Wildbienen-Exkursionen
Wer sich ernsthaft für Wildbienen interessiert, wird sich bald nicht mehr mit der Beobachtung der Besucher seiner Nisthilfen zufrieden geben, sondern auch seine Umgebung erforschen wollen – vielleicht sogar entferntere Ziele. Dafür gibt es hier einige Tips:

1. Exkursionsziele

Wer versuchen möchte, bestimmte Bienenarten zu finden, muß zunächst wissen, wann diese überhaupt aktiv sind: Sind es Frühjahrs- oder Sommerarten, gehören sie zu den wenigen Arten, die erst im Spätsommer oder Herbst schlüpfen, haben sie vielleicht zwei Generationen im Jahr? Wenn die Jahreszeit stimmt, ist zu klären, ob die Art an einen bestimmten Lebensraum gebunden ist: Sandheide, Dünen, Dämme, Ruderalflächen, Wald? Schließlich sollte man wissen, an welchen Nistplätzen und an welchen Pflanzen eine Bienenart zu finden ist: Manche nisten in Sandflächen, andere in Lehmwänden, wieder andere in Totholz; manche Arten sind Nahrungsgeneralisten (polylektisch), die den Pollen für ihre Brutzellen an allen möglichen Blüten sammeln, Spezialisten (oligolektische Bienen) hingegen sind auf bestimmte Pflanzenfamilien oder gar -gattungen angewiesen. Man muß also wissen, wo die Niststrukturen und Blütenpflanzen der gesuchten Bienen zu finden sind.
    Die nötigen Informationen über die Biologie einer Bienenart erhält man in der bekannten Literatur und im Internet (z. B. auf dieser Website). Bienenfreundliche Biotope sind selten geworden heutzutage, wer aber seine Umgebung einmal erwandert hat und die Pflanzenwelt etwas kennt, der kennt vermutlich die Stellen, wo Bienen ihre Nistplätze und Trachtpflanzen finden. Zudem kann man sich ein neues Hilfsmittel zunutze machen, das es vor Jahren noch gar nicht gab: Google Earth und seine Konkurrenzdienste! Tips bekommt man auch von Gleichgesinnten, und lohnende Exkursionen werden immer wieder auch von Naturschutzorganisationen und Biologischen Stationen angeboten: Unter sachkundiger Führung eines Biologen bzw. Bienenspezialisten lernt man in zwei Stunden vielleicht mehr als alleine in zwei Jahren ...

2. Ausrüstung

Wer einen halben oder ganzen Tag im Gelände verweilen möchte, ist schlecht beraten, dies wie einen Sonntagsspaziergang zu planen: Die möglichen Probleme fangen bei einer fehlenden oder wenig geeigneten Kopfbedeckung an und enden beim Schuhwerk. Wer sich nach der Exkursion nicht über einen Sonnenbrand und Überanstrengung, verschmutzte Hosenbeine und nasse Schuhe ärgern will, der sollte sich (abgesehen von einer Kamera) ein paar wichtige Ausrüstungsartikel zulegen:

Sonnenkappen mit Halsschutz   Knieschoner
Sonnenkappen mit Halsschutz   Knie- bzw. Hosenbeinschoner

3. Bienen-Wetter · Wetter-Links · Wetter-Apps

Bienen sind Sonnenkinder: Sie fliegen, wenn die Blumen blühen, und diese blühen in der Regel, wenn die Sonne scheint. Nur wenige Bienenarten sammeln auch bei schlechten Wetter und in der Morgen- und Abenddämmerung. Eine längere Exkursion sollte man also vom Wetterbericht abhängig machen – einige Hyperlinks sind hier aufgelistet:

Auswahl von Wetter-Websites & -Apps

    Allerdings ist an schönen, d. h. sonnigen Tagen der Morgen aus zwei Gründen besonders für (Foto-) Exkursionen geeignet: Solange es am Morgen noch nicht richtig warm ist, sind auch viele Bienen noch nicht richtig aktiv: Sie sitzen oder kriechen träge auf Blüten, auf denen sie vielleicht übernachtet haben, und lassen sich jetzt besonders gut fotografieren. Um die Mittagszeit ist es dann möglicherweise so warm, daß die Bienen entweder für unser Auge und unsere Kamera zu schnell oder schon in ihren Nestern sind. Außerdem gibt es Blüten, die sich mittags schon schließen oder zumindest dann kaum noch Nektar und Pollen haben. Spätaufsteher sind dennoch von Bienenexkursionen nicht ausgeschlossen: Während Vogelstimmenexkursionen schon in der Dämmerung beginnen müssen, reicht es für Bienen, wenn man etwa um 9 Uhr im Gelände ist, und manche interessante Beobachtung ist auch nachmittags noch möglich.

4. Verantwortungsbewußtsein

Das Beobachten und Fotografieren von Bienen ist noch kein Naturschutz und erst recht keine Rechtfertigung, der Natur – also den Bienen oder der Vegetation – zu schaden. Genau das aber kann leicht passieren, wenn man mit schußbereiter Kamera hinter einer Biene herläuft. Hier einige Verhaltensregeln für verantwortungsbewußt Naturfreunde und -fotografen:

5. Kartierungserfolg

Wer für einen Naturschutzverband oder eine Behörde und mit deren Genehmigung ein Gebiet kartiert, hat den Auftrag wie auch das Interesse, die dort vorkommnenden Bienenarten vollständig zu erfassen. Das ist jedoch viel leichter gefordert und gewünscht als getan. Probleme bereiten vor allem suboptimale Witterungsbedingungen, die kurze Verweildauer der Bienen an ihren (bekannten) Nestern und die geringen Reproduktionsraten – zu diesen Ergebnissen kam 1990 eine wissenschaftliche Studie zur Bienenfauna der ostfriesischen Insel Norderney durch den Entomologen Haeseler. Der bekannte Autor Rolf Witt referiert die Ergebnisse und stutzt damit allzu großen Optimismus auf ein realistisches Maß zurecht:

47,8% der erfaßten Arten wurden an 5 oder weniger Tagen nachgewiesen, 23% nur an einem Tag und nur 8% an mehr als 15 Tagen. In dem im Vergleich zu vielen terrestrischen Biotopen gut definierbaren, abgegrenztem Biotopverbund der Insel ist davon auszugehen, daß erst nach 16 ganztägigen Erhebungen bei optimaler Witterung verteilt über 5 Jahre durch einen Spezialisten ein Erfassungsgrad von 80% erreicht worden ist. In den bei Gutachten üblichen 5–8 Erfassungstagen pro Fläche ist demzufolge ein Erfassungsgrad von unter 50% keine Seltenheit.

Quellen:
Haeseler, Volker (1990): "Wildbienen der ostfriesischen Insel Norderney (Hymenoptera: Apoidea)" in: Faun.-Ökol. Mitt. 6: S. 125–146.
Witt, Rolf (1997): "Populationsstrukturen und -dynamik bei Stechimmen (Hymenoptera, Aculeata)" in: BerANL 21 (1997): S. 75–82.

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