Buntbienen · Camptopoeum
Artenportrait:  Camptopoeum  friesei

Camptopoeum sind eine in Mitteleuropa sehr seltene Gattung: Im deutschsprachigen Raum sind gerade einmal zwei Arten belegt, die einzige in Deutschland lebende Art (Camptopoeum frontale, 6–7 mm) ist in Sachsen-Anhalt vom Aussterben bedroht. Die im österreichischen Burgenland häufigere Art C. friesei ist eine Spezialistin für Sodaböden und in den Salzlacken des Neusiedler Sees noch regelmäßig anzutreffen, aber durch falsches Nationalpark-Management mittlerweile ebenfalls gefährdet.

"Buntbienen" sind schwach behaart und schwarz, aber gelb geringelt; Gesicht und Thorax weisen gelbe Flecken auf, die Augen sind auffällig groß und hell. Aus einiger Entfernung erinnern sie trotz des stumpfen Abdomen-Endes an die etwa gleichgroße, aber stärker behaarte Seidenbiene Colletes daviesanus mit ihren auffällig hellen Haarbinden. Mit ihren Bürsten an Hinterschiene und -ferse transportieren Buntbienen große weil nektarfeuchte Pollenklumpen. Beide Camptopoeum-Arten sind auf zwei Korbblütler-Gattungen, nämlich Flockenblumen und Disteln, spezialisiert, also oligolektisch.

Wie die meisten Bienenarten nisten auch Buntbienen in kleinen bis großen Aggregationen im Boden, und zwar an ebenen wie auch schrägen (fast) vegetationsfreien Stellen: Von einem Hauptgang aus graben sie mehr oder weniger rechtwinkelig Seitengänge, an deren Enden die horizontalen Brutzellen entstehen. Nach deren Verproviantierung Zelle und dem Legen des Eies verschließt das Weibchen die jeweilige Zelle und füllt den Seitengang mit Erde auf. Die Larven spinnen keinen Kokon – trotz des oft feuchten Nistsubstrats. Die fertige Biene gräbt sich im Hochsommer des folgendes Jahres an die Oberfläche, wo die Weibchen von den dort patrouillierenden (zuvor geschlüpften) Drohnen schon erwartet werden. Wenn allerdings – was in manchen Jahren vorkommt – die Salzlacken im Sommer überschwemmt sind, ertrinken die Imagines nicht in ihren Nestern, sondern erscheinen an derselben Stelle und in der gleichen Häufigkeit erst im darauf folgenden Jahr. Buntbienen können also ein ungünstiges Jahr "überliegen" und werden deshalb auch als "Überlieger" bezeichnet.

Salzlacken am Neusiedler See   Salzlacken am Neusiedler See
Die Salzlacken am Neusiedler See (Burgenland):   das salzige Nisthabitat der Buntbiene C. friesei

Die seltenen Buntbienen fliegen in nur einer Generation im Juli und August. Dann kann man auch ihren Kuckuck beobachten: die Kurzhornbiene Pasites minutus. Camptopodeum wie auch ihr Kuckuck sind bilang nur wenig erforscht.

Buntbienen auf Salzlacke   2 Buntbienen <I>C. friesei</I> am Nistloch
Salz-Buntbiene Drohne (Camptopoeum friesei) an einem Schlupfloch   Lange Lacke bei Apetlon, 05.08.2005

Camptopoeum Spinola 1843 nach Schwarz et al. (1996), Müller, sowie Westrich & Dathe (1997 & 1998)
C. friesei Mocsáry 1894 C. frontale (Fabricius 1804)
2 Arten

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  Portrait: C. friesei nächste Gattung