter" versuchen deshalb, die genervte Königin vor dem Einsetzen mit Zuckerwasser in der Hand "anzufüttern" und dadurch "gnädig" zu stimmen nach dem Motto: "Wo ich zu essen bekomme, da geht es mir gut, da will ich wohnen".
    Wenn die suchende Königin in einen Nistkasten eingesetzt wurde, hat sie ihn aber auch mit vollem Bauch noch längst nicht angenommen. Damit sie sich in der ihr unbekannten Höhle orientieren und das Nistmaterial prüfen kann, sollte man den Kasten zwei, drei Minuten geschlossen halten. Wenn man das Flugloch dann wieder freigibt, kann man gut abschätzen, ob sie zurückkehren wird:

3. Fazit

Die Erfahrung vieler "Hummelhalter" lehrt, daß von allen vorgestellten Methoden zur Ansiedlung einer Hummelkönigin die aktiven künstlichen am unsichersten und zugleich nicht wirklich notwendig sind:

Ein guter Ratgeber zur Ansiedlung von Hummeln ist das Buch von EBERHARD VON HAGEN (Wildbienen allgemein --> WB-Literatur Literatur).

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