Lobbyismus

Im Naturschutz lassen sich drei Aspekte bzw. Dimensionen isolieren: den

  1. sachlichen Aspekt: die notwendige Handlungskonsequenz wissenschaftlich fundierter Erkenntnis;
  2. emotionalen Aspekt: Liebe oder Begeisterung für die Natur, die dem naturwissenschaftlichen Laien für sein Engagement im Naturschutz auch dann reicht, wenn er nicht alles weiß bzw. versteht;
  3. gesellschaftlichen Aspekt: ein Verständnis von Umwelt- und Naturschutz nur als Ziel von Interessengruppen und Ergebnis gesellschaftlicher Auseinandersetzung.

Es gibt nicht wenige Mitmenschen, die nur den dritten Aspekt verstehen, indem sie die Bedürfnisse der lebendigen Natur nur als Ansprüche einer Naturschutz-Lobby wahrnehmen und sich folglich nicht mit der Natur selbst, sondern nur mit anderen Menschen auseinandersetzen können. In diesem Sinne interpretiert der Autor die bislang einzigen beiden negativen Zuschriften zu dieser Website:

Mit ihrer¹ Argumentation werden sie bestimmt keinen einzigen Imker für ihre¹ Sache gewinnen.
mit imkerlichen Gruß
J. W.
Bienensachverständiger und Beauftragter der ... des Landes ...
für die Beratung und Umsiedelung von Hummel- und Hornissenvölker.
Liebe Wildbienen-Macher,
vielen Dank, daß Sie gegen "eine maßvolle nebengewerbliche Imkerei (...) nichts einzuwenden" haben. Sie dürfen nicht glauben, daß Sie damit bei vielen ehrlichen und engagierten Imkern Interesse und Verständnis für Wildbienen und Hummeln wecken können. Während die Imker bemüht sind, Schranken zwischen Naturnützern und -schützern abzubauen, scheint man in manchen sog. Umweltschützerkreisen nicht viel dazu gelernt² zu haben. Schade eigentlich, daß man Ihre Homepage nicht uneingeschränkt weiterempfehlen kann.
Mit freundlichen Grüßen
A. S.
Fachberater für Imkerei

Um es gleich vorweg zu sagen: Es war nie die Absicht des Autors und wird es auch nie sein, unbedingt alle Imker für seine Sache gewinnen. Dies ist meist auch gar nicht nötig, da die meisten Imker durchaus Naturfreunde sind. Diese Website ist nämlich nicht in der Absicht entstanden, der Öffentlichkeit Meinungen, Denkrichtungen, Einstellungen etc. auf taktisch raffinierte Weise zu vermitteln, sondern Fakten: wissenschaftliche Erkenntnisse über einen interessanten und wichtigen Teil unserer Fauna.

Zu den Fakten zählen auch Aussagen in Zeitungsartikeln wie dem oben zitierten und solche Fakten, die egoistisch oder/und (verbands)politisch motivierte und objektiv falsche Behauptungen widerlegen. Die beiden Sachverständigen bzw. Fachberater haben offenbar folgendes nicht verstanden:

  1. In wissenschaftlichen Disziplinen geht es nicht darum, mit diplomatischen Formulierungen oder gar Zugeständnissen in der Sache um Verständnis für etwas zu feilschen oder Schranken zwischen Personen oder Lobbys abzubauen, um die (verbandspolitischen) Interessen aller Beteiligten "ausgewogen" zu berücksichtigen. Es geht zunächst nur um die Sache, nicht um Meinungsträger.
  2. Wissenschaftliche Arbeit bedeutet, eine Sache objektiv zu beschreiben bzw. zu klären. Erst aus gesicherten Erkenntnissen sollten umweltpolitische Forderungen abgeleitet werden, nicht aus (wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen) Interessen.
  3. Unbedingte Solidarität mit den Massenproduzenten von Honig und Honigbienen führt ebenso in falsche Richtung wie die kurzsichtige Solidarisierung von Kleinbauern mit den Großbauern der industrialisierten Landwirtschaft. Verantwortungsbewußte Bio-Imker sind gefragt!

Beide Schreiber habe ich aufgefordert, mir solche Aussagen mitzuteilen, die zwischenzeitlich ganz oder teilweise durch neuere und zitierte Forschungsergebnisse überholt seien, damit ich meine Texte auf wissenschaftlicher Grundlage aktualisieren könne. Bekommen habe ich nichts ...

Der Autor ist sich übrigens sicher, daß "Bienensachverständige" in der aktuellen Umweltpolitik nur nebensächliche Aushängeschilder sind; würde die Imkerei plötzlich verschwinden (mangels wirtschaftlicher Nachfrage etwa oder aufgrund einer Bienenseuche), würden solche Institutionen ihr ganz schnell folgen: Ein eigenständiges Interesse an Wildbienen gibt es in der Politik nicht. Das sollte man jedoch ändern.


¹ Vermutlich meint der "Bienensachverständige" hier nicht 'ihrer' bzw. 'ihre' (einer dritten Person), sondern 'Ihre' (meine Argumentation bzw. Sache).
² Vermutlich meint der Fachberater hier nicht 'dazu gelernt' (also 'zu' diesem Thema), sondern 'dazugelernt'.

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