Scheinlappenbienen · Panurginus

Die Gattung Panurginus ist weltweit verbreitet, im deutschsprachigen Raum (bzw. in Österreich und der Schweiz) kommen aber nur vier Arten vor und in Deutschland gar nur zwei. "Scheinlappenbienen" sind glänzend schwarze und nur 5–7 mm kleine Solitärbienen, die auch Bienenkenner im Feld nur schwer von Andrena-, Dufourea- und Panurgus-Arten unterscheiden können. Zu letzteren werden sie manchmal als Untergattung gestellt, allerdings zeigen Panurginus-Arten an den Hinterschienen nicht die gut entwickelten und auffällig langen Körbchenhaare (Scopae) der "Zottelbienen" – eben die "Zottel". Von Sandbienen (Andrena) unterscheidet sich Panurginus durch die zwei Cubitalzellen der Flügel und die geringere Größe. Das Kopfschildchen (Clypeus) unserer heimischen Drohnen ist stets gelb und damit ein Gattungsmerkmal.

Panurginus-Arten scheinen überwiegend polylektisch zu sein, die in den bayerischen Alpen vorkommende P. montanus bevorzugt allerdings Korbblütler (Asteraceae), vor allem Cichorioideae (= Lactuceae), und P. labiatus ist vermutlich auf Kreuzblütler (Brassicaceae) spezialisiert, also oligolektisch. Den Pollen transportieren diese Bienen in der nur schwach entwickelten Bürste an der Schiene (Tibia) und Ferse (Metatarsus) der Hinterbeine; dabei umschließt der nektarfeuchte Pollenklumpen die Tibia ringförmig wie bei den Schwebebienen (Melitturga).

Wie die Zottelbienen (Panurgus) und Sandbienen (Andrena spec.) nisten Scheinlappenbienen im Boden, und zwar an ebenen wie auch schrägen vegetationsarmen und -freien Stellen, oft in Aggregationen: Während die meisten Arten streng solitär sind, nistet P. labiatus teilweise kommunal mit bis zu fünf Weibchen pro Nest. Ein Panurginus-Weibchen gräbt zunächst einen senkrechten Hauptgang, den es dann rechtwinkelig in mehrere nur wenige Millimeter kurze Seitengänge verzweigt; an deren Enden baut sie dann je eine waagerechte Brutzelle und füllt den Restgang schließlich wieder mit Erde. Die Larven spinnen keinen Kokon und überwintern wohl als Ruhelarve. Die Männchen umschwärmen gewöhnlich die Blüten und Nest-Aggregationen auf der Suche nach Weibchen und schlafen oft in Gruppen auf Blütenständen. Über eine Parasitierung scheint nichts bekannt zu sein.

Scheinlappenbienen fliegen in einer Generation erst im Sommer, nämlich von Juni bis August. Neben der ostdeutschen Tieflandart P. labiatus leben die anderen drei Arten in den Alpen oberhalb der Waldgrenze. Dort sollte man auf blütenreichen Matten nach ihnen suchen.

PanurginusLängeVerbreitungFlugmonateSozialverhalten
P. labiatus?–? mmostdt. & ostösterr. TieflandVI–VIII teilweise kommunal
P. montanus6–7 mmAlpenbogenVI–VIIIsolitär
P. sericatus?–? mmschweiz. & österr. AlpenVII–VIIIsolitär
P. tyrolensis?–? mmschweiz. & österr. AlpenVII–VIIIsolitär

Panurginus Nylander 1848 nach Schwarz et al. (1996), Müller (1997) sowie Westrich & Dathe (1997 & 98)
P. labiatus (Eversmann 1852)
P. montanus Giraud 1861
P. sericatus (Warncke 1972)
P. tyrolensis Richards 1932
4 Arten


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